mz_logo

Bayern
Montag, 16. Juli 2018 29° 8

Wanderbare Region

Auf wippendem Boden durch das Moor

Die MZ stellt dieses Jahr Wandertouren mit Kindern vor. Familie Sigel ist diesmal im Kulzer Moos unterwegs und erkundet die einzigartige Flora und Fauna.
Von Heike Sigel, MZ

Durch das Moorgebiet führen Stege, diese dürfen die Wanderer nicht verlassen. Fotos: Sigel

Thanstein. Größere Moorgebiete sind nicht unbedingt das, was man im Naturpark Oberpfälzer Wald erwartet. Nahe Thanstein und Neunburg vorm Wald gibt es aber tatsächlich ein rund 80 Hektar großes Moor, in dem sich Fauna und Flora von einer besonderen Seite zeigen: Das Prackendorfer und Kulzer Moos bilden hier eine der wenigen, zumindest teilweise, noch intakten Hochmoorflächen im außeralpinen Raum Süddeutschlands. Seit 1987 steht das Areal unter Naturschutz. Seltene Pflanzen und Tiere, alleine 100 Arten der Roten Liste, leben hier. David und Lucy entdecken auf dem knapp drei Kilometer langen Lehrpfad durch das Areal jede Menge Frösche und riesige Libellen.

Früher war hier Brenntorf-Abbau

Am Beginn der Tour erklären erste Infotafeln die Entstehung von Mooren. Seit dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 100000 Jahren gab es sie überall dort, wo die Zersetzung abgestorbener Pflanzenteile aus Mangel an Sauerstoff stark gehemmt war. Moore erzeugen dadurch mehr Biomasse als abgebaut wird. Sichtbar wird dieses Phänomen an den mächtigen Torfschichten, die sich im Laufe der Jahrtausende bildeten. Im Prackendorfer und Kulzer Moos reicht die Geschichte der Torfgewinnung mindestens bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zurück. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Brenntorf durch die Kohlefeuerung allmählich abgelöst. Früher arbeiteten bis zu 200 Menschen in dem Moor, das wir heute erkunden wollen.

Gleich auf den ersten Metern säumen Tümpel und Fischweiher den Weg. Immer wieder schnappen Fische nach Wasserläufern und Fliegen. Platsch! Zwei kleine Wasserfrösche tauchen mit einem beherzten Sprung in das mit langen Gräsern bewachsene Gewässer rechts von uns ein. Die grün-braunen Tierchen sind bestens getarnt und selten in freier Wildbahn zu beobachten. Jetzt lauern sie im Tümpel nach Beute. Es lohnt sich, geduldig am Ufer niederzuknien und einfach nur zu schauen. Überall tut sich was: es quakt und brodelt, raschelt und plätschert. Weiter hinten steht ein kleines Häuschen auf Stelzen mitten im Wasser. Eine ausgefranste weiß-blaue Fahne mit dem Konterfei Ludwigs II. weht im lauen Sommerwind. Ab hier folgt man den Wegweisern mit der Libelle und der Aufschrift „Erlebnis Kulzer Moos“. Wir biegen zweimal nach links ab und wandern an einem Waldrand entlang. Eine winzige braune Kröte hüpft über den Weg. Ihre Zeit als Kaulquappe kann noch nicht lange zurückliegen.

An einem Kreuz ein Wegweiser nach rechts. Es geht in den Wald hinein. Anschließend erreichen wir eine weite, grüne Wiese, an deren Ende schon das Naturschutzgebiet-Schild und eine Holzbrücke zu erkennen sind. Spätestens ab hier gilt: die markierten Wege nicht mehr verlassen!

Ein langer Holzsteg führt mitten durch das Moor. Die erste Lehrtafel informiert über den Birken-Moorwald. Die Moorbirke mit ihrer weiß-grauen Rinde ist eine der wenigen Baumarten, die auf den sauren und nährstoffarmen Moorstandorten gedeihen können. Links und rechts Sumpfwasser, abgebrochene Birkenstämme und Farne. Ein bisschen kommt man sich auf den Bohlen wie auf einer Expedition durch den Urwald vor. Eine zweite Tafel hat die Torfmoose zum Thema. Man erfährt, dass ein Meter Torf zu seiner Entstehung etwa 1000 Jahre braucht. Gleich daneben breitet sich ein großer Moosteppich aus. Wie so oft, so sind die Tafeln am Moorlehrpfad etwas zu ausführlich. Allerdings: Wann wandert man schon mal durch ein Moor? Der Holzsteg ist zu Ende. Wir gehen auf einem Waldweg weiter.

Die nächste Tafel beschäftigt sich mit der Torfnutzung in der Region. David und Lucy bemerken, dass die weiche Walderde in der Nähe des Schildes etwas nachgibt. Haben wir keinen festen Boden mehr unter den Füßen? Die Kinder finden den wippenden Untergrund jedenfalls „echt super“. An Station vier wird unter anderem das am Wegrand wachsende Pfeifengras vorgestellt. Nomen es omen: die Halme wurden früher tatsächlich zum Pfeifenreinigen verwendet. An der nächsten Kreuzung rechts abbiegen.

Viele bedrohte Tierarten

Wieder ändert sich die Vegetation. Der Wanderer kommt durch ein etwas düsteres Fichtengehölz. Kurz darauf spazieren wir durch einen Erlenwald. Schild Nummer fünf weist darauf hin, dass die hier wachsenden Schwarzerlen einen Großteil des Jahres unter Wasser stehen. Deshalb wäre es sicher interessant, im regnerischen Herbst noch einmal wieder zu kommen. Aber auch im Sommer ist es rund um das Schild sumpfig genug. Labradorhündin „Abbey“ steht fast bis zum Bauch im Matsch.

Schließlich ist das Prackendorfer Moos erreicht. Die Kinder beobachten eine Libelle bei ihrem Flug. Erst später haben sie Augen für die letzte Lehrtafel. Libellen können Geschwindigkeiten bis zu 80 km/h erreichen, steht dort zu lesen. Außerdem habe der vom Aussterben bedrohte Moorfrosch hier sein Zuhause, ebenso wie die Waldschnepfe und der Schwarzstorch. Die Hälfte der Moorbewohner stehen inzwischen auf den Roten Listen bedrohter Tierarten. Das liegt auch daran, dass in Bayern von einst 59.000 Hektar Hochmoorflächen nur noch circa 8000 Hektar erhalten sind.

Der Weg führt jetzt an Maisfeldern vorbei. An einer Spazierbank ist es Zeit für eine Pause. Anschließend nach rechts, immer dem Libellen-Wegweiser nach. Nach einem kurzen Waldstück wird über eine Wiese nach links weitergewandert. Wir erreichen die Weggabelung, an der wir vor einer guten Stunde nach links abgebogen sind. Nach der Kurve flattert die König-Ludwig-Fahne. Die Wasserfrösche bringen sich vorsichtshalber in Sicherheit.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht