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Migration

Warum Flüchtlinge Smartphones haben

Für viele, die ihre Heimat verlassen, ist das Handy ein wichtiges Werkzeug – und oft das einzige, was sie mitnehmen konnten.
Von Katia Meyer-Tien, MZ

Für viele Flüchtlinge ist das Handy der einzige Weg, mit der Familie daheim in Kontakt zu bleiben.
Für viele Flüchtlinge ist das Handy der einzige Weg, mit der Familie daheim in Kontakt zu bleiben. Foto: dpa

Regensburg.Die Stadt München beantwortet die Frage seit einiger Zeit sogar auf ihrer Homepage: „Warum haben viele Flüchtlinge Handys?“, steht da, gefolgt von der Erläuterung, dass Handys auf der Flucht unverzichtbar sind und den Flüchtlingen helfen, Kontakt zu ihren Familien zu halten.

Was simpel klingt, hat einen ernsten Hintergrund. Denn die vermeintlich „flächendeckende Versorgung“ der Flüchtlinge „mit neuesten Handys und iPhones“ schürt immer wieder Ressentiments gegen die Syrer, Afghanen und Nigerianer, die mit dem Smartphone in der Hand auf der Straße stehen oder im Bahnhof sitzen. Gerüchte, jeder Asylsuchende bekomme ein Handy oder Smartphone inklusive Flatrate kostenlos vom Staat, finanziert durch den Steuerzahler, halten sich hartnäckig und liefern Stoff für die abwegigsten Diskussionen nicht nur auf einschlägigen Internetportalen.

Manche Geräte sind gespendet

Tatsächlich habe fast jeder der Flüchtlinge ein Handy oder Smartphone, berichtet Marisa Lückemann, Asylsozialberaterin bei der Regensburger Caritas. „Und das ist wichtig, um Kontakt zu den Familien daheim, aber auch zu Behörden oder Freunden zu halten“, sagt sie. Insbesondere den Flüchtlingen, die dezentral in kleinen Dörfern und Gemeinden untergebracht sind, helfen die Geräte.

Dabei ist es keinesfalls so, dass die Telefone vom Staat gezahlt werden. Einige sind gespendet, Altgeräte, die sonst in Schubladen verstauben würden. Für viele Asylsuchende ist das Handy aber auch das einzige, was sie aus ihrer Heimat mitgebracht haben.

Tatsächlich haben die Telekommunikationsunternehmen in den vergangenen Jahren massiv im Nahen und Mittleren Osten sowie in Afrika investiert. Dort, wo PCs und Tablets noch nicht zur Grundausstattung jedes Haushalts zählen, sind Smartphones oft die einzige Möglichkeit, das Internet zu nutzen. So steigen die Verkaufszahlen von Smartphones beispielsweise in Afrika seit Jahren rasant.

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Nicht nachgeben

Es gibt kaum mehr ein Thema, bei dem sie nicht aus den imaginären Löchern kriechen, um ihre kruden Theorien zu verbreiten. Menschenverachtend, dumm, hetzerisch...

Das liegt auch daran, dass hier die großen Hersteller mit abgespeckten Versionen ihrer Verkaufsschlager in den Markt drängen und ihre Geräte zu Preisen um oder sogar unter 100 Dollar anbieten: Kenias Safaricom arbeitet bereits seit 2011 mit dem chinesischen Telekommunikationsausrüster Huawei zusammen, dessen Android-Handy Ideos war mit einem Preis von knapp 60 Euro das erste preisgünstige Smartphone auf dem afrikanischen Markt. Gemeinsam mit Microsoft baute Huawei dann das „4Afrika“-Smartphone, Intel folgte mit Yolo: Keine Statussymbole wie die Apple-Produkte, sondern Arbeitsgeräte – die auch auf der Flucht vor Krieg und Folter nicht fehlen dürfen, sind sie doch Navigationshilfe, Nachrichtenquelle und Kommunikationsmittel in einem. Und Sprachtrainer, erzählt Marisa Lückemann: Viele Flüchtlinge nutzten die Mobilfunkgeräte auch, um sich online die deutsche Sprache beizubringen.

Störerhaftung ist noch ein Problem

Das größte Problem dabei ist allerdings der fehlende Internetzugang. In den meisten Flüchtlingsunterkünften gibt es kein WLAN. Initiativen, die die Unterkünfte mit WLAN ausrüsten wollen, scheitern immer wieder an der Bürokratie, auch und vor allem an der sogenannten Störerhaftung: Bei illegalen Aktivitäten im Internet haftet derjenige, der die IP-Adresse zur Verfügung stellt – schwierig in Gruppenunterkünften mit wechselnder Belegung. Zwar gibt es Initiativen wie die Regensburger Freifunker, die versuchen, ein flächendeckendes privates WLAN aufzubauen und insbesondere Flüchtlingsunterkünfte mit Internet zu versorgen . Bis das aber gelingt, bleiben den Flüchtlingen nur die öffentlichen Netze. Im Bahnhof zum Beispiel.

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