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Südostlink

Widerstand unter der Erde für die Trasse

Am zweiten Tag der Antragskonferenz machten Denkmalschützer auf ein Problem aufmerksam: historische Stätten im Untergrund.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Eine Denkmalschützerin wies auf 137 Bodendenkmäler hin, die entlang der favorisierten Trasse liegen. Foto: dpa
Eine Denkmalschützerin wies auf 137 Bodendenkmäler hin, die entlang der favorisierten Trasse liegen. Foto: dpa

Regensburg.Der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Brennberg, Franz Xaver Löffl, formuliert es drastisch: „Die Ausführungen der Denkmalfachbehörde haben mich regelrecht geschockt. Ich bin etwas sprachlos.“ Denkmalschützerin Stefanie Berg-Hobohm hat am zweiten Tag der Antragskonferenz für den Südostlink in Regensburg ein Dilemma verdeutlicht, in dem sich der Netzbetreiber Tennet und die Bundesnetzagentur als Genehmigungsbehörde befinden.

Welchen Stellenwert haben Natur- und Gewässerschutz oder Bodendenkmäler beim Bau der Stromtrasse? Was führt zu einem Ausschlusskriterium, was nicht? Andreas Herath, Projektchef bei Tennet für den Südlink, machte deutlich, dass nicht jeder Einwand berücksichtigt werden kann: „Sie sehen, dass an allen Trassen Probleme größerer und kleinerer Art auftauchen. Es ist nicht so einfach, den vorzugswürdigsten Korridor zu finden.“

137 Bodendenkmäler entlang der Trasse

Denkmalschützerin Berg-Hobohm nannte 137 bekannte Bodendenkmäler, die entlang der von Tennet favorisierten Trasse liegen. „Und das sind nur diejenigen, die uns bekannt sind.“ Die Bandbreite reiche von frühchristlichen Siedlungen über historische Grabstätten bis hin zu mittelalterlichen Herrensitzen und historischen Bergbaugebieten.

Lesen Sie auch unseren ausführlichen Bericht vom ersten Tag der Antragskonferenz: Mit Trommeln und Tröten gegen die Trasse

Die Befürchtung: „Mit der Wahl dieses Korridors wird die Zerstörung der Bodendenkmäler in Kauf genommen.“ Auf einem Abschnitt von rund 20 Kilometern sei es sogar unmöglich, überhaupt an eine Stelle zu kommen, an der nicht mit Funden zu rechnen sei. „Eine ungünstigere Wahl hätten sie in Bayern kaum treffen können“, sagte Berg-Hobohm.

Die Netzbetreiber betonen, dass man Zerstörungen vermeiden wolle, dass aber nicht nur der denkmalschützerische Aspekt Beachtung finden könne. „Wir müssen die Gesamtabwicklung im Auge behalten und damit auch eine Gesamtbetrachtung aller vorhandenen Widerstände vornehmen.“ Konkret muss wohl insbesondere rund um den Donauraum zwischen verschiedenen Belangen abgewogen werden.

Sehen Sie hier ein Video vom ersten Tag der Antragskonferenz:

Video: MZ

„Wir sehen das Problem. Die Donau ist als Verkehrsachse und kulturelle Achse die schwierigste Aufgabenstellung auf der kompletten Strecke zwischen Wolmirstedt und Isar“, sagte Rene Queren, bei Tennet zuständig für die Planung des Südostlink.

In der Donauarena ist eifrig diskutiert worden. Foto: Anna-Maria Ascherl
In der Donauarena ist eifrig diskutiert worden. Foto: Anna-Maria Ascherl

Bis weit in den Nachmittag wurde über verschiedene Umweltauswirkungen der Stromautobahn gesprochen. Es ging um Gefahren für die Trinkwasserversorgung, um die Bodenerwärmung und deren Auswirkungen auf Nagetiere wie Hasen und Dachse sowie die Folgen für die Landwirtschaft.

„Das ist wie ein Schweizer Käse.“

Harald Hillebrand vom Landratsamt Regensburg

Harald Hillebrand vom Landratsamt Regensburg warnte die Antragsteller vor dem schwierigen Gelände an der Donau, das für die Stromtrasse wahrscheinlich untertunnelt werden muss. „Das ist wie ein Schweizer Käse.“ Im schlimmsten Fall könnte der Tunnel eine Art Drainage schaffen, die das Wasser in umliegende Gebäude hochdrückt.

„Bitte nehmen Sie diesen Hinweis nicht auf die leichte Schulter“, appellierte er an die Bundesnetzagentur, die in den kommenden Wochen aus den Einwendungen gegen das Milliardenprojekt ein sogenanntes „Hausaufgabenheft“ für den Netzbetreiber erstellt. Darin wird der weitere Untersuchungsrahmen abgesteckt.

Umweltschützerin Petra Fielbeck vom Bündnis für Atomausstieg und erneuerbare Energien Regensburg wiederholte ihr Nein zur Stromautobahn und forderte eine dezentrale Energieversorgung. „Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass wir dann in einigen Jahren den Südostlink nicht mehr brauchen werden.“

In unserer Grafik sehen Sie sechs sensible Orte, die an der Stromtrasse liegen:

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