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„Die ganze Welt kommt zu uns“

Margit Zettl-Feldmann hat den Gögginger Familienbetrieb zum Wellnesshotel ausgebaut. Dackel Anton folgt ihr auf allen Wegen.
Von Marion Koller

„Der Gast sucht im Urlaub ein Stück heile Welt“, sagt Margit Zettl-Feldmann (50), die das Bad Gögginger Wellness- und Tagungshotel „Der Eisvogel“ führt. Foto: Koller
„Der Gast sucht im Urlaub ein Stück heile Welt“, sagt Margit Zettl-Feldmann (50), die das Bad Gögginger Wellness- und Tagungshotel „Der Eisvogel“ führt. Foto: Koller

Bad Gögging.Heute leidet Anton. Der Hotelhund wedelt zwar, weil er Frauchen Margit in den parkähnlichen Garten begleiten darf. Wegen einer verletzten Vorderpfote humpelt er aber. Nur ihre Töchter und der Dackel schaffen es, Hotelbesitzerin Margit Zettl-Feldmann auf andere Gedanken zu bringen. Ansonsten beschäftigt sich die 50-Jährige mit dem Vier-Sterne-Haus. Ihren Mann Martin, einen Koch und Kaufmann, hat sie dort kennengelernt. Die Familie wohnt im „Eisvogel“.

Frau Zettl-Feldmann, Sie arbeiten elf Stunden pro Tag. Wie entspannen Sie?

Mein Dackel lebt bei mir im Büro. Mit dem gehe ich morgens und abends durch die Donau-Auen spazieren, an Hopfengärten vorbei. Manchmal wird mir schon bewusst, da gibt es noch was anderes. Aber wenn ich wirklich was will, kann ich alle Hebel in Bewegung setzen. Ich freue mich, wenn ich mit der Familie fünf Tage wegfahre. Wir debattieren noch über die Ostsee und den Süden.

Was lernen Sie von Ihren Töchtern Theresa und Maxi?

Ich lerne loszulassen. Meine Töchter leben die Work-Life-Balance und regen da schon zum Nachdenken an.

„Wir machen Menschen glücklich.“ Margit Zettl-Feldmann,

Hotelbesitzerin

In welchen Hotels verbringen Sie Ihre Kurzurlaube am liebsten?

Im „Theresa“ im Zillertal und im Krallerhof in Leogang, weil das gewachsene Familienhotels sind, ein Level höher als unser Haus. Ich will etwas Neues und die Tourismustrends sehen und suche ein persönliches Vier-Sterne-Hotel aus, fünf müssen es gar nicht sein. Es ist spannend, zu sehen, wie sich die Hotels entwickeln.

Wohin gehen die Trends?

Der Gast sucht im Urlaub ein Stück heile Welt. Jeder braucht seinen Platz, wo er in kurzer Zeit Kraft schöpft. In der technikaffinen Welt kommt der Mensch zu kurz.

Viele Zutaten Ihrer Küche stammen von Feldern ihres Mannes.

Er kommt aus einem Bauernhof, baut Spargel, Erdbeeren, Aronia- und Goji-Beeren, Kürbis und Kartoffeln an. Davon können wir Vieles in der Gastronomie mitverarbeiten.

Was bietet die Speisekarte?

Jetzt ist der feldfrische Spargel meines Mannes auf der Karte. Ich esse ihn am liebsten mit Sauce Hollandaise und Schnittlauchpfannkuchen. Die Erdbeeren servieren wir als Kuchen, im Eisbecher, als Tiramisu, als Salat mit frischer Minze und Vanille-Eis oder mit frischgebackenen Waffeln.

Gögging feiert 2019 die Baderhebung vor 100 Jahren.

Ohne die Bad-Anerkennung wäre Gögging nicht das, was es ist. Das war die Grundlage für alles. Mein Großvater hätte ohne die Kurgäste 1949 nicht das Salettl mit drei Caféhaustischen an sein Haus angebaut, das „Eisvogel“ wäre nie entstanden.

Ihre Gäste sind international.

