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Viele Kinder können nicht schwimmen

In Bayern sind nur 30 Prozent der Kinder des Schwimmens mächtig. Fehlende Bäder und zu wenig Unterricht sollen schuld sein.
Von Michael Sperger

Immer weniger Kinder schwimmen im Wasser sicher. Foto: Ole Spata/dpa
Immer weniger Kinder schwimmen im Wasser sicher. Foto: Ole Spata/dpa

Regensburg.Freistaat und Kommunen müssen nach Ansicht von Fachleuten mehr Geld in Schwimmbäder und in die Schwimmausbildung von Kindern und Jugendlichen investieren. Vor allem müsse in Grundschulen ein durchgängiger Schwimmunterricht sichergestellt werden, hieß es am Mittwoch in einer Expertenanhörung im Innen- und Sportausschuss des Landtags. Das sei heute nicht der Fall, nicht einmal in München. Zudem müsse für jedes Kind ein Schwimmbad in erreichbarer Nähe sein.

„Schwimmen sollte eine Grundfähigkeit sein – das ist aus unserer Sicht ein Muss“, sagte der Vize-Vorsitzende der Wasserwacht Bayern, Ingo Roeske. Der bayerische Ausbildungsleiter der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Patrick Sinzinger, sagte sogar: „Schwimmen ist ein Grundrecht.“

Seepferdchen ist kein Maßstab

Er warnte allerdings, 70 Prozent der Kinder im Freistaat könnten nicht sicher schwimmen. Maßstab sei, dass die Kinder 200 Meter am Stück schwimmen können, nicht nur 25 Meter, wie sie für das Seepferdchen-Abzeichen reichen. „Ein Seepferdchen ist nichts anderes als eine Wassergewöhnung“, betonte auch Roeske.

An allen Realschulen, Gymnasien und sonderpädagogischen Förderzentren im Landkreis Regensburg wurde im vergangenen Jahr die Zahl der Nichtschwimmer abgefragt. Insgesamt können 206 Schüler im Landkreis nicht schwimmen. An allen Schulen, mit Ausnahme der Gymnasien, bestünde nach der Umfrage Bedarf an Schwimmlernangeboten. Besonders groß ist der Bedarf am Beruflichen Schulzentrum mit 103 Nichtschwimmern.

Die Kapazitäten der Bäder möchte der Landkreis Regensburg für Kurse nutzen.

Im Regensburger Westbad wurde im Juni 2017 ein Lehrschwimmbecken eröffnet. Auf einer Größe von 8 auf 12,5 Metern und einem abgeschrägten Boden können Schwimmkurse gut durchgeführt werden, wie es auf der Homepage des Bades heißt. Auch die hohe Auslastung der bisher angebotenen Schwimmkurse führte zu der Erweiterung. „Das Lehrschwimmbecken ist enorm nachgefragt, es ist quasi ausgebucht“, sagt Martin Gottschalk von den Stadtwerken Regensburg, die Betreiber der Regensburger Bäder sind. Im Westbad nahmen im vergangenen Jahr 225 Teilnehmer an den 26 angebotenen Schwimmkursen für Kinder teil, wie es vonseiten der Stadtwerke heißt.

Georg Leipold, Vorstandsmitglied im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, forderte einen durchgehenden, kontinuierlichen Schwimmunterricht in der Grundschule, und zwar bis zum Niveau des Bronze-Abzeichens – hierfür werden 200 Meter Schwimmen verlangt.

Zudem forderte Leipold spezielle Maßnahmen und Programme, damit auch Kinder aus Migranten- und sozial schwachen Familien schwimmen lernen. Bislang ist die Nichtschwimmerquote in diesen Personenkreisen höher.

DLRG und Wasserwacht beklagen aber, es fehle an Schwimmbädern. Die DLRG fordert deshalb ganz konkret ein Investitionsprogramm des Freistaats für Schwimmbäder, um weitere Schwimmbadschließungen vermeiden und einen flächendeckenden Schwimmunterricht sicherstellen zu können. Hintergrund ist, dass in den vergangenen Jahren mehrere Dutzend Bäder in Bayern schließen mussten oder von der Schließung bedroht sind.

Zu große Entfernungen

„Gerade die großen Entfernungen zwischen den Schulen und den verfügbaren Schwimmflächen beeinträchtigen das Ausbildungsergebnis“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme der DLRG. Jedes Kind, jeder bayerische Bürger müsse aber innerhalb von 20 Minuten ein Schwimmbad erreichen können, forderte Sinzinger. Die gute Nachricht: In der Region scheinen keine Bäder von einer Schließung bedroht. Zumindest haben die jeweiligen Landratsämter keine Kenntnis davon.

Hintergrund der Debatte ist auch die hohe Zahl von Badetoten in Bayern pro Jahr. Hierzu sagte der Mediziner Leipold aber, die Schwimmfähigkeit sei für den Großteil der Ertrinkungsunfälle nicht die entscheidende Größe. Ein Drittel davon passiere auf privatem Gelände: im Gartenteich oder – bei Säuglingen – in der Badewanne.

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