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Bayern
Freitag, 20. Juli 2018 31° 2

Umfrage

Zwischenzeugnis für Merkel und Seehofer

Der Asylkurs der Union spaltet. Eine Mehrheit findet Transitzentren gut. Zum „Frieden“ in der Union gibt‘s ein klares Urteil.
Von Christine Schröpf

Der Streit zwischen Horst Seehofer (l.) und Angela Merkel (r.) wird sehr kontrovers bewertet. Foto: Kay Nietfeld/dpa
Der Streit zwischen Horst Seehofer (l.) und Angela Merkel (r.) wird sehr kontrovers bewertet. Foto: Kay Nietfeld/dpa

München.Nur ein Drittel der Bayern sind zufrieden mit der Asyl- und Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel, 42 Prozent mit der Arbeit von Bundesinnenminister Horst Seehofer. Eine deutliche Mehrheit von 64 Prozent spricht sich für Transitzentren aus – unter den AfD-Anhängern liegt der Zustimmungswert sogar bei 84 Prozent, unter den CSU-Anhängern bei 83 Prozent: Das sind die wichtigsten Ergebnisse einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes „infratest dimap“ im Auftrag des BR-Politikmagazins „Kontrovers“. 94 Prozent der Befragten gaben übrigens an, dass der Konflikt zwischen CDU und CSU nach ihrer Einschätzung trotz des Asylkompromisses längst nicht gelöst ist. Interessant wird unter diesen Voraussetzungen auch das nächste Umfrageergebnis zu den Parteien, das „Kontrovers“ noch in diesem Monat erheben und veröffentlichen will. Anfang Mai lag die CSU in der Umfrage von „infratest dimap“ bei 41 Prozent, die Grünen bei 14, die SPD bei 12, die AfD bei 12, die Freien Wähler bei 7 und die FDP bei 6. Die Linke erreichte drei Prozent und würde damit an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern.

Wer hat den Schwarzen Peter?

Der Gegenwind für die Flüchtlingspolitik Merkels ist unter den CSU-Anhängern besonders groß. 75 Prozent sind weniger bzw. gar nicht zufrieden. Nur Parteianhänger der Grünen beurteilen die Kanzlerin in dieser Frage mit 61 Prozent mehrheitlich positiv, die SPD-Anhänger zeigen sich gespalten (50 zu 50). Die Werte Seehofers sind grundsätzlich besser, er polarisiert in dieser Frage allerdings auch: 57 Prozent der Bürger Bayerns sind weniger zufrieden oder gar nicht zufrieden, CSU-Anhänger beurteilen Seehofers Arbeit in diesem Bereich allerdings insgesamt eher positiv (72 zu 28), AfD-Anhänger ebenfalls (54 zu 46). Grünen-Anhänger stößt er damit deutlich ab (6 zu 93).

Auch in Ostbayern wird die Asylpolitik sehr unterschiedlich bewertet. Hier einige Stimmen, die zum Höhepunkt des Asylstreits gesammelt worden sind:

Asylstreit: Reaktionen aus Ostbayern

Abgefragt wurde in der Umfrage zudem, wer am erbitterten Asylstreit in der Union die Schuld trägt: 35 Prozent machen in erster Linie Horst Seehofer und die CSU verantwortlich. 26 Prozent schoben Angela Merkel und der CDU den Schwarzen Peter zu. 37 Prozent sehen Merkel und Seehofer gleichermaßen als Urheber. Bei der Frage nach dem Sieger des Streits ist das Umfrage-Ergebnis eher ausgeglichen: 22 Prozent sehen Angela Merkel und die CDU als Gewinner, 25 Prozent Horst Seehofer und die CSU. 40 Prozent meinen, beide Seiten hätten sich gleichermaßen durchgesetzt.

Zweifel an Merkels Führungskraft

Eine Mehrheit der Befragten misstraut dem Friedensschluss zwischen CSU und CDU und sieht weiter viel Konfliktpotenzial: 61 Prozent bezeichneten die Union als zerstritten und ohne gemeinsamen Kurs. Ebenfalls 61 Prozent stimmten „eher zu“, dass der CSU ihre eigenen Interessen wichtiger sind als der Erfolg der Regierung. 70 Prozent meinen, dass Merkel die Union in der Regierungskoalition nicht mehr richtig im Griff hat. 70 Prozent sind der Auffassung, Seehofer habe mit seinem Verhalten gegenüber Merkel die Union geschwächt – 69 Prozent finden es trotzdem gut, dass Seehofer Merkels Kurs in der Asyl- und Flüchtlingspolitik attackiert hat.

Die Arbeit der SPD in der Bundesregierung betrachten 30 Prozent der Befragten positiv, 64 Prozent sind weniger bzw. gar nicht zufrieden. Unter den SPD-Anhängern liegt die Zustimmungsrate bei 60 Prozent. In puncto Transitzentren ist das Meinungsbild übrigens gespalten: 43 Prozent finden die geplanten Einrichtungen richtig, 48 Prozent nicht.

Für die Umfrage von „infratest dimap“ waren am 3. Juli in Bayern 1001 repräsentativ bestimmte Wahlberechtigte telefonisch befragt worden. Die Fehlerabweichung liegt bei 1,4 bis 3,1 Prozent.

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