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Transplantationen

Chef-Chirurg kehrt in den OP zurück

Seit August war der Direktor der Chirurgischen Klinik des Regensburger Universitätsklinikums beurlaubt – nun entlastet ein Gutachten den Chef-Chirurgen.
Von Louisa Knobloch, MZ

Im Zuge des Transplantationsskandals war auch der Chef der Chirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Regensburg unter Verdacht geraten. Foto: dpa

Regensburg. Prof. Dr. Hans J. Schlitt kann in den OP zurückkehren. Nach „ausführlicher Beratung“ haben sich der Vorstand und der Aufsichtsrat des Regensburger Uniklinikums dafür ausgesprochen, dass der Direktor der Chirurgischen Klinik „mit sofortiger Wirkung seine Arbeit wieder aufnehmen kann“. Die Entscheidung sei auf der Grundlage eines juristischen Gutachtens erfolgt, hieß es am Mittwoch in einer Mitteilung. Schlitt war im Zuge des Transplantationsskandals Anfang August von Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch beurlaubt worden. Er war der direkte Vorgesetzte des beschuldigten Oberarztes Dr. O., der in 23 Fällen Krankenakten von Patienten manipuliert haben soll.

Aufsichtspflicht nicht verletzt

Schlitt habe möglicherweise seine Aufsichtspflicht als Vorgesetzter verletzt, hieß es damals zur Begründung der Beurlaubung. Eine externe Kanzlei für Arbeitsrecht hat nun im Auftrag des Uniklinikums seit August das Handeln von Schlitt im Hinblick auf mögliche Verletzungen von Dienstpflichten untersucht. Das Gutachten liegt dem Uniklinikum und dem Wissenschaftsministerium mittlerweile vor. „Die von einem unabhängigen arbeitsrechtlichen Gutachter durchgeführte Überprüfung hat ergeben, dass keine gravierenden Verletzungen seiner vertraglichen Pflichten von Herrn Prof. Schlitt in seiner Tätigkeit als Klinikdirektor belegt werden können“, teilte Heubisch mit. Seine damalige Entscheidung sei nicht vorschnell gefallen: „Die auf meine Bitte hin ausgesprochene Beurlaubung von Herrn Prof. Schlitt war aus damaliger Sicht notwendig, um eine objektive Aufklärung des Sachverhalts zu ermöglichen“, so Heubisch. Ein konkretes Datum, wann der Chef-Chirurg seinen Dienst wieder antritt, gibt es laut Uniklinikum noch nicht. Schlitt selbst wollte sich gegenüber unserer Zeitung gestern nicht persönlich äußern.

Die am Uniklinikum aufgetauchten Verdachtsfälle betreffen die Jahre 2004 bis 2006. Von 2007 bis 2012 seien bisher keine Verdachtsmomente auf Manipulationen festgestellt worden, hieß es. Dennoch habe der Aufsichtsrat des Uniklinikums, dessen Vorsitzender Heubisch ist, den Vorstand damit beauftragt, das Transplantationszentrum unter Berücksichtigung der neuen landes- und bundesweiten Vorgaben grundsätzlich neu sowie interdisziplinär zu strukturieren. Eine im Zuge der Vorfälle einberufene Arbeitsgruppe beschäftige sich derzeit mit der Ausarbeitung eines Konzeptes. Noch könne daher nicht gesagt werden, wie das Transplantationszentrum in Zukunft strukturiert sein werde, teilte das Klinikum mit.

Spendebereitschaft sinkt

Ende Oktober hat eine Expertenkommission mit der Überprüfung der fünf bayerischen Transplantationszentren begonnen. Bei Besuchen vor Ort sollen Strukturen, Abläufe, Dokumentation und Kommunikationswege durchleuchtet werden. Auch die aktuellen Wartelisten der Zentren werden überprüft. Im kommenden Jahr soll die Kommission einen Abschlussbericht mit konkreten Handlungsempfehlungen vorlegen.

Neben Göttingen und Regensburg war es auch am Klinikum rechts der Isar in München zu Unregelmäßigkeiten bei Transplantationen gekommen. Der Skandal hat Auswirkungen auf die Spendebereitschaft: Laut Deutscher Stiftung Organtransplantation liegt das Gesamtergebnis der ersten drei Quartale 2012 deutlich unter den Vergleichswerten der Vorjahre.

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