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Umwelt

Viel Wirbel um den Wolf

Immer öfter sind Wölfe auch in Bayern unterwegs. Das sorgt für Aufregung – auch, wenn die Nachweise oft dürftig sind.

Immer wieder wandern Wölfe auch durch Bayern. Foto: Patrick Pleul/dpa
Immer wieder wandern Wölfe auch durch Bayern. Foto: Patrick Pleul/dpa

München.Der Umweltausschuss des Landtags hat darüber debattiert, der Bauernpräsident notfalls den Abschuss gefordert: Wilde Wölfe beschäftigen wieder einmal die Menschen in Bayern. Die tatsächlichen Zahlen bleiben allerdings gering: Im gesamten vergangenen Jahr wanderten ein halbes Dutzend Wölfe durch den Freistaat – ein Bruchteil der Tiere, die in Nord- und Ostdeutschland leben. Allein von 2015 auf 2016 stieg die Zahl der Rudel in der Lausitz, in der sächsischen Schweiz, in Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen von 31 auf 46, wie aus Zahlen des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) hervorgeht.

In Bayern ist laut LfU hingegen bisher nur ein Wolf heimisch geworden. Seine Spuren wurden seit 2015 mehrfach im Bereich des Nationalparks Bayerischer Wald gefunden. Er lebe dort „sehr unauffällig“, sagt der LfU-Sprecher. Auch im Freistaat werden öfter als früher Wölfe gesehen. Aber: „Wir haben in Bayern eine überschaubare Zahl an Wolfsnachweisen.“

„Wir haben in Bayern eine überschaubare Zahl an Wolfsnachweisen.“

Dennoch hat sich der Umweltausschuss des bayerischen Landtages kürzlich auf Antrag von CSU und Freien Wählern dafür stark gemacht, die Möglichkeiten zum Abschuss des streng geschützten Tieres zu erweitern, wegen der Gefahr für die Almwirtschaft.

Naturschützer wollen Schäfer stärker unterstützen

Dabei lebe im Freistaat nicht einmal ein einziges Rudel, kritisierte der BUND Naturschutz in Bayern (BN). „Eine prominente Tierart, der Wolf, kehrt allmählich nach Bayern zurück und die erste Reaktion ist der Ruf nach der Flinte“, sagt BN-Chef Hubert Weiger. Vielmehr müsse ein Förderprogramm für Schäfer und Weidetierhalter aufgelegt werden. „Wir brauchen sowieso – mit oder ohne Wolf – ein Existenzsicherungsprogramm für die bayerische Schäferei.“

Ein einziges Mal riss ein Wolf im vergangenen Jahr nachweislich ein Schaf. Am Freitag bestätigte das LfU auch den Riss einer Hirschkuh Anfang Januar auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels. Speichelspuren an den Verletzungen am Hals hatten über eine DNA-Analyse Klarheit erbracht, dass ein Wolf zugebissen hatte.

Bauern berichten allerdings viel häufiger über Risse wie auch über die Sichtung von Wölfen. Einmal gab ein Landwirt auf dem Medien-Portal „nordbayern.de“ an, er habe über mehrere Jahre fünf Kälber an den Wolf verloren. Ein DNA-Nachweis sei aber nie möglich gewesen, weil die gerissenen Tiere „so schnell komplett weg“ gewesen seien. Vor wenigen Tagen folgte ein Bericht über drei getötete Schafe bei Hersbruck: „War es ein Wolf?“

Auch Jäger berichten von Rissen bei Rotwild. Bewiesen sind sie nicht. Andererseits wird nicht jeder Riss entdeckt. Selbst die wenigen Wölfe wären bei der Durchreise durch Bayern von einem einzigen Schaf und einem Hirsch wohl nicht satt geworden.

Wolf entpuppt sich als Fuchs

Der „Wolf“ in der Fotofalle entpuppte sich als Fuchs.
Der „Wolf“ in der Fotofalle entpuppte sich als Fuchs. . Foto: Schmer

Ein Foto aus Traunfeld im Landkreis Neumarkt sorgte für Furore: Ein Jäger gab an, er habe mit seiner Wildkamera einen Wolf fotografiert.Bei der Prüfung durch LfU-Experten stellte sich aber heraus: Es war ziemlich sicher ein Fuchs.

Ein junges Rind eines Bauern in Fürstenzell im Landkreis Passau wiederum wurde laut BN der Gen-Analyse zufolge entgegen ersten Spekulationen von einem Hund gerissen. Kaum jemand fordere nun aber den Abschuss von Hunden, sagt der BN-Landesbeauftragte Richard Mergner. Die „verbale Treibjagd“ auf den Wolf, immerhin ein „Ureinwohner“ Bayerns, müsse aufhören. „Wir müssen die Lebensbedingungen schaffen, damit der Wolf wie der Luchs in Bayern wieder heimisch werden kann. Vor allem, weil er auch durchaus die zu hohen Wildbestände, Rehwild oder Wildschweine, verringern hilft. Dafür ist es wichtig, dass wir wieder lernen, mit dem Wolf zu leben.“

„Es ist wichtig, dass wir wieder lernen, mit dem Wolf zu leben.“

Die Landwirte, mit den Naturschützern ohnehin wegen der Bauernregeln-Kampagne von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) zerstritten, warnen hingegen vor Schäden für Landwirtschaft und Kulturlandschaft. „Der Wolf entscheidet über Wohl und Wehe der Weidetierhaltung“, sagte Bayerns Bauernverbands-Präsident Walter Heidl kürzlich. „Wenn nötig, muss er geschossen werden.“

Kündigt sich das erste Rudel an?

Zwei Wölfe sind im Nationalpark Bayerischer Wald in eine Fotofalle getappt. Foto: Bayerisches Landesamt für Umwelt/Nationalpark Bayerischer Wald/dpa
Zwei Wölfe sind im Nationalpark Bayerischer Wald in eine Fotofalle getappt. Foto: Bayerisches Landesamt für Umwelt/Nationalpark Bayerischer Wald/dpa

Inzwischen sind erstmals in Bayern zwei – laut Experten echte – Wölfe gemeinsam in eine Fotofalle getappt. „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es sich um ein Pärchen handelt“, sagt der LfU-Sprecher.

Falls es sich wirklich um ein Männchen und ein Weibchen handeln sollte, könnte Experten zufolge schon in den nächsten Jahren tatsächlich ein richtiges Rudel durch Bayerns Wälder ziehen.

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