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Kriminalität

Würzburg: Das Bekennervideo ist echt

Das Video war nach der Axt-Attacke im Internet veröffentlicht worden. Es gibt nun Zweifel an der Identität des Täters.

Ein Mann hat in einem Regionalzug Reisende angegriffen und laut Polizei mehrere Menschen lebensgefährlich verletzt. Foto: dpa
Ein Mann hat in einem Regionalzug Reisende angegriffen und laut Polizei mehrere Menschen lebensgefährlich verletzt. Foto: dpa

Würzburg.Das bayerische Innenministerium hat die Echtheit des im Internet verbreiteten Bekennervideos zum Attentat von Würzburg bestätigt. „Der Mann auf dem Video ist der Täter von Würzburg“, sagte ein Sprecher von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Dienstagabend in München. Das Video war am Dienstag vom IS-Sprachrohr Amak im Internet veröffentlicht worden. „Im Namen Gottes, ich bin ein Soldat des IS und beginne eine heilige Operation in Deutschland“, bekennt der 17-jährige Täter aus Afghanistan darin.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann erneuerte angesichts des Attentats von Würzburg seine Forderung einer Begrenzung des Flüchtlingszuzugs. „Entscheidend bleibt, wir müssen wieder eine stärkere Kontrolle überhaupt über alles behalten, was in unser Land kommt“, sagte der CSU-Politiker am Dienstagabend im ARD-“Brennpunkt“. „Wir müssen auch den Zuzug begrenzen und dadurch dann in der Lage sein, uns mit denen, die da sind, denen, die auch wirklich fluchtberechtigt sind, dann auch intensiv zu befassen und alles dafür zu tun, dass die nicht derartig aus dem Ruder laufen.“ In den vergangenen Monaten hatte die CSU von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) immer wieder eine Obergrenze für Flüchtlinge gefordert. Merkel lehnt eine solche Obergrenze ab.

Der Screenshot eines Internet-Videos, das vom IS-Sprachrohr Amak verbreitet wurde, zeigt den 17-Jährigen Mann aus Afghanistan, der in Würzburg Menschen in einem Zug attackierte.
Der Screenshot eines Internet-Videos, das vom IS-Sprachrohr Amak verbreitet wurde, zeigt den 17-Jährigen Mann aus Afghanistan, der in Würzburg Menschen in einem Zug attackierte. Foto: dpa

Die Klärung der Identität des Attentäters stützt sich nach Angaben des Innenministeriums auf Gesichtsvergleiche des Bundeskriminalamtes (BKA). Außerdem hätten Zeugen auf dem Video klar erkannt, dass dieses in Würzburg aufgenommen wurde, sagte der Sprecher. Damit bestätigt sich, dass der Attentäter ein islamistisches Motiv hatte. Der Jugendliche habe sich an Nicht-Muslimen rächen wollen, die seinen Glaubensbrüdern Leid angetan hätten, hatte der Leitende Oberstaatsanwalt Erik Ohlenschlager bereits am Nachmittag erklärt. Ermittler bezweifeln laut dem ZDF aber die afghanische Herkunft des Täters von Würzburg

Die Ermittler gehen von „versuchtem Mord in fünf Fällen“ aus. Zwei der Opfer befanden sich auch Dienstagabend noch in Lebensgefahr. Vor seinem Angriff sei der aus Afghanistan stammende minderjährige Flüchtling strafrechtlich „nicht in Erscheinung getreten“. Am Samstag soll er nach Angaben der Ermittler die Nachricht erhalten haben, dass ein Freund in Afghanistan gestorben sei. Dies sei offenbar der Auslöser für die Tat gewesen. Der 17-Jährige habe seither viel telefoniert.

Bild des Grauens: eine Rettungsdecke am Tatort. Foto: dpa
Bild des Grauens: eine Rettungsdecke am Tatort. Foto: dpa

Am Montagabend hatte der 17-Jährige, der vor gut einem Jahr als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling aus Afghanistan nach Deutschland gekommen war, Fahrgäste in einem Regionalexpress angegriffen. Fünf Menschen wurden schwer verletzt, darunter vier Chinesen aus Hongkong. Der Angreifer floh nach einer Notbremsung in Würzburg. Während seiner Flucht schlug er noch mit seiner Axt auf eine Passantin ein. Er wurde anschließend von einem Spezialeinsatzkommando aufgespürt und erschossen, als er laut Einsatzkräften auch die Beamten angriff.