Die ganze Welt kommt zu uns. Wir haben den Wellness- und den Kurgast, den Geschäftsreisenden und den Tagungsteilnehmer. Viele Mittelständler im Landkreis sind weltweit tätig, davon profitieren wir. Unternehmen wie Samvardhana Motherson Peguform, Scheugenpflug, Kunststofftechnik Wiesmayer, Intertec-Hess haben sich riesig entwickelt. Bei unseren ausländischen Gästen überwiegt Asien. Das sind in erster Linie Geschäftsleute. Die meisten Hotelgäste, bis zu 70 Prozent, sind Deutsche. Schweizer und Österreicher folgen.

Probieren die Asiaten bayerische Schmankerl?

Sie bestellen Schweinshaxe, Bratwürste oder Leberkäs. Die wollen das ausprobieren. Einmal genügt meistens.

Im Video sehen Sie die hübsche Umgebung des Hotels „Eisvogel“ und die Familienkapelle, die Margit Zettl-Feldmanns Vater baute.

Bad Gögging wuchert mit drei Naturheilmitteln.

Die drei miteinander, eine Moorpackung, ein Schwefelbad und Schwimmen im Thermalwasser, sind unbändig gut bei Gelenkproblemen. Wir haben im Haus noch den Hopfen. Der beruhigt, fördert die Durchblutung, regt die Collagenproduktion an. Wir verarbeiten ihn als Massage-Öl, Ölcreme-Packung und im Salzpeeling. Wenn jemand gestresst ist und was braucht zum Runterkommen, sollte er 20 Minuten ins Hopfenbad steigen.

Ziehen das Römerfest im Kastell und der Limes Urlauber an?

Ja, das hat sich sehr gut entwickelt. Heuer findet es am 18. und 19. August statt. Wir interpretieren dort römische Gerichte neu. Es gibt den Gewürzwein Mulsum, den Schafskäseaufstrich Moretum, Bratwürstl mit Liebstöckl und Gewürzweckerl mit Perna, einer Art Schinken, mit Honigdattelsoße. Der Gast möchte was erleben, vor allem immer mehr Natur. So Dinge wie Abusina, der Limes, der Weltenburger Donaudurchbruch und die Donau-Auen machen die Gegend attraktiv.

Das „Eisvogel“ beschäftigt 80 Mitarbeiter. Sie suchen ständig.

Das ist im Moment die große Herausforderung. Vor allem ist es schwierig, Mitarbeiter zu finden, die unsere Philosophie des begeisterten Gastes mittragen und einen Familienbetrieb mögen. Zurzeit suchen wir einen Barkeeper und Servicemitarbeiter im Restaurant. Leider sind die Leute kaum bereit, Dienstleister zu sein. Alle wollen Bürozeiten. Dabei ist unser Beruf sehr abwechslungsreich. Wir tun Gästen etwas Gutes, indem wir feines Essen servieren und im Spa den Rücken massieren. Wir machen Menschen glücklich.

Ihr Traum?

Eigentlich lebe ich meinen Traum. Ich habe mir immer gewünscht, dass der „Eisvogel“ ein Wellness-Hotel und schönes Refugium wird. Das werde ich behutsam weiterentwickeln – und irgendwann weniger arbeiten.

Sie arbeiten viel, aber immerhin werden Sie im Hotel bekocht.

In der Gastronomie isst man oft im Stehen und kalt. Wenn um mich herum der Bär steppt, kann ich mich nicht von meinen Mitarbeitern bedienen lassen. Ich hole mir das Essen selbst. Der Gast geht vor. Meine Töchter kritisieren das. Das ruhige Hinsetzen mit einem Glas Wein gibt es nur an Weihnachten.

Weitere Interviews lesen Sie hier.

MZ-Serie: Alles ausser gewöhnlich

  • Die Serie:

    Es gibt Menschen, die einem auffallen: weil sie auf eine spezielle Weise leben oder die Dinge auf eine ganz eigene Art anpacken. Sie sind eben „alles außer gewöhnlich“.

  • Die Autorin:

    Marion Koller wurde auf Margit Zettl-Feldmann aufmerksam, weil die Familie innerhalb von drei Generationen ein Hotelimperium aufgebaut hat. Bruder Karl Zettl führt Römerbad Klinik und „Kaiser Trajan“.

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