MyMz

Außenansicht

Zynischer Kuhhandel

Unsere Bauern müssen immer neue Anforderungen erfüllen, während bei Handelsdeals Standards anscheinend keine Rolle spielen.
Georg Wimmer, Agrar-Experte

Georg Wimmer
Georg Wimmer

Regensburg.Bayerische Bauern müssen immer höhere Standards erfüllen, gleichzeitig sollen Zölle für viele Agrarprodukte aus dem Amazonas-Gebiet fallen. Immer höhere Auflagen für die Arbeit auf den Feldern und im Stall hierzulande. Und gleichzeitig mehr Rindfleisch aus den USA und Argentinien oder zollfreies Bioethanol aus dem brasilianischen Regenwald. Wie passt das zusammen? Gar nicht!

Doch die Verhandlungen über das Handelsabkommen Mercosur-Staaten in Südamerika waren noch nicht richtig abgeschlossen, da hat Donald Trump schon getwittert: Im Streit über Rindfleischimporte hat die EU nachgegeben und künftig wird ein größerer Anteil des zollfreien Kontingents aus den USA kommen.

Unsere Bauern müssen fast täglich neue Anforderungen erfüllen, während bei Handelsdeals mit Drittstaaten Standards anscheinend keinerlei Rolle spielen. Mit dieser Doppelmoral und immer neuen Zugeständnissen bei Agrarimporten aus Übersee sollen die Türen für deutsche Autos oder Investitionsgüter aufgestoßen werden. Potenziellen Handelspartnern wie Trump oder Bolsonaro wird in Sachen Handelspolitik der rote Teppich ausgerollt. Als Verhandlungsmasse dienen in den allermeisten Fällen landwirtschaftliche Güter. Und zwar Agrarprodukte, die nicht nach EU-Standards erzeugt wurden, sondern für die häufig Regenwald abgeholzt wurde oder Mittel eingesetzt werden, die in der EU gar nicht zugelassen sind. Von unseren Sozial- und Umweltstandards sind die Handelspartner oft meilenweit entfernt.

Das Nachsehen bei einem solchen Kuhhandel haben Verbraucher, die Landwirtschaft in Europa und nicht zuletzt auch die Umwelt und das globale Klima. Wenn wir es in der EU wirklich ernst meinen mit dem Erhalt von regionaler Landwirtschaft, mit fairem Handel und dem Schutz von Klima und Umwelt, dann muss das Inkrafttreten des neuen Handelsabkommens, in der zwischen der EU und den südamerikanischen Partnern verhandelten Form, unbedingt verhindert werden. Nötig ist ein grundlegender Kurswechsel der EU in der Handelspolitik! Es ist zynisch, dass es die Meldungen zu den verheerenden Bränden im Amazonas gebraucht hat, dass Politik und Öffentlichkeit auf die Missstände in Südamerika aufmerksam werden. Es muss endlich Schluss sein mit der Doppelmoral bei Handelspolitik und Klimaschutz!

Der Autor ist Generalsekretär des Bayerischen Bauernverbandes.
Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht