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Forschungsprojekt

Von der Schulbank in den Bienenstand

Der Würzburger Zoologe Jürgen Tautz will mit „we4bee“ junge Leute fürs Forschen begeistern. Die Bewerbungsfrist läuft jetzt.
Von Martina Hutzler

  • Der emeritierte Zoologie-Professor Dr. Jürgen Tautz will Schüler und Jungimker für die Bienenforschung begeistern. Foto: Natter / Beegroup Uni Würzburg
  • Wissenschaftler Benjamin Rutschmann unter Bienen und an der Wärmebild-Kamera in Münchsmünster Foto: E. Tourneret / „Das Genie der Honigbienen“

Würzburg.Bienen sind zwar aktuell ein Politikum – für Naturinteressierte sind sie aber vor allem: ein hochspannendes Forschungsobjekt. Das können jetzt auch junge Nachwuchsforscher erleben: beim Lern- und Forschungsprojekt „we4bee“. Bis zu 100 Schulen, Bildungseinrichtungen und Jungimker können sich bis 15. Februar um die Teilnahme bewerben. Wer Erfolg hat, bekommt einen Hightech-Bienenstock zur Verfügung gestellt.

Mit „we4bee“ (zu Deutsch „Wir für die Bienen“) überträgt der emeritierte Würzburger Zoologie-Professor und Bienenexperte Dr. Jürgen Tautz sein universitäres Forschungsprojekt „Hobos“ auf möglichst viele Nachwuchs-Forscher – in Deutschland und in die ganze Welt. Hobos steht für „Honigbienen-Online-Studien“: An mehreren Standorten in Deutschland hat Tautz Forschungs-Bienenstöcke eingerichtet, die riesige Datenmengen aus den tierischen Staaten erfassen und an die Würzburger Uni übertragen.

Mit Roboter und 3D-Technik

Einer davon, der bis Ende 2018 in Münchsmünster bei Neustadt/Donau im Einsatz war, verfügte sogar über einen in sieben Achsen schwenkbaren Roboterarm, über Infrarot- und Wärmebildkameras und dreidimensionale Messtechnik: Damit ließ sich das Bienenvolk in nahezu natürlicher Umgebung und fast ungestört beobachten.

In diesem Feature haben wir „Hobos“ vorgestellt:

Spannend

Bauen mit Physik und Heizen mit Honig

In Forschungsprojekten wie „Smart Hobos Münchsmünster“ verraten Bienen so einiges aus ihrem hoch komplexen Zusammenleben.

Na gut: Einen Roboter haben die Bienenstöcke von „we4bee“ nicht. Aber mit einer Infrarot-Kamera und Sensoren, die Gewicht, Temperatur, Feinstaubbelastung und andere Parameter im und ums Volk messen, können auch die künftigen Schülerforscher viele Daten sammeln und mit ihren Lehrern aus grauer Theorie einen spannenden Praxis-Unterricht machen. Dafür arbeitet Tautz zum einen mit dem Würzburger Informatiker Prof. Dr. Andreas Hotho zusammen. Zum anderen hat er sich, wie schon bei „Hobos“ in Münchsmünster, die Unterstützung der „Audi Stiftung für Umwelt“ gesichert.

Dank deren Sponsoring kann Tautz den Nachwuchs-Forschern den Bienenstock samt Hightech-Sensorik als kostenlose Dauerleihgabe zur Verfügung stellen; wie’s funktioniert, zeigt die mitgelieferte Video-Anleitung. Die Kosten für die Projektteilnehmer sind überschaubar. Als „Eigenleistung“ müssen sie sich unter anderem das zugehörige Bienenvolk beschaffen sowie die Voraussetzungen vor Ort schaffen: Nötig sind zum Beispiel Stromanschluss und eine stabile DSL-Verbindung für die Datenübertragung.

Bewerbung: So geht‘s

  • Zeitplan:

    Wer bei „we4bee“ mitmachen will, kann sich bis 15. Februar bewerben. Eine Jury wählt 100 Teilnehmer aus, mit denen das Projekt startet. Wer zum Zug kommt, erhält bis 8. März per E-Mail Bescheid. Ab Mitte April werden die Hightech-Bienenstöcke versandt. (Foto: Hutzler)

  • Voraussetzungen:

    Das Bewerbungsformular und alle nötigen Infos finden sich auf www.we4bee.org . Unter anderem brauchen Interessenten ein einfaches, aber kreatives Bewerbungsvideo, das in maximal 60 Sekunden darstellt, warum man teilnehmen will. (Foto: Floss/ Audi AG)

Aus Tierschutz-, aber auch aus versicherungsrechtlichen Gründen fordert die „we4bee“-Stiftung außerdem, dass die Forschergruppe von einem Imker betreut wird, zum Beispiel vom örtlichen Imkerverein oder Eltern, die dieses Hobby betreiben. Dadurch ist eine Teilnahme aber auch für Gruppen möglich, die bislang noch nie mit den fleißigen Insekten gearbeitet haben: Einschlägige Erfahrung ist, wenngleich von Vorteil, keine Voraussetzung für die Bewerbung, betont Jürgen Tautz. Auch am fehlenden Bienenvolk soll das Forschen nicht scheitern – notfalls hilft „we4bee“ bei der Beschaffung.

Mehr Pep für den Unterricht

Bereits in einem Interview im Herbst 2018 hatte Tautz erklärt, warum er we4bee startet. Von diesem „Bürger-Forschungsprojekt“ („Citizen Science“) sollen alle Seiten profitieren, hofft der passionierte Bienen-Freund Tautz. Zum einen natürlich die Teilnehmer, die im Schulunterricht oder – als Jungimker – in der Freizeit gleich mehrere Interessen unter einen Hut bringen können: Gefragt sind beim Projekt technisches Knowhow, ein wenig handwerkliches Geschick, das Einarbeiten in die Datenverarbeitung – und natürlich Interesse für die Bienen-Ökologie.

Solches Interesse haben Mensch und Biene gleichermaßen dringend nötig, findet der Initiator: Wie alle Insekten sind die Bienen heutzutage von vielen Umwelteinflüssen bedroht; andererseits hat gerade die Biene enorme Bedeutung, im natürlichen Ökosystem ebenso wie für unsere Ernährung. Schließlich ist sie „hauptverantwortlich“ dafür, dass wir auf Äckern, in Obstgärten, auf Wiesen überhaupt ernten können. Laut „we4bee“ bestäuben Bienen weltweit 80 Prozent aller Nutz- und Wildpflanzen.

Das geplante Netzwerk an Laien-Forschern soll aber auch den Berufs-Wissenschaftlern helfen, umfangreiche Daten zu sammeln. Dazu ist geplant, die anfangs 100 Hightech-Bienenstöcke übers ganze Land zu verteilen, in städtischen Umgebungen ebenso wie auf dem Land. So sollen die Ergebnisse die Vielfalt der Ökosysteme widerspiegeln.

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