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Gillamoos

„Auf diesem Dschiela-moos“

Am lustigsten war es ohne Zweifel im Ottenbräu Festzelt – mit Wolfgang Krebs als Merkel, Stoiber und Horsti Seehofer.
Von Thomas Dietz, MZ

Sekunden vor dem Auftritt: Krebs als „Angie“ Foto: Gabi Schönberger

Abensberg. Rita, Gertraud, Anastasia und Evelyn haben sich freigenommen, anders geht’s gar nicht. Denn Gillamoos in Abensberg heißt immer: Ausnahmezustand. Nun sitzen sie im Ottenbräu Festzelt („seit 1609“) in einer ungeheuren Menschenmenge und haben wie alle hier das große Los gezogen: Gleich wird der große Parodist Wolfgang Krebs Edmund Stoiber und Horsti Seehofer geben – und gegen diese Supergaudi kann kein echter Redner in den Nachbarzelten ankommen. „Ein Politiker wär uns vier Stunden Wartezeit auch nicht wert gewesen. Und bei der Merkel weiß man eh, was sie sagt: nix“, meint Rita.

Von der fünfköpfigen Blaskapelle „Bayerische Löwen“ umrahmt und von dröhnendem Beifall begrüßt, erschien Krebs in pinkfarbenem Blazer und Blondperücke als Kanzlerin, die sich, wie sich bald herausstellte, im Zelt geirrt hatte (und nebenan im Hofbräuzelt tatsächlich später kam): „Wo sind wir jetzt in Bayern? Was?? Abensberg, ach so, danke. Genau, das war ja dieser Dschiela-moos.“

„Edmund, rette uns!“

Die Stimmung war also schon bierse- und königlich, als Edmund Stoiber auftrat, von dem das Publikum offenbar nie genug kriegt. Sogar ein Transparent „Edmund, rette uns!“ ward entrollt. Rasch raste der Saal vor Vergnügen, und genauso soll’s sein. Zu den Klängen des Bayerischen Defibriliermarsches bekannte der Staatsratsvorsitzende des ehemaligen Bayern: „Ohne den Gillamoos in Abensberg wäre Bayern am Arsch!!“ (unvorstellbarer Jubel). So legt er mit der Schwesterpartei Angela die Leitlinien der Politik fest, aber: „Wo ich bin, da weht der Wind des Klartextes auf die Mühlenflügel der politischen Energiewende, wenn Sie meinen, was ich verstehe!“

Dann hob Stoiber „das Bayerische“ in Form eines Maßkruges in die Luft, auch für seine Partei, die CSU/CSU. Andere bekamen ihr Fett ab: Dieser Kubitzki – FDP und Schleswig-Holstein, das ist doppelte Randlage! Oder Trittin, Vater des Dosenpfands, ein politischer Leergutsammler.

Die Gebirgsschützen sollen ausrücken

Nicht weniger gefeiert wurde Horsti Seehofer, der immer so Diskussionen mit seinen Frauen hat, die behaupten, sie könnten zwei Sachen gleichzeitig. Ja, sagt er, rückwärts einparken und den Außenspiegel abfahren (Geraune im Publikum). Er zog vom Leder über Christine Haderthauer („die 6. Klasse waren die schönsten 4 Jahre meines Lebens“) und Markus Söder, „diesen fränkischen Kassenwart und Prinz Charles der CSU“. Dann zog er seine Handpuppe „Ude“ aus dem Koffer, die sagte: „Grüß Gott, ich werde als Oberbürgermeister von Bayern Deine Amtsgeschäfte weiterführen.“ „Du!? Wahlniederlage und Opposition gehören zum Markenkern der SPD!“

Am Ende kam der Stoiber noch mal und drohte unter infernalischem Applaus: „Wenn die in Berlin so weitermachen, werden wir unsere bayerischen Gebirgsschützen in wehrhafter Tradition ausrücken lassen! Wir machen dicht! Jeder Norddeutsche, der durch unser Land nach Italien fahren will, muss 1000 Euro Maut bezahlen! Wollt Ihr mich zum bayerischen Präsidenten!!?? Der Jubel kannte keine Grenzen mehr. Rita, Gertraud, Anastasia und Evelyn strahlten, und von allen Seiten hörte man: „Hat sich rentiert, dass ma herkumma san.“

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