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Wettbewerb

Vom Speed-Dating in sieben Minuten

Regensburger Studenten wollen Speed-Dating neu erfinden – MZ-Autorin Michelle Boy ging an der OTH zum Plauschangriff über.
von Michelle Boy, MZ

Uni-Amor und seine Engel: Marius Hausmann, Alexander Ziegler, Kathrin Hofer und Dominik Fiegle, die das Projekt „Plauschangriff“ zusammen umgesetzt haben.
Uni-Amor und seine Engel: Marius Hausmann, Alexander Ziegler, Kathrin Hofer und Dominik Fiegle, die das Projekt „Plauschangriff“ zusammen umgesetzt haben. Foto: Michelle Boy

Regensburg.Alex sollte jetzt eine Burg besitzen – und ich Chefin von Audi sein. Das wäre unser Schicksal, wenn sich unsere Kindheitsträume erfüllt hätten. Alex und ich unterhalten uns beim Speed-Dating im Studierendenhaus der OTH Regensburg darüber, wie wir unser Leben als Kinder geplant hatten. Die sieben Minuten, die das Date dauern sollen, vergehen wie im Flug.

Unser Rendezvous ist Teil des „Plauschangriffs“, einem Projekt von Marius Hausmann, Masterstudent aus Regensburg, und seinem Team. Sie wollen damit das Speed-Dating neu erfinden. Mit dem Projekt nehmen sie am „5-Euro-Business“-Wettbewerb von Uni und OTH teil. Hier geht es darum, sich mit dem Thema Unternehmensgründung auseinanderzusetzen. Jedes Projekt bekommt einen Wirtschaftspaten zur Seite gestellt – beim „Plauschangriff“ ist das Stefan Penninger, von der Schnapsbrennerei Penninger.

„Dein erstes Mal“ oder „Piraten oder Ninjas“?

Einen Kurzen hätte ich vorhin gebrauchen können, um meine Nerven zu beruhigen, als ich an der OTH eingetroffen bin. Zwei Mädchen, die das Team an diesem Abend unterstützen, begrüßen mich. In dem hellen Raum des Studierendenhauses stehen insgesamt neun Tische. Jeder ist mit Blumen und Kerzen dekoriert. Alle 18 Teilnehmer bekommen ein Namensschild, die E-Mail-Adressen werden notiert, damit die Teilnehmer im Nachhinein Kontakt miteinander aufnehmen können. Marius Hausmann gibt eine kurze Einführung, dann setze ich mich für mein erstes Date an einen der Tische. Um den Gesprächen ein wenig Abwechslung zu geben, liegen auf jedem Tisch Themen-Kärtchen. Es sind provokante Themen wie „Dein erstes Mal“, aber auch verträumte wie „Über den Wolken“ oder lustige wie „Piraten oder Ninjas“. Der Sinn des Ganzen: Die Teilnehmer sollen sich über Dinge unterhalten, über die man sonst nicht beim ersten Date spricht. Wir sollen also schneller aus uns herauskommen. Das haben Hausmann und sein Team auf jeden Fall geschafft. Durch den ganzen Raum schallt Gelächter.

Speed-Dating abseits vom Klischee

MZ-Autorin Michelle Boy ging an der Uni zum „Plauschangriff“ über.
MZ-Autorin Michelle Boy ging an der Uni zum „Plauschangriff“ über. Foto: pd

Speed-Dates habe ich mir zuvor immer so vorgestellt: In Hollywood-Schnulzen finden die romantischen Treffen mit Zeitlimit in schmuddeligen Kneipen statt. Frauen treffen auf komische Typen, die mit 40 noch bei Mama wohnen. Und genau von diesem Image will Hausmann weg. Die Idee, so erzählt er, kam ihm eines Morgens beim Kaffee trinken mit seiner Masterbetreuerin an der Uni. Sie erzählte ihm von einem Speed-Dating-Abend, bei dem sie war. Die Gespräche seien langweilig gewesen, und die Typen genau das, was man in den Filmen zu sehen bekommt.

Hausmann hatte eine Idee: Das Speed-Dating revolutionieren. Ihm kam der Einfall mit den „Gesprächskarten“, um langweilige Unterhaltungen zu vermeiden. Um bei dem „5-Euro-Business“-Wettbewerb teilzunehmen, brauchte er allerdings noch ein Team, das aber schnell gefunden war: seine Freunde Alexander Ziegler und Dominik Fiegle und Kommilitonin Kathrin Hofer. Als Logo entschieden sie sich für eine Couch, um von dem „abgehetzten“ Image der Speed-Dates wegzukommen. So kamen sie von „gemütlich auf der Couch plauschen“ zu „Plauschangriff“, das einen Kontrast zu dem Thema „Couch“ bringt und die Teilnehmer dazu motivieren soll, selber aktiv zu werden.

Geschichte der Minuten-Dates

  • Herkunft:

    Das Speed-Dating kommt ursprünglich aus den USA. Als „Erfinder“ gilt der Rabbi Yaacov Deyo, Mitglied der orthodox-jüdischen Organisation Aish HaTorah in Los Angeles. Ziel des Rabbis war es, eine Kontaktplattform für die jüdische Gemeinde zu gründen, um die Anzahl der jüdischen Ehen zu erhöhen.

  • Erfolgsmodell:

    Wenig später folgten dann Events ohne religiöse Vorgabe, bei denen Männer und Frauen in gleicher Anzahl teilnehmen.

Der Amor von der Uni

Alex und ich verstehen uns gut – bis die Triangle ertönt. Alles vorbei. Das war mein letztes Date. Als ich mich in dem Raum umschaue, sehe ich viele, die sich, genau wie wir, immer noch unterhalten. Am Ende des Abends stehen wir alle mit einem Drink in der Hand zusammen und reden über die vergangenen zwei Stunden. Insgesamt hatte ich neun Speed-Dates. Alle waren sie mehr oder weniger gut. Wir haben uns über Konzerte, unsere Leidenschaft fürs Kochen, Fliegen und Reisen, unsere Lieblingsecken in Regensburg und vieles mehr unterhalten. Natürlich gab es auch ein bis zwei Reinfälle und einige zähe Minuten. Aber dennoch war es ein gelungener Abend. Nicht so gezwungen oder merkwürdig, wie ich es erwartet hatte.

Viele, besonders die Mädchen, mit denen ich mich davor unterhalten habe, waren zuvor skeptisch. Schon ihr Kommen war ihnen peinlich. „Ich bin mit gemischten Gefühlen hier reingegangen, muss aber sagen, dass es nicht so schlimm war, wie ich es mir anfangs vorgestellt habe.“, sagt eine 23-jährige Studentin. Und sich näher gekommen – das bleibt das Ziel des Speed-Datings – sind sich an diesem Abend an der OTH auch einige. Zwei haben sich bereits zu einem richtigen Date getroffen. Das ist vielleicht keine Revolution, aber ein Erfolg für Uni-Amor Hausmann und seine Engel.

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