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Religion

Wallfahrer trotzen dem Regen

Von Regensburg aus machten sich 3500 Menschen auf den Weg nach Altötting. Sie bezwingen dabei 111 Kilometer zu Fuß.
von Michael Sperger

Regensburg.Donnerstagmorgen, 8 Uhr. Der Regen wird mal wieder stärker. Etwa 3500 Menschen auf dem Vorplatz der Regensburger Albertus-Magnus-Kirche ist das egal. Begleitet von Gebeten und Gesängen, die aus 44 Lautsprechern schallen, beginnen sie gut gelaunt die 189. Diözesanwallfahrt von Regensburg nach Altötting.

„Den Wetterbericht im Vorfeld zu checken, ist wichtig“, sagt Olga Wanninger. Nach der Devise: „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung“, ist sie und die anderen ausgerüstet. Regenponchos und Regenschirme gehören zum Pflichtprogramm. Genau das Gegenteil war 2017 der Fall. Die Sonne brannte vom Himmel. Freitag und Samstag soll es besser werden.

Olga Wanninger ist eine erfahrene Pilgerin. Foto: Sperger
Olga Wanninger ist eine erfahrene Pilgerin. Foto: Sperger

Wanninger weiß, wovon sie spricht. Seit 1995 geht sie ununterbrochen mit nach Altötting. Jedes Jahr die volle Distanz – 111 Kilometer. Vor drei Jahren wollte sie aufhören. „Zum ersten Mal hatte ich mit Blasen zu kämpfen“, sagt Wanninger. Doch ihre Pilgergruppe überredete sie zum Weitermachen. Die 60-Jährige hat es nicht bereut.

Die Pilgerfahrt nach Altötting startet

Schwere Füße, nasse Klamotten

Ihre Gruppe bekommt in diesem Jahr Nachwuchs. Marion Sauerer pilgert zum ersten Mal mit. Sorgen oder Angst habe sie keine. „Ich habe mir noch nicht so viele Gedanken gemacht. Hauptsache ich habe nichts vergessen“, sagt die 27-Jährige.

Marion Sauerer ist zum ersten Mal dabei. Foto: Sperger
Marion Sauerer ist zum ersten Mal dabei. Foto: Sperger

Die Erfahrenen in ihrer Gruppe lachen. Am Anfang nehme man ohnehin immer zu viel mit. Sie müsse sich außerdem schon auf schwere Füße und nasse Klamotten einstellen. Für Sauerer war die geglückte Schwangerschaft ihrer Schwester der Ansporn für die Wallfahrt. „Ich wollte einfach Danke sagen“, sagt sie. Schnell zieht sie sich ihren Regenponcho über und folgt den erfahrenen Pilgern auf ihrem Weg.

Nach zehn Stunden werden sie und die anderen nach 38 Kilometern am ersten Stop im niederbayerischen Mengkofen angekommen sein. Noch bis Samstag sind die Pilger unterwegs. Am zweiten Tag laufen sie mit 50 Kilometern die längste Etappe bis Massing. Von dort stehen am letzten Tag noch 23 Kilometer bis zur Ankunft in Altötting an.

Die Wallfahrt beginnt. Video: Sperger

Begleitet werden sie von 70 Polizisten. In Regensburg sicherten die Beamten die Straßen. Auch die eine oder andere Sperrung war nötig. „Es kam zu keinen größeren Verkehrsbehinderungen. Wir sind mit dem Einsatz sehr zufrieden“, sagt Einsatzleiterin Ursula Fendl von der Verkehrspolizeiinspektion Regensburg.

Wer pilgert, ist nicht allein

Kaum jemand pilgert alleine. Außer er tut das freiwillig. „Auf dem Weg trifft man immer wieder bekannte Gesichter“, sagt Olga Wanninger. Sogar enge Freundschaften sind beim Pilgern entstanden. Eine Frau geht an ihr vorbei. „Wir sehen uns dann beim Übernachten, oder“, sagt sie. „Ja klar, wie jedes Jahr.“ Die Regensburger Pilger sind wie eine große Familie.

Bei Bernhard Meiler, dem erfahrenen Pilgerführer, sind alle Interessenten willkommen. Auch die, die nicht ab Regensburg mitlaufen. Er und etwa 250 Helfer der Regensburger Fußwallfahrt sorgen für einen geordneten Ablauf der Pilgerreise. „Jeder darf an allen Stellen zu uns stoßen“, sagt Meiler. Er hofft, dass die Gruppe in Altötting mit 7500 bis 8000 Gläubigen ankommt. Und am Ende spielt das Wetter auch mit: Es bleibt mehrere Stunden trocken.

Eine junge Pilgerin teilt ihre Erlebnisse in unserem Pilger-Tagebuch:

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