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Mord oder Totschlag?

Wenzenbach: Prozess um Beziehungsdrama

Seit Montag muss sich ein Unternehmer (42) in Regensburg vor Gericht verantworten. Er tötete die Mutter seiner beiden Kinder.
Von Marion v. Boeselager, Mz

Regensburg.. Durch eine Vielzahl von Messerstichen und Hammerschlägen starb in der Nacht zum 1. November 2009 Daniela S. (28), Mutter von zwei kleinen Kindern, in ihrem Schlafzimmer in Wenzenbach (Lkr. Regensburg). Mit den Worten „Ich habe meine Frau umgebracht“, stellte sich ihr Lebensgefährte, der Bauunternehmer Muhedin Z., kurz darauf der Polizei. Seit gestern muss sich der 42-jährige Kosovare wegen Totschlags in Regensburg vor dem Schwurgericht verantworten. Als Auslöser der Tat sieht die Anklage die Drohung seiner Lebensgefährtin, sie werde dem Angeklagten die gemeinsamen Kinder wegnehmen.

Mordmerkmal Heimtücke?

Zum Auftakt des Prozesses wies der Vorsitzende Richter Vizepräsident Werner Ebner allerdings daraufhin, dass auch eine Anklage wegen Mordes in Betracht käme und sprach von „aus niedrigen Beweggründen“ und „Heimtücke“.

Durch seinen Anwalt Michael Haizmann gestand Muhedin Z. die Bluttat. Diese sei aber nicht geplant gewesen, sondern „in einem Zustand höchster emotionaler Erregung“ geschehen.

Der Angeklagte, der seit 1985 in Deutschland lebt und hier ein Baugeschäft aufgebaut hat, lernte Daniela S. auf einem Fest kennen und lieben. Der 42-Jährige, der bereits eine Ehe mit einer Deutschen hinter sich hat, zog mit seiner Partnerin in ein Haus in Wenzenbach. Zwei Kinder wurden geboren und christlich erzogen.

Rechtsradikale Aktivitäten

Anfang 2009 habe sich Daniela S. aber verändert, erklärte der Verteidiger. Sie habe Kinder, Job und Haushalt vernachlässigt und Internetkontakte zu rechtsradikalen Kreisen gepflegt, deren Schriften gelesen und sich das eiserne Kreuz und Nazi-Sprüche auf den Arm tätowieren lassen. Oft sei sie tagelang nicht heimgekehrt. Z. sei mit dem Haushalt und der Versorgung der Kinder, die nach der Mutter verlangten, überfordert gewesen.

Oft habe es Streit gegeben. Die Frau habe den Angeklagten als „Ausländer“ beschimpft, von denen man „Deutschland reinigen müsse“. Dennoch habe ihr Z. teure Geschenke gemacht. Als die 28-Jährige erneut schwanger wurde, habe sich der Angeklagte gefreut, so Haizmann. Sie habe aber gesagt, das Kind könne auch von einem anderen sein. Sie werde es abtreiben, weil sie „nicht noch ein Kind von einem Ausländer bekommen wolle“.

Beziehungskrise war Auslöser

Am Tatabend sei die Frau nach viertägiger Abwesenheit zurückgekommen, und habe sich sofort an den Computer gesetzt. Z. habe die Kinder versorgt und ins Bett gebracht. Als er später ins Schlafzimmer kam, habe S. ihn aufgefordert, im Gartenhaus zu schlafen und gesagt: „Es würde mich nur einen Anruf kosten und ganz Wenzenbach fliegt in die Luft .“

Da sei Z. in die Küche gegangen und mit einem 25 Zentimeter langen Messer zurückgekehrt. Die Frau habe vergeblich nach einem Hammer gegriffen. Er habe sie mit dem Messer und dem Werkzeug getötet, gestand Z. Dann habe er sich gewaschen und einen Freund beauftragt, die Kinder zu ihrer Oma zu bringen, bevor er zur Polizei fuhr. Der Prozess wird heute fortgesetzt.

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