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Verbrechen

Woher kommt dieser Hass auf Sophia?

Die trauernde Familie der getöteten Tramperin wird weiterhin verbal attackiert und beleidigt. Auch Morddrohungen gehen ein.

Sophia war eine engagierte junge Frau. Nach ihrem Tod erhält die Familie Hassmails und Morddrohungen. Foto: Polizei
Sophia war eine engagierte junge Frau. Nach ihrem Tod erhält die Familie Hassmails und Morddrohungen. Foto: Polizei

Bayreuth.Während die Ermittlungen im Fall der getöteten Tramperin Sophia L. aus Amberg weiterhin schleppend laufen, sieht sich die Familie massiven Hassattacken ausgeliefert. Der Bruder der 28-jährigen Studentin sagte am Dienstag dem Berliner „Tagesspiegel“, dass man inzwischen juristische Schritte in Erwägung ziehe. Die junge Frau, die vor knapp zwei Wochen zu ihrer Familie in die Oberpfalz trampen wollte und mutmaßlich von einem Lkw-Fahrer aus Marokko getötet wurde, engagierte sich in der SPD und in der Flüchtlingshilfe. Auf die Frage des „Tagesspiegel“, was der Familie vorgeworfen werde, sagte Andreas L: „Das geht von ‚Judensau‘ bis ‚sie hat nichts besseres verdient‘, in der Regel ist es fremdenfeindlich und entbehrt jedweder Empathie für Sophias Schicksal.“Viele Medien haben in ihren Berichten über Sophia inzwischen die Kommentarfunktion deaktiviert.

In der Facebook-Gruppe „Find Sophia“ reagierten die Administratoren bereits in der vergangenen Woche auf zahlreiche Hetzkommentare, die im Zusammenhang mit den Ermittlungen der Polizei gegen den Lkw-Fahrer veröffentlicht wurden. „Was auch immer Sophia passiert ist, es ist definitiv nicht das Resultat zwischen der anscheinenden Andersartigkeit der Kulturen“, schrieben die Mitglieder. Zudem wehrte sich die Gruppe gegen Vorwürfe, dass Sophia ihr Schicksal durch das Trampen heraufbeschworen habe. „Es war weder die ihr vorgeworfene Leichtsinnigkeit noch ihre Schuld getrampt zu sein.“

Sophias Bruder sagte dem „Tagesspiegel“, dass auch mehrere Morddrohungen eingegangen sind. „Da heißt es zum Beispiel: ‚hoffentlich wirst du auch noch weggemessert‘, ‚euch vermisst eh keiner, euch scheiss zecken‘, oder ‚Findet eine Beerdigung statt und geht da der Hut um für eine Schlepperhilfeorganisation wie Sea Watch? Würde gern eine Haftmine spenden‘“. Die Familie werde die Posts sammeln und an die Staatsanwaltschaft weitergeben, sagte Andreas L.

Unterdessen haben die Justizbehörden in Spanien noch immer eine Art Nachrichtensperre verhängt. Beim Polizeipräsidium Oberfranken hieß es am Dienstag, dass weiter kein DNA-Abgleich mit der im Baskenland gefundenen Frauenleiche vorliegt. Erst danach werde über das weitere Vorgehen informiert. Der mutmaßliche Täter, ein 41-jähriger Familienvater aus Marokko, sitzt in Auslieferungshaft in einem Madrider Gefängnis. (ig)

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