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Wetter

Was dieser Hochsommer mit sich bringt

Welche Auswirkungen hat die Hitze auf uns, auf die Natur, auf die Wirtschaft? Wir haben die Oberpfälzer Hotspots aufgesucht.
Von Isolde Stöcker-Gietl

Wenn das Thermometer auf über 30 Grad steigt, dann macht das Mensch und Natur zu schaffen. Foto: Patrick Seeger/dpa
Wenn das Thermometer auf über 30 Grad steigt, dann macht das Mensch und Natur zu schaffen. Foto: Patrick Seeger/dpa

Mehr Patienten in den Notaufnahmen

Noch ist es verhältnismäßig ruhig in den Notaufnahmen, aber erfahrungsgemäß bringt die Hitzewelle so manchen älteren Patienten, der oft zusätzlich unter chronischen Vorerkrankungen, wie einer Herzschwäche oder Diabetes leidet, an körperliche Grenzen. In den drei Regensburger Notaufnahmen wird vermehrt mit Sonnenstichen, aber auch mit Hitzschlägen gerechnet. „Ähnlich wie zur Grippezeit erhöht sich der Andrang deutlich“, meint Dr. Andreas Hüfner, Leitender Arzt der Zentralen Notaufnahme am Caritas-Krankenhaus St. Josef. Betroffen seien häufig auch Kinder. Insbesondere der Hitzschlag kann unbehandelt schnell kritisch werden, mahnt Dr. Markus Zimmermann, Leiter der Notaufnahme am Uniklinikum. Und Dr. Felix Rockmann, Leiter der Notaufnahme bei den Barmherzigen Brüdern, rät zu umsichtigem Verhalten. Die pralle Sonne sollte unbedingt gemieden werden.

Den Autobahnen kann die Hitzewelle nichts mehr anhaben.

Tempolimits aufgrund der Hitzewelle sind auf den Autobahnen in der Region nicht geplant. Die Gefahr von Blow ups, jenen gefährlichen Betonaufbrüchen, die in der Vergangenheit zu mehreren tödlichen Unfällen führten, seien gebannt, teilt die Autobahndirektion Südbayern auf Anfrage mit. Auf den beiden durch die Oberpfalz führenden Autobahnen A 3 und A 93 und ebenso auf der A 92 seien in Abständen von circa 380 Metern Querstreifen aus Asphalt zur Entlastung eingebaut worden. Auf der A 94 sei die Betondecke neueren Datums und zudem dicker. Aufgrund der baulichen Verbesserungen sei es deshalb derzeit nicht notwendig, mit Geschwindigkeitsbegrenzungen zu reagieren, so die Sprecherin weiter.

Vorsicht: So heiß kann es im geschlossenen Auto bei direkter Sonneneinstrahlung werden:

Bei den Landwirten wird die Lage prekär

„Das Prinzip Hoffnung stirbt zuletzt, aber die Lage wird von Woche zu Woche prekärer“, kommentiert Josef Witmann, Geschäftsführer beim Bayerischen Bauernverband Regensburg, die Wetterprognosen. In manchen Gegenden im Raum Regensburg hat es seit April nur 40 Liter pro Quadratmeter geregnet, viel zu wenig, um ohne Beregnung ausreichend Getreide, Grünfutter, Mais oder Kartoffeln zu ernten. Die ersten Bauern hätten deshalb damit begonnen, ihre Tierbestände zu verkleinern, weil das Futter sonst nicht über den Winter reicht. „Je nach Lage gehen wir von einem eher schlechten bis zu sehr schlechten Ernte aus“, sagt Wittmann. Bei Kartoffeln könnte sich das am Preis bemerkbar machen. Bei Semmeln schlagen Getreideeinbußen dagegen nicht durch, weil die Kalkulationsgröße nur einen Cent beträgt, sagt Wittmann. Sorgen haben auch Teichwirte: In aufgeheizten Gewässern droht die Gefahr, dass die Fische verenden.

Gefährliche Hitze

  • Sonnenstich:

    Er entsteht durch starke Sonneneinstrahlung am Kopf. Dadurch werden die Hirnhäute gereizt. Anzeichen sind ein hochroter Kopf, Schwindel, Übelkeit.

  • Hitzschlag:

    Ein Hitzschlag kann auch ohne Sonneneinwirkung entstehen und tritt dann ein, wenn ein Wärmestau im Körper entsteht. Man erkennt ihn am hochroten Kopf, taumelndem Gang, hohem Puls und sehr hoher Körpertemperatur. Bei Hitzschlägen herrscht akute Lebensgefahr!

