mz_logo

Bayern
Mittwoch, 23. Mai 2018 26° 2

Verkehr

Wissenschaftler arbeiten an wasserstoffbetriebenen Zügen

Alle reden vom „Diesel-Skandal“ - und meinen zumeist Autos. Dabei ist die Bahn davon kaum minder betroffen. Stickstoff gelangt auch aus dem Auspuff von Dieselloks in die Umwelt. Mit Wasserstoff betriebene Loks könnten die Lösung sein, sind Erlanger Wissenschaftler überzeugt.

Erlangen.Erlanger Wissenschaftler arbeiten derzeit an Wasserstoff-betriebenen Zügen als Alternative zu umweltbelastenden Diesel-Loks. Ein erster Prototyp werde aber voraussichtlich erst in fünf Jahren auf bayerischen Gleisen rollen, teilte das Helmholtz-Institut Erlangen-Nürnberg (HI ERN) am Donnerstag anlässlich der Verkehrsministerkonferenz in Nürnberg mit.

Die Entwicklung von Wasserstoffzügen, bei denen der Wasserstoff in einer ungefährlichen Trägerflüssigkeit gebunden wird, ist eines von sieben von der bayerischen Staatsregierung geförderten Pilotprojekten. Dabei sollen schadstoffarme Loks, darunter auch solche mit Hybridantrieben, auf ihre Praxistauglichkeit hin getestet werden.

Nach Vorstellungen der Wissenschaftler sollen die mit dem gebundenen Wasserstoff betriebenen Züge mittelfristig auf nicht elektrifizierten Bahnstrecken in Deutschland eingesetzt werden. Derzeit verfügten nur 60 Prozent der Strecken über eine Oberleitung, die Elektroloks mit Strom versorge, berichtet das Erlanger Helmholtz-Institut, eine Außenstelle des Forschungszentrums Jülich.

Und selbst auf manchen elektrifizierten Bahnstrecken werden nach Einschätzung der Erlanger Wissenschaftler auch künftig Diesel-Lok rollen, da die Züge zwischendrin nicht elektrifizierte Streckenabschnitte passieren.

Um den hochexplosiven Wasserstoff sicher lagern, transportieren und als Antriebsenergie verwenden zu können, haben Erlanger Wissenschaftler schon vor längerer Zeit eine Trägerflüssigkeit entwickelt, in der das gefährliche Gas gebunden wird. Ein Liter des Trägerstoffs LOHC, eine Abkürzung für „Liquid Organic Hydrogen Carrier“, binde 650 Liter Wasserstoff, berichten die Experten des Helmholtz-Instituts.

Die ungefährlich ölige Substanz werde zum Antrieb der Lok mit einer speziellen Technologie freigesetzt und in einer Brennstoffzelle in Strom umgewandelt. Dazu sollen spezielle Freisetzungsapparate entwickelt werden, die flexibel auf die unterschiedlichen Kraftanforderungen der Lok reagierten, etwa beim Anfahren der Lok oder an Steigungen.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht