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Jagd

Zu viele Sauen: Jäger tappen im Dunklen

Wildschweine auf dem Vormarsch: Jäger fordern vom bayerischen Forstminister Brunner (CSU) die Freigabe von Nachtzielgeräten.
Von Fritz Winter, MZ

  • Wildschwein im Fadenkreuz des Nachtzielgerätes: Nur so sind bei schlechten Lichtverhältnissen sichere Schüsse möglich. MZ-Infografik
  • Der Vorsitzende des BJV-Bezirksverbandes Regensburg, Hubertus Mühlig (r.) und Kreisjagdberater Helmut Sailer begutachten Wildschweinschäden im Mais. Foto: Winter

REGENSBURG.Regensburger Jäger und der Vertreter der Unteren Jagdbehörde im Landratsamt haben erneut die Freigabe von Nachtzielgeräten zur Bejagung der Wildschweine gefordert. Bei einem Gespräch mit Forstminister Helmut Brunner (CSU) machten sie deutlich, dass aktueller Handlungsbedarf besteht. Die Zahl der Wildschweine nehme in ganz Bayern explosionsartig zu und damit auch die Schäden, die auf Feldern und Wiesen angerichtet werden. Das Gespräch mit Brunner hatte die Regensburger Landtagsabgeordnete Sylvia Stierstorfer (CSU) vermittelt.

Geräte sind streng verboten

Nachtzielgeräte sind derzeit streng verboten – ihr Besitz wird dem Besitz von Kriegswaffen gleichgestellt. Die Verwendung ist der Polizei und dem Militär vorbehalten. Mittels eines Ausnahmeregelung konnte die Verwendung von Nachtzielgeräten in diesem Jahr in Modellversuchen unter anderem im Raum Nittenau (Kreis Schwandorf) erprobt werden. Die Ergebnisse, so berichtete Maximilian Freiherr von Wiedersperg, Mitglied des Koordinierungsteams, bei einem Schwarzwildsymposion in Regensburg, seien ausgezeichnet gewesen. Alleine in seinem Bereich seien 153 Wildschweine erlegt worden, die sonst nicht zur Strecke gekommen wären.

Der Bezirksvorsitzende des Bayerischen Jagdverbandes Regensburg, Hubertus Mühlig, erklärte im Gespräch mit Brunner, dass bei unveränderter Lage zu erwarten sei, dass der Bestand an Wildschweinen jährlich um acht Prozent wachse. Da Schwarzwild ein Waldtier sei, sehe er für die Zukunft den größten Handlungsbedarf darin, wie effektiv über Reviergrenzen hinweg, dort nach der Ernte gejagt werden könne. Nachtzielgeräte könnten Abhilfe schaffen, da sie die Strecke erhöhen und waidgerechter seien, ergänzte Kreisjagdberater Helmut Sailer. Die Jäger könnten bei schlechten Lichtverhältnissen die Wildschweine genau ansprechen und sichere Schüsse anbringen. Allein im Landkreis Regensburg wurde im Jagdjahr 2013/14 die Rekordzahl von 2498 Wildschweinen erlegt. Zum Vergleich: 1992/93 waren es noch 452. Als Grund für die stark steigende Population nennen Experten vor allem den Klimawandel mit milderen Wintern, die vielen Frischlingen das Überleben ermögliche. Auch gebe es ausgezeichnete Mastjahre mit vielen Eicheln und Bucheckern – Lieblingsspeise und „Kraftnahrung“ für die Sauen.

Einsatz vorurteilsfrei prüfen

Brunner hat sich bereits öffentlich dafür ausgesprochen, den Einsatz von Nachtzielgeräten vorurteilsfrei zu prüfen. Mit den herkömmlichen Bejagungsmethoden alleine sei das Problem nicht mehr zu lösen. Zuletzt hatten die bayerischen Jäger die Rekordzahl von 68 000 Wildschweinen erlegt. Der Leiter der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt Regensburg Karl Frank, wies darauf hin, dass ein Revier einen umso höheren Wert habe, je mehr es von den Jagdgenossen gepflegt werde und je intensiver sie mitarbeiten. Dann könne es auch wieder zu einem angemessenen Preis verpachtet werden. Wegen hoher Wildschäden sind einige Jagdreviere mittlerweile unverpachtbar geworden.

Einig waren sich die Anwesenden, dass es ein Bündel von Maßnahmen brauche, um dem steigenden Schwarzwildbestand zu begegnen. „Nur im Gespräch miteinander können wir effektive Maßnahmen erarbeiten, um den Schwarzwildbestand erfolgreich zu regulieren“, sagte Stierstorfer. Sie will die Gespräche fortsetzen.

Kommentar

Umdenken

Es ist höchste Zeit, dass der Bayerische Jagdverband und das Bundeskriminalamt umdenken: Das strikte Verbot des Einsatzes von Nachtzielgeräten ist längst...

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