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Der Hammer, dieser Hack

Martin Pilz ist ein sportgestählter Stadtindianer. Der coole Kulturmanager komponiert auf einer Flussinsel Highend-Räder.
Von Marianne Sperb

Martin Pilz vor seiner Fahrrad-Manufaktur auf der Eichmühleninsel in Regenstauf: Vor dem Freisitz wuchern Tomaten, die eindeutig nicht auf Effizienz getrimmt sind. Drinnen entstehen Highend-Bikes. Foto: Sperb
Martin Pilz vor seiner Fahrrad-Manufaktur auf der Eichmühleninsel in Regenstauf: Vor dem Freisitz wuchern Tomaten, die eindeutig nicht auf Effizienz getrimmt sind. Drinnen entstehen Highend-Bikes. Foto: Sperb

Regenstauf.Ein herzzerreißend schöner Septembermorgen auf der Eichmühleninsel: Martin Pilz geht gerade am Fluss lang, mit Lino, dem vierbeinigen Familien-Import aus Sardinien. Vorm Haus wuchern Tomaten, den Freisitz dominiert ein Profi-Grill, vier Autolängen entfernt führt ein Privatsteg in den Regen und im zugestellten Fahrradladen bullert der Holzofen. Eine andere Heizung gibt’s hier nicht. Eine Wand pflastern Gitarren. Der 49-Jährige schenkt Kaffee ein und nimmt mit breiter Brust gegenüber Platz.

Sie haben das Paradies hier. Empfinden Sie das so?

Freilich. Das Paradies – man muss es nur kennen. Die Wiese und den Fluss vor der Tür, Kanu fahren, schwimmen. Das Wasser wird so 17 Grad haben. Ich hupf’ auch jetzt noch jeden Tag kurz rein. Und im Sommer so oft es geht.

Sie managen die Cooltour-Bühne in der Eichmühle, sind Musiker, Ironman und Fahrradprofi. Wie passt das zusammen?

Es hat sich alles so ergeben. Seit 25 Jahren bin ich selbstständig. Ich hab’ Schlosser gelernt, den Meister in Maschinenbau gemacht, ein Radgeschäft eröffnet und kam über Umwege zur Musik – und zu meinem Namen: Hammerhack-Bluesrockstanzlsongpoet.

Nochmal bitte!

Hammerhack-Bluesrockstanzlsongpoet. Hack ist mein Hausname. 2003, zu der Beerdigung von Rudolf Stieglitz – mit dem hatte ich die Mundart Ageh gegründet – kamen sie alle: Fredl Fesl, Haindling, Ambros Seelos. Ich hab’ am Grab ein Liedl gesungen, und Fesl meinte: Das war der Hammer! Tja. Da war der Name da.

Wie kam es zur Cooltour-Bühne?

Unserer Band Jaga T. fehlte der Probenraum. Anfangs übten wir im Fahrradladen. Zur ersten Probe kamen 15 Leute, zur zweiten schon 20. Ich musste immer alle Räder rausräumen. Luc Denny, der die Eichmühle kaufte, richtete dann einen Saal mit 100 Sitzplätzen ein. Einen der ersten Auftritte hat Hannes Ringlstetter bestritten. Damals durfte man noch rauchen. Es war wie in einer verruchten US-Blues-Kneipe, alles voller Schwaden.

Martin Pilz in seiner eigenwilligen Fahrrad-Edelschmiede auf der Eichmühleninsel, Laufschuhe in der Hand, Hund Lino neben sich Foto: Sperb
Martin Pilz in seiner eigenwilligen Fahrrad-Edelschmiede auf der Eichmühleninsel, Laufschuhe in der Hand, Hund Lino neben sich Foto: Sperb

Wer tritt da auf?

Otti Fischer, Steffi Denk, Matuschke, Alfons Hasenknopf. Solche Leute. Am 3. Oktober ist italienische Nacht.

Und Ihre Musik?

Ich trete solo auf und mit den Boarisch Krauts. Wir spielen nur eigene Sachen: Blues, Balladen, Rock, Reggae. Außerdem spiele ich in einer Dreier-Formation, die heißt „Hammerhack und Dr. Drum haben Morgenschweis“.

Sie sind der Gitarrist?

Ich singe, spiele und schreibe. Ich steh’ halt vorn. Frontman, wie man so sagt. Musik gab’s auch bei uns daheim. Die Mama spielte Zither, der Vater war ein lustiger Bursch. Der konnte die Leute unterhalten.

Wie kamen Sie aufs Rad?

Man muss sich was einfallen lassen. Das Geschäft entstand, weil ich mit 21, 22 Triathlet wurde. Die Ausrüstung ist teuer. Ich dachte, ich eröffne einen Laden und kaufe das Rad zum Einkaufspreis. 13 Jahre lang hab’ ich Triathlon gemacht. Eine Zeit lang hatte ich auch ein größeres Geschäft, mit Laufband-Analyse, Skiservice. Das hat sich nicht getragen. Da bin ich wieder hierher.

