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Migration

Wieder Menschen im Mittelmeer in Gefahr

Hunderte Geflüchtete sind in Seenot. Die Crew der „Alan Kurdi“ rief zu Hilfe auf – aber keine Rettungsleitstelle antwortete.

Die „Alan Kurdi“ ist derzeit das einzig verbliebene Schiff einer Hilfsorganisation. Am Dienstag dokumentiert die Crew die Rettung Geflüchteter durch die „El Hiblu 1“ Foto: Fabian Heinz/sea-eye.org
Die „Alan Kurdi“ ist derzeit das einzig verbliebene Schiff einer Hilfsorganisation. Am Dienstag dokumentiert die Crew die Rettung Geflüchteter durch die „El Hiblu 1“ Foto: Fabian Heinz/sea-eye.org

Regensburg.Hunderte Menschen sind im Mittelmeer in Seenot. Das Rettungsschiff „Alan Kurdi“ hatte am Dienstag zum dritten Mal die libysche SAR Zone erreicht. Schon auf dem Weg ins Einsatzgebiet im Osten von Tripolis erfuhr die Crew von 41 Vermissten, die sich seit mehr als zwei Tagen auf dem Meer in der Nähe von Lampedusa befinden sollen. Eine Meldung wurde am Samstag von Malta verbreitet.

Der Kapitän bot den Rettungsleitstellen in Tripolis, Rom, Malta und Bremen Unterstützung bei der Suche an, er bat um Informationen und um Luftaufklärung. Keine der Rettungsleitstellen antwortete. Telefonisch verwies die Leitstelle in Rom an Tripolis. Sieben verschiedene libysche Telefonnummern wurden erfolglos angewählt. Malta erkundigte sich nach der Emailadresse des Schiffes, wollte Informationen sammeln und sich später melden. Der Hamburger Kapitän kontaktierte schließlich die deutsche Seenotleitstelle in Bremen.

Flüchtlinge

Sea-Eye bricht zu Rettungseinsatz auf

Am Donnerstag hat das Schiff „Alan Kurdi“ Mallorca verlassen. Die Regensburger Organisation Sea-Eye hofft, helfen zu können.

Während der Suche nach den 41 vermissten Menschen südlich von Lampedusa wurde die Brückencrew der „Alan Kurdi“ Zeuge mehrerer Seenotfälle im Osten von Tripolis. Es gehört zur Aufgabe der Crew, die Menschenrechtssituation in der libyschen SAR Zone zu beobachten und zu dokumentierten. Am Dienstagnachmittag konnte die Crew den Funk zwischen einem Europäischen Marineflugzeug und dem Frachtschiff „El Hiblu 1“ mithören. Das Flugzeug meldete dem Frachtschiff die Position von zwei sogenannten Rubberboats und forderte den Kapitän der „El Hiblu 1“ auf, den Menschen zu helfen, da sie sich in Lebensgefahr befänden und die Libysche Küstenwache „out of service“ sei.

„Diese Geretteten haben die Hölle hinter sich und stehen nun wenigen überforderten und unvorbereiteten Besatzungsmitgliedern eines Frachtschiffes gegenüber, die ihnen zu erklären haben, dass sie genau an jenen Ort zurückgebracht werden, den sie unter Einsatz ihres Lebens zu entkommen versuchten.“

Gorden Isler

Der Kapitän rettete die Menschen und forderte Unterstützung an. Er teilte über Funk mit, die Menschen seien sehr aufgebracht und wollten nicht zurück nach Libyen zurückgebracht werden wollen. Tripolis war jedoch der Zielhafen des Frachtschiffes. Insgesamt befanden sich 108 Menschen an Bord des Frachters, darunter auch Frauen und Kinder. In italienischen und maltesischen Medien war derweil von Piraterie die Rede.

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Fehlende Solidarität beendet EU-Mission

Italien verhindert weitere EU-Mittelmeermissionen vor Libyen. Europas Antwort muss eine konsequent gemeinschaftliche sein.

„Die EU stellt die Seenotrettung ein, die Libysche Küstenwache ist nicht einsatzfähig, so müssen Handelsschiffe retten und sollen völlig verängstigte Menschen zurück nach Libyen bringen, um so Gehilfe völkerrechtswidriger Rückführungen zu werden“, betont Gorden Isler, Sprecher von Sea-Eye e.V. „Diese Geretteten haben die Hölle hinter sich und stehen nun wenigen überforderten und unvorbereiteten Besatzungsmitgliedern eines Frachtschiffes gegenüber, die ihnen zu erklären haben, dass sie genau an jenen Ort zurückgebracht werden, den sie unter Einsatz ihres Lebens zu entkommen versuchten.“

„108 Schiffbrüchige werden nun kriminalisiert und instrumentalisiert.“

Gorden Isler

Sea-Eye erfuhr am Mittwochmorgen von mehreren Rückführungen nach Tripolis. Ob die 41 Vermissten unter ihnen sind ist unklar. Schließlich werden mit Hilfsorganisationen keine Informationen mehr geteilt. Retten soll nur die Libysche Küstenwache, egal ob sie dazu in der Lage ist, oder nicht. Dadurch sind die Besatzungsmitglieder der „El Hiblu 1“ in eine schwierige Situation gebracht worden und 108 Schiffbrüchige werden nun „kriminalisiert und instrumentalisiert“, so die Pressemitteilung von Sea-Eye e.V..

Hier geht es zum Bayern-Teil.

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