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Montag, 16. Juli 2018 29° 8

Kriminalität

Wo wurde die junge Frau getötet?

Die in Spanien gefundene Leiche wird obduziert. Immer mehr deutet darauf hin, dass es die vermisste Sophia aus Amberg ist.
Von Fritz Winter und Isolde Stöcker-Gietl

  • Polizisten sichern am Fundort einer Frauenleiche, nahe der Autobahn bei Asparrena, Spuren. Foto: Jesus Andrade/El Correo/dpa
  • Die 28-jährige Sophie wird seit vergangenen Donnerstag vermisst. Foto: Polizei

Amberg.Dass es sich bei einer am Donnerstag in Nordspanien gefundenen Frauenleiche um die seit über einer Woche vermissten Tramperin Sophia L. (28) aus Amberg handelt, wird immer wahrscheinlicher. Die Tote wurde am Freitag im gerichtsmedizinischen Institut in Vitoria obduziert, teilten die spanischen Behörden mit. Die Leipziger Staatsanwaltschaft hat die Auslieferung eines dringend Tatverdächtigen beantragt, sagte deren Sprecherin Jana Friedrich.

Fahndung per Interpol

Bereitschaftspolizei aus Nürnberg suchte am Mittwoch mit Booten den Fluss Pegnitz nach der vermissten Sophia ab. Foto: Markus Roider/Reporter 24/dpa
Bereitschaftspolizei aus Nürnberg suchte am Mittwoch mit Booten den Fluss Pegnitz nach der vermissten Sophia ab. Foto: Markus Roider/Reporter 24/dpa

Eine Streife der spanischen Polizei Guardian Civil hatte nach Medienberichten bereits am Dienstag einen Lastwagen mit marokkanischem Kennzeichen in Höhe der Stadt Bailen im Baskenland gestoppt. Nach dem Lkw war auf Ersuchen der Polizei Leipzig per Interpol gefahndet worden. Eine Auswertung von Videoaufnahmen hatte ergeben, dass die Vermisste Sophia L. am Donnerstag vor einer Woche auf einem Autohof in Schkeuditz bei Leipzig in den Truck gestiegen war, um mit nach Nürnberg und dann per Bahn weiter zu Ihrer Familie nach Amberg zu fahren. Dort war sie nie angekommen. Nach einem SMS-Kontakt mit ihren Angehörigen eineinhalb Stunden nach der Abfahrt hatte sich ihre Spur verloren.

Tatvorwurf lautet auf Mord

Spanische Polizisten steigen am Fundort der Leiche über eine Absperrung. Foto: Jesus Andrade/El Correo/dpa
Spanische Polizisten steigen am Fundort der Leiche über eine Absperrung. Foto: Jesus Andrade/El Correo/dpa

Nach Angaben der spanischen Polizei war der marokkanische Fahrer, der nach Medienberichten 41 Jahre alt sein soll, auf dem Weg Richtung Gibraltar, um von dort aus nach Marokko überzusetzen und sich dem Zugriff der europäischen Behörden zu entziehen. Noch am Mittwoch wurde er dem Gericht übergeben. Ein deutscher Ermittlungsrichter hatte zuvor Haftbefehl erlassen. Nach MZ-Informationen lautet der Tatvorwurf auf Mord.

Wie die spanische Zeitung El Correo berichtet, hat der Marokkaner bei seinen Vernehmungen offenkundig den Ort verraten, wo er die Tote abgelegt hat. Die Frauenleiche war am Donnerstagnachmittag Nahe einer Egino-Tankstelle in der Gemeinde Avarrena im Baskenland gefunden worden. Wie es heißt, habe die Leiche „deutliche Spuren von Gewalteinwirkung“ gezeigt. Auch sei sie teilweise verbrannt gewesen. Der mutmaßliche Täter hat offenkundig versucht, Spuren der Bluttat zu verwischen. Die marokkanische Spedition hat inzwischen bestätigt, dass sich auch im Führerhaus des Lastwagens Brandspuren fanden.

Mit einer Toten über zwei Grenzen?

Die Gerichtsmediziner wollen heute die Todesursache und den vermutlichen Todeszeitpunkt bestimmen, hieß es aus Spanien. Damit ließe sich ermitteln, ob die Tat in Deutschland, auf der Fahrt durch Frankreich oder erst in Spanien geschehen ist. Noch leitet die Ermittlungen die Staatsanwaltschaft in Leipzig. Dennoch äußerte sich deren Sprecherin Jana Friedrich nicht zu Einzelheiten. Da die Frau bislang noch nicht identifiziert sei, habe die spanische Justiz ein eigenes Vefahren zur Untersuchung des Leichenfundes eingeleitet. Nach einem Rechtshilfeersuchen der Staatsanwaltschaft Leipzig würden spanische Beamte aber umfangreiche Ermittlungshandlungen vornehmen. Man arbeite „in enger Abstimmung“.

Angaben zu den von den spanischen Behörden gewonnen Erkenntnissen könnten laut Friedrich erst dann mitgeteilt werden, wenn diese auf offiziellem Wege übermittelt worden seien. Dies könne „mitunter einige Tage in Anspruch nehmen“. Die Auslieferung des Verdächtigen, zu dem die deutschen Behörden ebenfalls keine Angaben machen, sei beantragt, so Friedrich. Ob diese bewilligt ist, sei auf offiziellem Rechtshilfeweg bisher noch nicht mitgeteilt worden.

Der Internationale Haftbefehl wurde ausgestellt, nachdem die deutschen Behörden nach der Auswertung von Verkehrsüberwachungskameras festgestellt hatten, dass der Lastwagen die Grenze zu Frankreich überquert hatte. Dennoch gelang es dem Fahrer auch noch nach Spanien einzureisen, obwohl eine genaue Beschreibung des Sattelzuges vorlag. Spanische Experten durchkämmten noch am Donnerstag und Freitag den gesamten Umkreis des Fundortes nach weiteren Spuren. Auch die Führerkabine des LKW wird derzeit genauestens untersucht.

Hasskommentare in sozialen Medien

Schon zuvor hatte es großangelegte Suchaktionen entlang der Autobahn A 9 in Nordbayern gegeben. Auch die Familie der Vermissten hatte in sozialen Medien eine breite Suche initiiert. In eben diesen Medien sahen sich die Angehörigen aber auch mit rassistischen Beschimpfungen und Hasskommentaren konfrontiert. Sophia hatte sich nicht nur in der SPD, sondern seit Ausbruch der Flüchtlingskrise schon mehrfach in Hilfsprojekten, unter anderem auf der Insel Lesbos, engagiert.

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