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Wertekunde für Migranten-Kinder: Kritik an Söders Vorstoß

Integration an Bayerns Schulen mit Wertekunde und Deutschklassen für Migranten und Flüchtlinge? Ministerpräsident Markus Söder eckt mit seinem Vorschlag an. Der Vorwurf: Politische Kampfbegriffe statt pädagogisch wertvoll.

Simone Fleischmann, Präsidentin des BLLV. Foto: Peter Kneffel/Archiv
Simone Fleischmann, Präsidentin des BLLV. Foto: Peter Kneffel/Archiv

München.Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ist für seine Forderung nach separaten Deutschklassen mit Werteunterricht für Flüchtlings- und Migrantenkinder kritisiert worden. „Outsourcing ist genau das, was wir nicht unter Integration verstehen“, hieß es vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) am Montag in München. Es handle sich um politische Kampfbegriffe, sagte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann. Der Vorstoß komme vielleicht bei Teilen der Bevölkerung aktuell gut an.

Söder hatte in der „Bild am Sonntag“ intensiven und separaten Sprach- und Werteunterricht für Kinder und Jugendliche aus Zuwandererfamilien gefordert. Dafür sollen in Bayern statt der bisherigen Übergangsklassen an den Schulen sogenannte Deutschklassen eingeführt werden. Das sind nach Söders Vorstellung Ganztagesklassen mit kleinerer Klassenstärke. Migrantenkinder sollen erst im Regelunterricht lernen, wenn sie „unsere Sprache sprechen und unsere Werte verstehen“, hatte Söder gesagt.

Die Integrationsexpertin der FDP-Bundestagsfraktion, Linda Teuteberg, bezeichnete den Vorstoß in der „Augsburger Allgemeinen“ (Montag) als „unausgegoren“. „Ab wann und bei welchem Sprachniveau sollen die Migrantenkinder dann zusammen mit einheimischen Schülern lernen, was für die Integration ebenfalls wichtig ist?“, fragte sie. Wie wolle man bei Kindern prüfen, ob sie ausreichend „unsere Werte“ teilen? Richtig an Söders Forderung sei aber, dass sowohl die deutsche Sprache als auch deutsche Werte besonders wichtig für die Integration seien.

Nach Ansicht der Sprecherin für Migrations- und Integrationspolitik der Grünen-Bundestagsfraktion, Filiz Polat, ist eine rasche Inklusion von Flüchtlingen in die Regelklassen notwendig. „Der Zugang zu guter Bildung ist zentral für erfolgreiche Integration“, betonte sie. „Wir brauchen dringend eine ausreichende Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Fluchthintergrund, die sich tatsächlich an deren Bedürfnissen orientiert.“

Nach Überzeugung des Bayerischen Elternverbands lenkt der Vorschlag vom eigentlichen Problem ab: Und das hieße Lehrermangel, sagte Verbandschef Martin Löwe in Rosenheim. Für eine bessere Förderung von Schülern müssten die Ressourcen aufgestockt werden. Auch Fleischmann wies darauf hin. Mit zusätzlichem Personal könne man die Übergangsklassen verbessern. Wenn das mit Deutschklassen gemeint sei, dann begrüße sie Söders Vorstoß. „Wenn es Wählerstimmen-Fischen ist und für das einzelne Kind und die Pädagogik nichts dabei herausspringt - dann, glaube ich, machen wir Politik auf Schultern von Flüchtlingskindern.“

Das bayerische Bildungsministerium verspricht sich von Söders Vorschlag einen wichtigen Ausbau des bisherigen Angebots an Schulen. „Noch mehr als bisher wird in den Deutschklassen Wert auf die Werte-Erziehung und der Erwerb der Sprache gelegt – dies wird auch aufgrund einer erhöhten Stundenzahl möglich sein“, erklärte eine Sprecherin. Mit Deutschklassen werde das Angebot auf ein neues Fundament gestellt.

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