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Mittwoch, 19. September 2018 31° 1

Militär

Wirbel um Verlegung der US-Soldaten

Das Pentagon dementiert, dass man Truppen aus Deutschland abziehen möchte. Für Vilseck und Hohenfels wäre das ein Einschnitt.
Von Philipp Seitz, Wolfgang Endlein, Martin Kellermeier und unseren Agentur-Korrespondenten

An mehreren Orten in Ostbayern sind US-Truppen stationiert. Foto: Wolfgang Endlein
An mehreren Orten in Ostbayern sind US-Truppen stationiert. Foto: Wolfgang Endlein

Washington.Verwirrung um die in Deutschland stationierten US-Truppen: Die „Washington Post“ hatte unter Berufung auf nicht namentlich genannte Quellen berichtet, das Pentagon prüfe die Kosten und Auswirkungen eines großangelegten Rückzugs oder einer Verlegung von in Deutschland stationierten Truppen. Präsident Donald Trump habe sich bei einem Gespräch von Vertretern des Weißen Hauses mit Militärs dafür interessiert, hieß es. Dieser Schritte hätte massive Auswirkungen auf Ostbayern. Hier sind unter anderem in Hohenfels und Grafenwöhr Truppen stationiert.

Das US-Verteidigungsministerium hat den Bericht der „Washington Post“ mittlerweile zurückgewiesen. Der Nationale Sicherheitsrat habe vom Verteidigungsministerium keine Analyse der Kosten einer Verlegung von in Deutschland stationierten US-Truppen erbeten, sagte ein Pentagon-Sprecher auf Anfrage.

In der Region bereitet sich die US-Army immer wieder bei spektakulären Übungen für den Ernstfall vor. Hier sehen Sie ein Video der Übung Swift Response:

Die US-Army bereitet den Ernstfall vor. (Video: Seitz)

Regionale Wirtschaft profitiert von den Streitkräften

Die Folgen eines Truppenabzugs hätten starke Auswirkungen auf die Wirtschaft. „Die US-Soldaten haben eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für Parsberg“, sagt Josef Bauer, Bürgermeister von Parsberg im Landkreis Neumarkt unweit des Truppenübungsplatzes Hohenfels gelegen. Immerhin wohnen laut dem Rathauschef rund 400 US-Amerikaner im Gemeindegebiet. Einzelhandel, Gastronomie, Vermieter und Firmen profitierten von der Anwesenheit des US-Militärs. „Wir haben Firmen, die haben viele Aufträge im Truppenübungsplatz.“

„So etwas gibt man nicht einfach so schnell her!“

Josef Bauer, Bürgermeister von Parsberg

Parsberg hätte also einiges zu verlieren. Bauer ist trotzdem nicht übermäßig beunruhigt. „Ich glaube nicht, dass es zu einem Truppenabzug kommt. Dafür schätzen die Amerikaner die Freundschaft zu uns zu sehr. Das haben mir hochrangige Offiziere immer wieder bestätigt. So etwas gibt man nicht einfach so schnell her!.“

Erst in diesem Jahr führte die US-Army das größte taktische Verlegungsmanöver seit vielen Jahren durch, das rund 1000 Fahrzeuge von Grafenwöhr nach Hohenfels führte. Den umfangreichen Bericht dazu lesen Sie hier.

In Hohenfels wird der Truppenübungsplatz ausgebaut

Ebenfalls alles anderes als nervös machen die Aussagen des US-Präsidenten den Hohenfelser Rathauschef Bernhard Graf. „Das würde allem zuwiderlaufen, was man aktuell in der Praxis beobachten kann“, sagt Graf. Und weiter: „Aktuell bauen die Amerikaner den Truppenübungsplatz sogar aus!“ 300 Soldaten seien erst jüngst neu hinzugekommen. Grafs Fazit: „Ich nehme die Aussagen von Trump nicht ernst.“

„Ich nehme die Aussagen von Trump nicht ernst“

Bernhard Graf, Bürgermeister von Hohenfels

Und selbst wenn: Der Truppenübungsplatz sei ein Nato-Truppenübungsplatz, der zwar von der US-Army geführt werde, aber auch ohne US-Amerikaner werde ihn jemand weiter nutzen, ist Graf überzeugt. „Es muss niemandem Angst und Bange sein.“

Die Kronjuwelen der US-Army

In Vilseck (Lkr. Amberg-Sulzbach) haben die Verantwortlichen gelassen auf die neuesten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump reagiert. Der Vilsecker Bürgermeister Hans-Martin Schertl sagte der Mittelbayerischen: „Wir sehen das momentan entspannt.“ Im Wahlkampf sind immer wieder derartige Aussagen gefallen. Allerdings würden die Truppenübungsplätze in Grafenwöhr und Vilseck immer wieder als „die Kronjuwelen der US-Army“ bezeichnet werden. Wenn Stützpunkte aufgelöst wurden, seien die Soldaten nach Vilseck und Grafenwöhr verlegt worden.

Die Übung Combined Resolve X lockte in diesem Jahr viele Schaulustige an die Straßen im Landkreis Neumarkt. Im Video erfahren Sie mehr zu den Hintergründen:

Combined Resolve X brachte viele Panzer auf die Straßen imLandkreis Neumarkt. (Video: Endlein)

„Für unsere Wirtschaftskraft ist die US-Army eminent wichtig.“

Hans-Martin Schertl, Bürgermeister von Vilseck

Die Amerikaner hätten viel Geld in die Standorte investiert. „Ich kann es mir deshalb nicht vorstellen, dass so nebenbei diese Standorte aufgegeben werden.“ Hier hätten sicherlich auch hochrangige Generäle noch ein Wort mitzureden. Eine derartige Entscheidung, die Soldaten abzuziehen, könne auch nicht von heute auf morgen gefasst werden. „Das ist eine weitreichende Entscheidung, die in erster Linie vom Pentagon getroffen wird.“

In der Region finden verschiedene Militärübungen statt. Spektakulär ist traditionell die Luftlandeübung Swift Response in Höchensee:

Luftlandeübung Swift Response

Er sei zuversichtlich, dass sich „nicht groß etwas ändern wird“. In Vilseck und der näheren Umgebung würden etwa 5000 Soldaten, dazu 8000 Familienangehörige wohnen. Für die Stadt ist die US-Army damit von Bedeutung: „Für unsere Wirtschaftskraft ist die US-Army eminent wichtig“, betont Bürgermeister Schertl.

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