„Auch angesichts dieser schlimmen Ereignisse gilt für uns: wer auch immer hinter solchen perfiden Angriffen steckt: Wir lassen uns unsere Freiheit und unsere Werte nicht nehmen.“

Landtagspräsidentin Barbara Stamm

Im Zimmer des Jugendlichen wurden die Zeichnung einer IS-Flagge sowie Aufzeichnungen in lateinischer und arabischer Schrift gefunden. Darin hieß es nach Angaben der Ermittler wörtlich: „Und jetzt bete für mich, dass ich mich an diesen Ungläubigen rächen kann, und bete für mich, dass ich in den Himmel komme“. Dies werteten die Beamten als Ausdruck einer islamistisch-religiösen Motivation der Tat.

Das Interview mit einer Tramatherapeutin, die in der Oberpfalz mit minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen arbeitet, lesen Sie hier.

Die IS beanspruchte die Tat für sich, dies ist das erste Mal bei einem Anschlag in Deutschland. Zunächst verkündete die IS-nahe Agentur Amaq, der Angriff sei von einem „Kämpfer“ der Miliz ausgeführt worden. Später wurde ein Video veröffentlicht, in dem der Angreifer Drohungen äußert. Mit einem Messer in der Hand kündigt der „Muhammad Riyad“ genannte junge Mann darin eine „Operation“ in Deutschland an und bezeichnet sich als „Soldat des Kalifats“. Die bayerischen Ermittler erklärten, das Video werde geprüft.

Polizei- und Eisenbahngewerkschaft fordern mehr Sicherheit für Fahrgäste.

Kanzleramtsminister Altmaier sagte zu dem Video am Abend im ZDF: „Die Überprüfungen laufen noch, aber die Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass dieses Video aller Voraussicht nach authentisch ist“, so der Minister. Das gelte auch für den Abschiedsbrief des 17-Jährigen. „Und deshalb müssen wir davon ausgehen, dass er zumindest Wert darauf gelegt hat, seine Tat in den Zusammenhang zum IS zu stellen.“ Inwieweit der IS selbst involviert gewesen sei, „das muss überprüft werden“, so Altmaier. „Wir werden jedem Hinweis nachgehen.“

„Die Brutalität und die hemmungslose Gewaltbereitschaft, die aus dieser Tat spricht, macht mich sehr betroffen.“

Ministerpräsident Horst Seehofer

Vorherige Hinweise auf eine Radikalisierung des Attentäters gab es nach Behördenangaben nicht. Bayerns Innenminister Jochim Herrmann (CSU) gab ebenso wie die Ermittler unter Berufung auf Zeugenaussagen an, der Mann sei als gläubiger Muslim wahrgenommen worden, aber keinesfalls radikal oder fanatisch erschienen. Er sei als „eher ruhiger, ausgeglichener Mensch“ beschrieben worden, der zu wichtigen Feiertagen in der Moschee gewesen sei, aber sonst nicht regelmäßig.

IS bekennt sich zum Axt-Angriff von Würzburg

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte nach eigenen Angaben keine Hinweise auf den Attentäter. Die Behörde stehe im Kontakt mit den bayerischen Behörden, sagte eine Sprecherin. Die Ermittlungen in Bayern erbrachten keine Erkenntnisse über Mittäter. Auch Herrmann sagte, er gehe von einem Einzeltäter aus. „Er war allein in dem Zug, er hat allein diese Taten begangen“, betonte er.

Der Minister verteidigte den Schusswaffeneinsatz der Beamten. Dass der junge Mann offenbar während der Flucht noch weitere Menschen angriff, zeige, dass es richtig gewesen sei, ihn aufzuhalten. „Es war dann schon wichtig, den Täter zu stoppen.“ Die Ermittler gaben an, eine „Fortsetzung des Amoklaufs wäre nicht hinnehmbar gewesen“. (afp/dpa/mz)

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