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Wachsende Abkehr der Gläubigen

33 514 Menschen sind 2008 in Bayern aus der katholischen Kirche ausgetreten. Nun beginnt das Rätselraten über das Warum.
Von Christine Schröpf, MZ

Regensburg.Die Erosion vollzieht sich schleichend, aber stetig: Die Zahl der Katholiken, die den sieben bayerischen Bistümern 2008 den Rücken kehrten, ist wieder einmal gestiegen, auf insgesamt 33 514 – ein Drittel mehr als im Vorjahr. Im Erzbistum München-Freising ist die Situation besonders alarmierend. 12800 Menschen flüchteten dort aus dem Schoß der Kirche – so die neueste Statistik der Deutschen Bischofskonferenz, die jetzt bei der Herbstvollversammlung in Fulda bekannt gegeben worden ist. Das sind – bezogen auf die Größe des Bistums – sieben pro tausend Gläubige. In Regensburg waren es 3922 Menschen, also 3,1 pro Tausend. 2007 waren es noch 2785 Austritte.

Nach der Abkehr der Gläubigen folgt das Rätselraten über das Warum. Der Münsteraner Religionssoziologe Detlef Pollack führt den Trend vor allem auf die Wirtschaftskrise zurück. In Zeiten der Not wird an der Kirchensteuer gespart. McKinsey-Unternehmensberater Thomas von Mitschke-Collande registrierte bei seiner Umfrage „Perspektive Deutschland“ eine nachlassende Kirchenbindung.

Es sind Erklärungsversuche. „Genaue Analysen gibt es nicht“, sagte der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller gestern bei einer Pressekonferenz. Häufig habe man es mit einer langen Distanzierung in kleinen Schritten zu tun. Auch aktueller Unmut über die Kirche spiele eine Rolle. „Gläubige ärgern sich über die Pius-Diskussion oder den bösen Bischof und sagen: Jetzt reicht’s mir aber.“ Müller machte ein Angebot zum Dialog und bat um Ideen, wie die Kirche die frohe Botschaft offener verkünden könne. Gläubige sollen ihm schreiben, per Mail an: kirche@bistum-regensburg.de oder per Brief an das Ordinariat, Stichwort: Lebendige Kirche, Niedermünstergasse 1, 93047 Regensburg.

Weniger Gläubige bedeuten auch weniger Kirchensteuern. Müller erinnerte an die vielen sozialen Leistungen seines Bistums z.B. in 52 Altenheimen, 423 Kindertageseinrichtungen und 63 Schulen mit 19 500 Kindern. Die katholische Kirche sei ein Stützpfeiler des caritativen Lebens in Deutschland – finanziert von den Gläubigen.

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