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Trend

Vom Arbeitsgewand zum Partykleid

Das Dirndl schlägt sich wacker in der Modewelt. Tracht ist auch bei jungen Leuten wieder angesagter denn je.
Von Anna Beck, MZ

Das Dirndl im Wandel: Was früher ein schlichtes Arbeitskleid war, ist heute ein echter Hingucker. Foto: dpa-Archiv

Regensburg. Ob auf dem Oktober- oder Gäubodenfest – Lederhose und Dirndl sind Trend. Promis wie Michelle Hunziker oder Paris Hilton sind leidenschaftliche Trägerinnen der bayerischen Tracht. Die Dirndl, die sie tragen, sind zum Beispiel von der renommierten Münchner Modedesignerin Lola Paltinger. „Auch Giulia Siegel ist eine Kundin von mir“, so Paltinger.

Heute für die meisten Dirndlträgerinnen unvorstellbar, aber das Dirndl war nicht schon immer ein schickes Partykleid. Im 19.Jahrhundert galt das Dirndl in Bayern und Österreich als Arbeitergewand für junge Mägde, auch „Dirn“ oder „Deern“ genannt. Deshalb sagen wir heute Dirndl dazu. Ob auf der Wiese oder im Stall, das Kleid wurde immer und überall getragen. Daher musste es natürlich möglichst schlicht und strapazierfähig sein. Die Schürze diente auch nicht als Zierde, sondern wurde als Handtuch und zum Schweißabwischen benutzt. Für die Männer gab die Schürze aber schon damals einen wichtigen Hinweis: Hat das Mädchen die Schleife auf der linken Seite gebunden, ist sie noch zu haben, ist die Schleife auf der rechten Seite, dann ist sie vergeben.

Richtig populär machte die Tracht der österreichische Kaiser Franz Joseph. Er trug leidenschaftlich gerne Lederhosen und diesen Trachten-Trend machten ihm die adligen Damen nach, indem sie sich in Dirndl kleideten. So gelangte das ursprüngliche Gewand der ärmeren Leute in höhere Kreise und wurde bald zum Statussymbol. Mit der Zeit kam dann alles anders. Das Traditionskleid verlor nicht nur seine Stellung. Bei Jüngeren war es sogar eine Zeit lang verpönt, Tracht zu tragen, nur Ältere schlüpften bei festlichen Anlässen in das traditionelle Gewand.

Das große Comeback der Tracht

In den letzten Jahren wurde das Dirndl allerdings von vielen Modedesignern gewaltig entstaubt. Schon in den 70er Jahren kreierte der berühmte Modeschöpfer Yves Saint Laurent eine Dirndlkollektion. „Das Dirndl wurde modischer, kürzer, poppiger und ansprechender für junge Frauen“, so Lola Paltinger. Die Münchner Dirndlmodedesignerin sieht auch das Heimatgefühl als wichtigen Grund, warum immer mehr junge Menschen das traditionelle Gewand kaufen.

Auch sind heimatliche Wohnaccessoires wieder modern geworden. So sieht man zum Beispiel immer öfter einen Hirschkopf an der Wand hängen. Lola Paltinger gibt außerdem zu bedenken: „Jungs sehen Mädchen auch gerne im Dirndl“. Aber was macht das Dirndl so besonders, dass nicht nur junge Einheimische es tragen, sondern mittlerweile auch Promis wie Paris Hilton sich damit gerne zeigen? „Das Dirndl ist das vorteilhafteste und femininste Kleid, das es gibt“, erklärt Lola Paltinger. Es macht ein schönes Dekolleté und eine schöne Taille. Der schwingende Rock verdeckt nicht so vorteilhafte Beine und Schöne umspielt er. Durch das enge Mieder wird jede Figur vorteilhafter.“ Auch die Autorin des Buches „Dirndl-Trends, Traditionen, Philosophie, Pop, Stil, Styling“, Kathrin Hollmer, findet, „jede Frau sieht im Dirndl besser aus.“ Heutzutage ist alles erlaubt, dem Geschmack sind keine Grenzen gesetzt, auch beim Dirndl nicht. „Auch ein Totenkopf oder Leopardenmuster kann edel aussehen, wenn’s gut gemacht ist“, findet Lola Paltinger. Die einzigen „No Gos“ sind, wenn das Dirndl nicht richtig sitzt, der Rock zu kurz oder das Dekolleté zu tief ist. Für viele Frauen ist das Dirndl mittlerweile so attraktiv geworden, dass sie sogar in einem Hochzeitsdirndl heiraten und das nicht nur in der ländlichen Kapelle.

Und was ist dieses Jahr in Sachen Dirndl besonders modern? Farblich kann Frau sowohl Pastell- als auch knallig bunte Farben tragen. Bei den klassischeren Modellen sind besonders dunkelblau, tannengrün und schwarz angesagt. „Vichy-Caro wirkt frisch, fröhlich, leicht“, empfiehlt Lola Paltinger. Die Schürzen sind gemustert und bedruckt. Was dieses Jahr neu aufkommt, sind Dirndl aus Brokaten mit reliefartigen Mustern. Die Münchner Modedesignerin geht aber davon aus, dass dieser Trend sich erst nächstes Jahr richtig durchsetzen wird.

Zu einem feschen Dirndl gehören auch Accessoires. Aber hier gilt: weniger ist manchmal mehr. Sehr beliebt sind dieses Jahr Federhaarreifen oder Hüte. Beim Schmuck ist natürlich immer das klassische Kropfband angesagt. Aber auch die in Mode gekommenen Bettelarmbänder zieren eine Dirndl-Trägerin wunderbar, findet die Münchner Modedesignerin. An die schlichten Armbänder können passend zur Tracht Anhänger in Form eines Edelweiß oder einer Brezen gehängt werden. Geeignete Schuhe zum Dirndl sind Schnürstiefelchen. „Mit dicken Socken sieht das sehr hübsch aus“, findet Lola Paltinger.

Für jede Frau ist was dabei

Die Auswahl an Dirndln ist so groß. Ob im Trachtenfachgeschäft, bei einer Modekette oder natürlich im Internet – da ist für jede Frau was dabei. Mittlerweile gibt es sogar Websites, auf denen man sein Dirndl individuell gestalten kann. Man wählt selbst, welchen Stoff, welche Länge und welchen Ausschnitt man gerne hätte. Wer aber etwas ganz eigenes haben möchte, der kann sich sein Dirndl selbst schneidern. Für Anfänger gibt es zahlreiche Volkshochschulkurse, Näh-Erfahrene können sich mithilfe einer Anleitung an das pfiffige Kleid wagen.

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