MZ-Serie: Alles ausser gewöhnlich

  • Die Serie:

    Es gibt Menschen, die auf eine spezielle Weise leben oder die Dinge auf ganz eigene Art anpacken. Sie sind „alles außer gewöhnlich“. Möchten Sie jemanden vorschlagen? Schreiben Sie uns: redaktion@mittelbayerische.de

  • Die Autorin:

    Marianne Sperb bekam nach dem Tripp auf die Insel in der Redaktion sofort die Ohren vollgequasselt: „Was, du warst beim Hack? Eine Legende! Ironman unter 9 Stunden!“

Acht Mal Ironman-Finisher, bayerischer Meister im Duathlon: Sie waren erfolgreich. Und heute?

Es geht so. Ich musste zurückschrauben. Anfang 2018 hab’ ich zwei neue Hüften bekommen, wegen der Abnutzung. Ich hab als Vierjähriger mit Skifahren begonnen. Handball, Badminton, Squash, Biathlon... Das merkst. Ich bin froh, dass ich mich zur Operation entschlossen habe.

Sie waren Nordic Walking Pionier.

Damals rief ein Spezl an: Kimm! Hier ist einer aus Finnland, der unterrichtet Walking. 1998 hab’ ich die erste Nordic Walking Schule Bayerns gegründet. Ich hatte sieben Trainer, zeitweise kamen 60, 70 Leute her zum Walken.

Der Laden wirkt improvisiert, aber die Räder sind Highend. Sie sagen: Das Leben ist zu kurz, um ein schlechtes Bike zu fahren.

Meine Räder sind genau auf Schrittlänge, Gewicht, den Geschmack und den Bedarf zugeschnitten. Der eine will mit Tempo über Stock und Stein, der andere nur zum Metzger. Die Räder gibt’s ab 500 Euro, nach oben offen. Inzwischen baue ich auch E-Bikes.

Welches Bike fahren Sie selbst?

Mein altes Triathlon-Rad, ein Mountainbike, zwei oder drei Trekkingräder. Wenn du ein Fahrradgeschäft hast, kommt natürlich was zusammen.

Schaut improvisiert aus – aber man darf sich nicht täuschen lassen: Der Mann, der hier Räder baut, ist auch ein Perfektionist. In der Ironman-Szene gilt „der Hack“ als Legende. Wo er mit seinem Snake-Bike zum Wettkampf auftauchte, waren ihm die Blicke sicher. Foto: Sperb
Schaut improvisiert aus – aber man darf sich nicht täuschen lassen: Der Mann, der hier Räder baut, ist auch ein Perfektionist. In der Ironman-Szene gilt „der Hack“ als Legende. Wo er mit seinem Snake-Bike zum Wettkampf auftauchte, waren ihm die Blicke sicher. Foto: Sperb

Sie sind Ihren eigenen Weg oder: Ihre eigenen Umwege gegangen. Haben Sie’s richtig gemacht?

Zu 90 Prozent war es bisher ein schönes Leben. Nur dass die Sicherheit fehlt, das ist nicht so einfach. Mein Bruder zum Beispiel hat jeden Monat ein sicheres Einkommen. Ich lass’ mir halt was einfallen. Ich biete Hausmeister-Service an, ich kann Gitarre unterrichten. Natürlich könnte ich eine feste Stelle annehmen; Maschinenbaumeister sind gefragt. Aber jeden Tag im Werk bei Krones oder MR: Ich weiß nicht, ob ich das noch könnte.

Laura Schönberger ist die Feinbäckerin der Herzen. Lesen Sie mehr aus unserer Serie „Alles außer gewöhnlich“

Was reift da in den dicken Ballonflaschen am Fenster?

Da ist Likör angesetzt: Blutwurz, Koreatanne, Wildpflaume.

Sind Sie eine Art Stadtindianer, jemand, der im Vorhandenen das Nutzbare erkennt?

Irgendwie passt das vielleicht. Schauen S’, die Astgabel auf dem Regal hier: Wenn ich unterwegs bin und sehe das, denke ich: Das könnte ein Kerzenständer sein. So etwas kann ich nicht liegenlassen. Ich bin auch wirklich leidenschaftlicher Schwammerlsucher.

Passt ja perfekt zum Namen! Und dort, auf dem Regal: Steht da ein Oscar?

Ja. Den hat man mir mal geschenkt. Unten steht „Bester Eventmanager“.

Lesen Sie mehr aus unserer Reihe „Alles außer gewöhnlich“, hier: Lucki Maurer, der Fleisch-Philosoph Wir haben den Rinderzüchter mit dem Ziegenbart in Rattenberg für unsere Serie besucht.

Alles außer gewöhnlich: Hier geht es zu unserem Special!

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