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Bayern
Sonntag, 22. Juli 2018 28° 8

Wanderbare Region

Biologieunterricht mitten im Wald

Die MZ stellt dieses Jahr Wandertouren mit Kindern vor. Familie Sigel ist diesmal auf dem abwechslungsreichen Waldlehrpfad Langquaid unterwegs.
Von Heike Sigel, MZ

  • Schwierige Frage: Welches Holz gehört zu welchem Baum?Fotos: Sigel
  • Lucy als feuerspeiende Waldfee
  • Lucy testet das Baumtelefon.

Zugegeben. „Waldlehrpfad“ klingt immer ein wenig nach langweiligem Wandertag mit pädagogischem Anspruch. Wenn es sich aber, wie beim Langquaider Waldlehrpfad, um eine abwechslungsreiche Runde durch einen wunderschönen Wald handelt, bei der das Naturerlebnis und nicht die Lehrtafeln im Mittelpunkt stehen, dann sieht die Sache schon aners aus. Außerdem: Kenntnisse über die heimischen Baumarten können nicht schaden, wenn man sich später beim „Holzdidaktikum“ nicht blamieren will.

Start ist am Marktweihergebiet von Langquaid. Eine Übersichtstafel gibt dort einen ersten Überblick über alle dort startenden Wege. Neben dem Waldlehrpfad gibt es noch den kürzeren Naturerlebnispfad, den Legenden- und Sagenweg oder den Laabertaler Wallfahrtsweg. Wir lassen die Tafel und den Marktweiher rechts liegen und gehen den geschotterten Weg in Richtung Fußgängerunterführung. Danach links auf die kleine Teerstraße hin zum Sportplatz des TSV Langquaid einbiegen. Noch vor dem Fußballplatz geht es nach rechts. Eine erste Tafel stellt den Waldlehrpfad und unseren Wegweiser für die nächsten zweieinhalb Stunden – drei Bäume in verschiedenen Grüntönen – vor. Wenige Meter später wird die Zitterpappel, auch Espe genannt, behandelt. Es gibt in Deutschland keinen Baum, der schneller wächst. Wussten Sie, woher der Spruch „Zittern wie Espenlaub“ kommt? Das Schild am Wegrand gibt Aufschluss: „Da der seitlich zusammengedrückte Blattstiel ziemlich lang ist und das Blatt nur ein geringes Gewicht hat, zittert das Blatt schon bei der geringsten Luftbewegung.“

Lernen am „Holzdidaktikum“

Die schmale, geteerte Straße geht in einen Feldweg über. Zwischen Waldrand und Feldern immer geradeaus wandern. Die Tafel „Tierspuren im Wald“ steht linker Hand kurz vor dem Eingang in den Wald hinein. Anschließend, immer dem Baumwegweiser nach, geradeaus in den Wald spazieren. Ab jetzt wird es für Kinderwagenfahrer auf dem wurzeligen und weichen Boden ziemlich mühsam. Deshalb Kleinkinder lieber in der Kraxe transportieren. Die Eiche, die Rotbuche und die Vor- und Nachteile von Fichtenreinbeständen sind jeweils Thema bei den nun folgenden Infopunkten.

Wir genießen mehr die Schönheit des Waldes. Die Herbstsonne fällt durch die Bäume und zaubert märchenhafte Lichtreflexe. Lucy stellt sich mitten in einen Sonnenstrahl hinein und bläst die kühle Luft wie eine kleine Rauchwolke aus ihrem Mund heraus. Hätte sie nicht ihre knallrote Jacke an, man könnte sie für eine feuerspeiende Waldfee halten. Die Route durch den bunten Herbstwald ist hervorragend beschildert und Balsam für die Seele. Pfeifengras und Adlerfarn heißt die folgende Tafel. Zwischen den Farnen und Gräsern glitzern kunstvolle Spinnennetze. An der nächsten Wegkreuzung treffen sich fünf Wege. Wahrscheinlich wurde die Baumgruppe in der Mitte deshalb „Drehscheibe“ getauft. Auf einer Bank ist es Zeit für eine Rast. Lucy testet inzwischen das Baumtelefon.

Jetzt weiter dem Bild mit den drei grünen Bäumen nach und die Kreuzung geradeaus queren. Bei der nächsten Abzweigung den Weg nach links wählen. Der Wegweiser ist an dieser Stelle etwas versteckt an einem Baum angebracht. Kurz darauf ein neues Schild: „Die Sandbirke“. Die Kinder müssen die junge Birke erst suchen. Weil der Stamm nass ist, sticht die weiße Rinde nicht sofort ins Auge. Die Fichten-Lehrtafel, die Fichte ist die häufigste Baumart in Deutschland, geht fünf Minuten später ein wenig unter. Denn am Rand eines Schotterweges steht in Sichtweite das sogenannte „Holzdidaktikum“. Eine naturnah gestaltete Ratestation, bei der an geschliffenen Baumstamm-Scheiben die Frage „Welches Holz ist von welchem Baum?“ beantwortet werden soll.

Bäume und Zapfen

Nach dem willkommenen Ratespaß nach links weiterwandern. An einem Baum hängt ein Vogelhäuschen, dessen Einflugloch mit einem Stahlring verstärkt ist. Da haben Nesträuber keine Chance! Wir erfahren Interessantes über die Kiefer sowie den Faulbaum, dessen Beeren giftig sind, und lernen den Unterschied zwischen Strobe und Kiefer kennen, bevor es nach links auf einem idyllischen Waldpfad eine Weile „schilderlos“ weitergeht. An einem alten Grenzstein steht ein gelber Pflock. An dieser Stelle muss man rechts abbiegen. Anschließend immer den Wegweisern nach. Ab und zu ist Verkehrslärm zu hören, obwohl man noch keine Straße sieht. Nach der absoluten Stille auf den zurückliegenden Kilometern sind wir wieder in die Zivilisation angekommen. Am Rande eines abgemähten Maisfeldes stößt man auf einen kleinen, asphaltierten Weg, der ungefähr 200 Meter lang parallel zu einer Ortsverbindungsstraße läuft. Wenig später kommt die Tafel über den Rainfarn. Die Pflanze wurde früher gegen Flöhe und Kopfläuse eingesetzt.

Bald nach der Station wird die Straße nach links in den Wald hinein verlassen, wo die letzten beiden Tafeln mit den Titeln „Zu welchem Baum gehört der Zapfen“ und „Jahresringe verraten das Alter“ auf die Wanderer warten. Nach einer kleinen Steigung erreicht man die Zufahrtsstraße zum Sportplatz. Hier links halten. Zehn Minuten später ist nach einer abwechslungsreichen Wanderung der Ausgangspunkt in Sicht.

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