Bei Ostbayerns Handwerkern gibt es auch kein Hitzefrei

Und wenn es in der prallen Sonne noch so heiß ist – Ostbayerns Handwerker müssen auf ihre Baustellen, denn die Auftragsbücher sind voll. „Unsere Betriebe reagieren flexibel, verteilen die Arbeit so um, dass mehr in geschützten Bereichen, etwa in der Halle, gearbeitet wird“, sagt Andreas Keller, Bereichsleiter Beratung bei der Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz. Mit steigenden Temperaturen seien die Unternehmen zudem angehalten, ihren Mitarbeitern mehr Verschnaufpausen zuzugestehen. Wichtig sei, dass die Handwerker, die in der Hitze tätig sind, viel trinken und auf körperliche Alarmzeichen achten, so Keller. „Die Kunden brauchen jedenfalls keine Angst haben, dass die Aufträge nicht fertig werden.“

Die Waldbrandgefahr steigt: Ab Freitag gibt es Aufklärungsflüge

Die Warnstufen zur Waldbrandgefahr steigen vielerorts in der Oberpfalz aufgrund der Hitze auf Warnstufe 3 und 4. Die höchste Warnstufe 5 herrscht bereits in Teilen Unterfrankens. In der Oberpfalz wird es von Freitag bis Montag Beobachtungsflüge geben, teilte die Regierung der Oberpfalz mit. Sie ruft die Bevölkerung zu besonderer Vorsicht beim Hantieren mit offenem Feuer auf. Besonders gefährdet sind Waldränder, Lichtungen und Bahndämme.

In unserem Video geben wir Tipps gegen die Hitze:

Video: MZ

Hitzeklamotten sitzen möglichst lässig am Körper

Mit Flip Flops ins Büro – das geht nicht, aber wenn die Thermometer auf über 30 Grad steigen, dann geht es selbst dort, wo Business--Dresscode herrscht, etwas legerer zu. Das Material der Kleidung sollte aus Baumwolle bestehen, um die Schweißproduktion nicht noch mehr anzuregen. Etwas weitere Blusen, Hosen und Kleider sorgen für Belüftung. Und lieber etwas mehr Stoff, als zu wenig, rät Stilberaterin Katharina Starley im MZ-Modeblog „Look“.

In Teilen Ostbayerns könnte es zu Trinkwasser-Engpässen kommen

Der viel zu trockene Sommer lässt in Bayern die Grundwasserpegel stark sinken. Inzwischen weisen laut dem Bayerischen Landesamt für Umwelt 76 Prozent aller tiefen Grundwassermessstellen niedrige oder sehr niedrige Werte auf. Im Vergleich zur Vorwoche sackte der Wert um weitere zehn Prozent ab. In Bayern wird Trinkwasser hauptsächlich aus dem Grundwasser gewonnen. Fehlen die Niederschläge in Trockenperioden, wird auch kein Grundwasser neu gebildet. „Im Gegensatz zu Oberflächengewässern erholen sich die Grundwasservorräte nach dem Ende der Trockenperioden deutlich langsamer, das heißt, wir bräuchten lange Niederschlagsperioden“, sagt ein Sprecher des Bayerischen Landesamtes für Umwelt. Besonders schnell sind Reserven bei Quellwassernutzungen aus Festgestein, wie es sie in Ostbayern häufig gibt, aufgebraucht. Sollte die Trockenperiode anhalten, könnte es in diesen Gebieten zu Engpässen kommen.

Viel trinken, nur leichte Speisen essen und den Kühlschrank nicht zu voll laden

Auf einen deftigen Schweinsbraten sollte man bei dieser Hitze besser verzichten, sagt Heidrun Schubert von der Verbraucherzentrale Bayern. Sie rät zu leichter Kost wie Fisch, Reis, Gemüse und säuerlichem Obst – ob kalt oder warm, darauf kommt es nicht an. Vor allem sollte an heißen Tagen getrunken werden. Bis zu drei Liter braucht der Körper jetzt. Empfehlenswert seien Wasser, aber auch warmer Tee, denn durch das vermehrte Schwitzen wird der Körper gekühlt, erklärt Schubert. Die Vorräte sollten nicht zu üppig angelegt werden. Hitze und Feuchtigkeit lassen Lebensmittel schneller schimmeln. Auch auf Küchenhygiene sollte nun verstärkt geachtet werden, damit sich Keime nicht ungehindert ausbreiten.

Ranking: Die wärmsten Jahre in Deutschland:

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