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Wenn der Bluadige Dammerl umgeht

In der Thomasnacht befragten junge Mädchen früher das Orakel – mit Apfelschale, Bettstatttreten oder Pantoffelwerfen.
Von Judith Kumpfmüller

Die Thomasnacht vom 20. auf den 21. Dezember, in der der Bluadige Dammerl umgeht, ist die längste des Jahres. Foto: dpa

Regensburg. Es ist eine Nacht von ganz besonderer Bedeutung – die Thomasnacht vom 20. auf den 21. Dezember, den Namenstag des heiligen Apostels Thomas. Diese längste Nacht des Jahres war den Menschen unheimlich, in solch einer Nacht mussten Geister, Dämonen und Wesen aus dem Jenseits unterwegs sein.

Die Thomasnacht war eine der gefürchtetsten Raunächte und die wichtigste Losnacht des Jahres, in der vor allem die jungen Mädchen das Orakel befragten. Da gab es das Apfelorakel, bei dem man aus der Apfelschale den Anfangsbuchstaben vom Namen des Zukünftigen lesen konnte. Andere schwörten auf das beliebte Bettstatttreten. Dazu wurde folgender Spruch aufgesagt: „Bettstatt, i tritt di, Heiliger Thomas, i bitt di, lass mir erscheinen den Herzallerliebsten meinen“. Heiratsfreudige Mädchen gingen um Mitternacht, nur mit einem Hemd bekleidet, in den Garten, schüttelten einen Obstbaum oder einen Hollerbusch und horchten dabei in die Nacht, aus welcher Richtung Hundegebell kam und den Zukünftigen ankündigte.

Wie in der Silvesternacht konnte man auch in der Thomasnacht beim Pantoffelwerfen erfahren, ob im kommenden Jahr der ersehnte Hochzeiter kommen würde. Dazu wurde ein Pantoffel über die Schulter geworfen. Zeigte die Schuhspitze in Richtung Tür, stand im nächsten Jahr die Hochzeit an, zeigte sie dagegen ins Zimmer, musste man noch mindestens ein weiteres Jahr auf einen Bräutigam warten.

Wohl die grausigste Gestalt, die in Altbayern – und hier vor allem in Niederbayern und der Oberpfalz – ihr Unwesen trieb, war der Bluadige Dammerl, der „blutige Thomas“. Man nannte ihn auch den „Thamma mit ’m Hamma“, weil er des Nachts mit seinem Hammer gegen Fenster und Türen schlug. In manchen Orten steckte er sogar sein blutverschmiertes Bein zur Stubentüre herein. Um Landshut herum ging er in zerfetzter Kleidung mit einem Sack durch die Straßen und drohte allen Kindern, die sich nach Ausbruch der Dunkelheit noch auf der Straße aufhielten, den Kopf abzureißen oder ihnen zumindest mit dem Hammer den Schädel einzuschlagen.

In Deggendorf lief die Schreckensgestalt mit blutgetränktem Metzgerkittel herum, und auch in einigen anderen Orten zogen in der Thomasnacht verkleidete Burschen mit blutbefleckter Kleidung als Bluadiger Dammerl durch die Straßen.

Der katholischen Kirche wurde der „Dammerl“ schließlich zu grausam und blutrünstig. Um den abergläubischen Auswüchsen am Thomastag den Garaus zu machen, wurde der Gedenktag des Heiligen 1970 kurzerhand auf den 3. Juli verlegt.

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