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Tierschutz

Delfinhaltung auf dem Prüfstand

Die Grünen haben den Antrag gestellt, Delfinarien zu verbieten. Für den Nürnberger Tiergartenchef Dag Encke basiert dieser jedoch auf falschen Daten.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Die Delfinlagune im Nürnberger Tiergarten wurde erst 2011 eröffnet. Bei Tierschützern steht sie massiv in der Kritik. Foto: Stöcker-Gietl

Nürnberg. Droht das Aus für die neue Delfin-Lagune in Nürnberg? Im März hat die Bundestagsfraktion der Grünen einen Antrag gestellt, die Delfinhaltung in Deutschland zu beenden. Sollte der Bundestag diesem Antrag folgen, müsste der Tierpark die Anlage schließen und die Tiere an ausländische Zoos abgeben. Die Bild-Zeitung spekuliert bereits, dass dies im schlimmsten Fall das Todesurteil für einige Nürnberger Delfine bedeuten könnte. Der fast 53 Jahre alte Moby, einer der ältesten Delfine weltweit, sei kaum noch vermittelbar, ebenso wie Delfin-Weibchen Anke, die in den vergangenen Jahren mehrere Todgeburten hatte.

Neben Duisburg ist der fränkische Zoo die letzte Einrichtung, wo in Deutschland noch Große Tümmler gehalten werden. Ihre Forderung nach dem Verbot von Delfinarien beziehen die Grünen unter anderem auf eine wissenschaftliche Untersuchung eines Biologen der Ruhr-Uni Bochum. In dem Bericht heißt es, dass Delfine in Zoos nicht artgerecht gehalten werden können. „Der Große Tümmler taucht 200 bis 300 Meter tief, erreicht Geschwindigkeiten von 50 Kilometer pro Stunde und legt oft große Tagesstrecken zurück. Für eine „artgerechte“ Haltung, in der die Maximalgeschwindigkeit nur annähernd erreicht und natürliche Tauchtiefen und Distanzwanderungen zumindest ansatzweise simuliert werden könnten, müssten in den Delfinbecken Bahnlängen von 850 bis 900 Meter vorgeschrieben werden.“ Für fünf erwachsene Große Tümmler sei aber derzeit lediglich eine Mindestbeckenoberfläche von 400 Quadratmetern und Mindesttiefen von 1,5 bis vier Metern empfohlen. „Das ist absolut unzureichend“, urteilen die Grünen. Die Partei schließt sich damit der Meinung von Tierschützern an, die seit Jahren ein Ende der Delfinhaltung in Deutschland fordern. „Statt um Artenschutz und Aufklärung geht es den meisten Betreibern nur ums Geld. Delfine sind weltweit ein Milliardengeschäft“, sagt Jürgen Ortmüller vom Wal- und Delfinschutz-Forum (WESF).

Der Nürnberger Tiergarten-Chef Dr. Dag Encke hält das Gutachten des Bochumer Wissenschaftlers dagegen für nicht aussagekräftig. „Hier handelt es sich um die singuläre Meinungsäußerung eines offensichtlichen Laien im Tierschutz und der Tierhaltung.“ Die biologischen Daten, die im Antrag angeführt werden, seien auf die in deutschen Delphinarien gehaltenen Tiere nicht zutreffend, argumentiert Encke. „Die Simulation eines natürlichen Habitats einer Tierart ist keineswegs zielführend, die Forderung danach allenfalls irreführend“, schreibt der Tiergarten-Leiter in seiner Stellungnahme für den Agrarausschuss, der am Mittwochnachmittag in einer Anhörung eine Reihe von Gegnern wie Befürworter von Delfinarien zur Wort kommen lässt. In dem Ausschuss wird entschieden, ob der Grünen-Antrag zur Abstimmung in den Bundestag kommt.

Seit 1971 werden im Nürnberger ’Tiergarten Delfine gehalten. Die Delfinlagune wurde erst im Jahr 2011 – unter dem Protest von Tierschützern – eröffnet. Das Projekt kostete 24 Millionen Euro. Die Delfinshows wurden verändert und sind heute öffentliche Trainingsvorführungen.

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