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Missbrauchsvorwürfe

Weiterer Priester unter Verdacht

Nach Anschuldigungen einer Mutter wurde der Pfarrer aus der Diözese Regensburg von seinen pfarrlichen Aufgaben entbunden.

Die Diözese Regensburg hat einen Pfarrer aus dem Landkreis Tirschenreuth beurlaubt.

Gegen einen weiteren katholischen Geistlichen sind Missbrauchsvorwürfe laut geworden. Die Diözese Regensburg beurlaubte den Priester aus dem Landkreis Tirschenreuth. Wie die Diözese am Montag mitteilte, hatte das Schulreferat der Diözese vor zwei Wochen Kenntnis von den Anschuldigungen erhalten. Eine Mutter warf dem Pfarrer vor, ihre Tochter in der Schule unter der Kleidung am Rücken berührt zu haben. Daraufhin informierte die Diözese umgehend die Staatsanwaltschaft und beurlaubte den Pfarrer für die Zeit der Ermittlungen zunächst vom Schuldienst.

Nachdem am vergangenen Samstagnachmittag die Missbrauchsbeauftragte der Diözese, Dr. Birgit Böhm, aus der Pfarrei Hinweise über möglicherweise weitere geschädigte Kinder erhalten hatte, beurlaubte Generalvikar Michael Fuchs den Pfarrer mit sofortiger Wirkung auch vom pfarrlichen Dienst.

Knapp zwei Monate nach Bekannt werden des Missbrauchsskandals im oberbayerischen Kloster Ettal hat der Sonderermittler unterdessen am Montag seinen Abschlussbericht vorgelegt. Darin werden auf 180 Seiten jahrzehntelange Misshandlungen und sexueller Missbrauch an mehr als 100 Klosterschülern durch rund 15 Mönche beschrieben, wie der Münchner Rechtsanwalt Thomas Pfister sagte. Ins Visier der kircheninternen Ermittlungen rückt nun auch ein langjähriger Abt des Klosters, der Kinder massiv geschlagen und seelisch gequält haben soll. Der Bericht wurde dem Erzbischöflichen Ordinariat in München und der Benediktinerabtei in Ettal übergeben.

Ende Februar hatte das Kloster samt Internat, Gymnasium und Brauerei in den Ammergauer Alpen eingeräumt, dass Schläge in der Internatsschule bis in die 1990er Jahre an der Tagesordnung waren. Die Staatsanwaltschaft ermittelt zudem wegen sexuellen Missbrauchs von Patres an Schülern.

In dem Bericht sind sämtliche Namen von Opfern anonymisiert, wie Pfister erläuterte, die Namen der mutmaßlichen Täter hingegen nicht. Die meisten sexuellen, körperlichen und seelischen Misshandlungen sind verjährt und können daher strafrechtlich nicht mehr belangt werden. Der vom Bistum - an der Spitze steht Erzbischof Reinhard Marx - im Einverständnis mit dem Kloster ernannte Sonderermittler sprach von regelrechten Gräueltaten, „die mir den Schlaf raubten“.

„Noch am Sonntagabend berichtete mir ein früherer Schüler, dass er eine lebendige Nacktschnecke essen musste“, sagte Pfister der Nachrichtenagentur dpa. Der damalige Abt - er leitete das Kloster von 1973 bis 2005 - habe den Jugendlichen bei einer Bergwanderung als Strafe für ein vermeintliches Vergehen zum Essen der Schnecke gezwungen, schilderte Pfister. Andernfalls dürfe er nicht mit ins Sonntagskino gehen, sei dem Schüler gedroht worden. Der langjährige Leiter des Klosters habe zudem wiederholt die Köpfe von Schülern auf die Pulte geschlagen. Bereits am Wochenende hatte der Anwalt im Magazin „Focus“ berichtet, dass Schüler lebendige Molche essen mussten.

Manchen Opfern sei bei Schlägen das Trommelfell geplatzt. Von den etwa 15 beschuldigten Mönchen gehören nach Überzeugung des Sonderermittlers rund 10 „zum harten Kern“, der besonders brutal geprügelt habe. Sie benutzten dazu etwa Skistöcke oder Kleiderbügel.

Pfister hat keine Zweifel, dass die vielen Schilderungen der betroffenen Schüler authentisch sind. „Die Opfer gehörten verschiedenen Jahrgängen an, nannten aber immer wieder dieselben Mönche als Misshandelnde.“ Bereits in einem Zwischenbericht hatte Pfister Anfang März von einer „Kultur des Schweigens und Wegsehens“ in dem Kloster berichtet. Manche Patres seien regelrecht sadistisch veranlagt gewesen. Ein Schüler schrieb Pfister über seine Internatsjahre in Ettal: „Es herrschte damals der absolute Terror.“

Neben körperlicher Gewalt geht es in mehreren Fällen auch um sexuellen Missbrauch. Ein inzwischen gestorbener Pater bekannte in seinem schriftlichen Nachlass, dass Schüler regelmäßig nachts zu ihm kamen und sexuellen Kontakt zu ihm suchten, den er nicht unterband. In einem Fall aus dem Jahr 2005 ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen einen Ordensmann. Der Vorwurf: Streicheln der Oberschenkel und der nackten Brust von Internatsschülern. Ein anderer Pater, der sich selbst anzeigte, stellte in den Jahren 2000 und 2001 Fotos von Klosterschülern mit nacktem Oberkörper ins Internet. Zudem lud er kinderpornografische Filme auf seinen Computer.

Für seine akribische Arbeit musste Pfister harsche Kritik ehemaliger Ettaler Klosterschüler einstecken. Sie nennen sich „Altettaler“ und sind gut vernetzt. Der Sonderermittler wurde für die Wiedergabe der Schilderungen von Opfern regelrecht beschimpft. „Wenn so mancher Altettaler den Ordner gelesen hat, wird er vor Scham verstummen“, sagte Pfister. „Denn nicht diejenigen sind die Nestbeschmutzer, die im Kloster gequält wurden, sondern diejenigen, die gequält haben.“

Pfister kommt in seinem Bericht aber auch zu dem Schluss, dass in dem Benediktinerkloster heute ein anderer Erziehungsstil herrscht als damals. So handle es sich bei Kopfnüssen eines Lehrers im Gymnasium noch im vergangenen Jahr lediglich um einen Einzelfall.

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