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Da Bua is wieda stermvoidreeg!

In unserer monatlichen Dialekt-Reihe „Frong S’ den Zehetner“ geht es wieder um einige echt bairische Ausdrücke – um Riwanzen zum Beispiel.

Spielen im Matsch ist für viele Kinder das Größte. Beim Heimkommen droht dann ein Donnerwetter – lebensgefährlich ist das aber nicht. Foto: Fotolia

„Stermvoidreeg“ – kann man von zu viel Dreck sterben?

„Bist ja scho wieder stermvoidreeg“, schimpft die Mutter ihren Sprössling. Stirbt er etwa vor lauter Dreck? Nein, der Ausdruck „stermvoidreeg“ klingt zwar so, als wäre es die mundartliche Aussprache von „sterben voll Dreck“, hat aber mit „sterben“ nichts zu tun. Es liegt das Präfixoid „stern-“ vor in der Bedeutung ‚besonders, hochgradig, intensiv, sehr‘. In die Schriftsprache übertragen, ergibt sich „sternvoll Dreck“. Dass „m“ gesprochen wird, geht auf Assimilation zurück: „nf › mf“. Dieses „stern-“ hat etwa dieselbe Funktion wie „stock-“ oder „erz-“ in „stockfinster, stockheiser, erzfaul, erzkonservativ“. Gängig sind die Wortbildungen „sternvoll, sternblau, sternhagel, sternhagelbesoffen“. In Carl Orffs „Astutuli“ kommt folgender Satz vor: „Wer dumm ist, [...] sieht nichts, bleibt blind, stockblind, sternhagelblind, so blind, wie alle Dummen sind.“

Die Frage kam von Agnes Huber

Der „Häuslschleicher“ – ein ungebetener Gast

Einen scheinheiligen, heuchlerischen Menschen, der anderen schöntut, um sich eigenen Vorteil zu verschaffen, nennt man einen „Häuslschleicher“, ausgesprochen „Heislschleicha“. Das ist ein schöner und sehr bildkräftiger Ausdruck, der anspielen könnte auf einen Fuchs, der um den Hühnerstall schleicht, um die Gelegenheit für eine Beute abzupassen. Auch eine Katze kann man sich vorstellen, die nahrungsuchend herumschleicht. „Schmeiß’n aussi, den Heislschleicha, den elentign!“, wies mein Onkel Toni seine Frau an, als er sich durch den wiederholten Besuch eines süßlich redenden Hausierers belästigt fühlte.

Eingereicht von Edi Reichenberger

Was ist eine Riwanzen?

Eine Person, die nicht still sitzen kann, dauernd hin und her rutscht, wird mancherorts als „(alte) Riwanzn“ bezeichnet. Das Wort sieht aus wie eine lautliche Variante von „Liwanzen“, eine mit Zimt und Zucker bestreute Mehlspeise ähnlich einem Pfannenkuchen oder Reiberdatschi. Liwanzen kennt man vor allem in der österreichischen Küche. Das Wort stammt aus dem Tschechischen oder einer anderen slawischen Sprache. Gericht und Bezeichnung brachten die Egerländer nach Bayern, die bei uns eine neue Heimat fanden. In das zu klärende Wort „Riwanzen“ ist wohl der Anlaut von „riebeln“ (reiben, hin und her bewegen) eingeflossen. Und ganz abwegig ist es nicht, einen Zusammenhang mit „Wanze(n)“ zu vermuten, so dass man „Rieb-Wanze(n)“ ansetzen könnte.

Die Frage stellte Günter Schmid aus Hohenirlach

Die Apostrophitis: „Schmanker’l, Hend’l und Brez’n“

Ein rechtes Kreuz ist es mit den Auslassungszeichen, den Apostrophen. Sobald sie bairische Wörter verschriften, setzen sie viele Zeitgenossen geradezu zwanghaft. Sie erkennen nicht, dass bei „Standl, Hendl, Radl, Fassl“ kein Laut ausgelassen ist, denn die Formen „Standel, Hendel, Radel, Fassel“ existieren gar nicht. Silbenwertiges „l“ ist die bairische Entsprechung für das hochsprachliche Diminutivsuffix „-lein“, und „-erl“ für „-elein“. Niemand käme auf die Idee, etwa „Fäss’lein“ oder „Blüme’lein“ zu schreiben. Besonders irritierend wirken Schreibungen wie „Rad’lbahnhof, Stecker’lfisch“, wobei der Apostroph die Wörter an unmöglicher Stelle auseinanderreißt, so dass das Auge „lbahnhof, lfisch“ wahrnimmt: Was soll das denn sein?

Ein etwas anders gearteter Fall liegt vor bei „Brez’n, Wies’n“. Wenn man von der Schriftsprache ausgeht, ist hier wirklich ein „e“ ausgelassen, und der Apostroph soll hier Mundartnähe signalisieren. Es ist zu raten, statt „frische Brez’n“ anzupreisen, einfach die bairisch-hochsprachliche Form „Brezen“ zu wählen, Plural von „die Breze“. Mundartlich lauten allerdings Ein- und Mehrzahl gleich: „oa Brezn, zwoa Brezn“, es sei denn, es tritt der sogenannte potenzierte Plural „Brezna“ auf. Bei „Wiesen“ ist es ebenso. Als Bezeichnung für das Münchner Oktoberfest hat sich seit etlichen Jahren die Schreibung „Wiesn“ durchgesetzt – ohne Apostroph!

Der Apostroph bei „geht’s, gibt’s, ist’s, war’s; nehmen S’ doch Platz“ usw. zeigt an, dass Kürzungen vorliegen (es, Sie). Anders gelagert ist der Fall bei der bairischen Flexionsendung „-ts“ für die 2. Person Plural. Hier ein Auslassungszeichen einzufügen ist verfehlt. Korrekt ist: „Schaugts, dass’s kemma kennts“ (schaut, dass ihr kommen könnt), weil „schaugts, kennts“ nach der bairischen Grammatik die Endung „-ts“ tragen, während „dass’s“ für „dass ees (= ihr)“ steht.

Ein rein typographisches Problem ist die Form des Apostrophs. Es ist noch gar nicht so lang her, da hat Christian Stang bei der „Mittelbayerischen Zeitung“ mit Erfolg durchgesetzt, dass die Rubrik „Sag’s mit Herz“ jetzt mit dem korrekten Apostrophzeichen erscheint, nämlich in der Form wie die Ziffer 9 – und nicht verkehrt herum wie die Ziffer 6.

Auf das Problem hingewiesen hat Franz Josef Stangl

Warum heißt es „zwee Manner“, aber „zwo Hüttn“?

Die Erklärung ist ganz einfach: Das Bairische hat, wie so oft, historische Formen bewahrt. Im Alt- und Mittelhochdeutschen galten für das Zahlwort, das jetzt „zwei“ lautet, unterschiedliche Formen für die drei Genera: „zwê, zwêne“ bei maskulinem Bezugswort, „zwô“ bei femininem und „zwei“ bei neutralem. Im Bairischen lebt „zwê(ne)“ fort als „zwee“, alt „zwô“ als „zwo“ oder „zwou“, und alt „zwei“ als „zwoa“. Darum heißt es „zwee Manner, zwo Kiah“ (nordbairisch „zwou Käih“), zwoa Kinder“ – wegen „der Mann, die Kuh, das Kind“. Eigentlich ist es schade, dass diese grammatische Feinheit heute fast völlig aus dem aktiven Sprachgebrauch verschwunden ist. In der Hochsprache hat sich verständlicherweise die Neutrum-Form „zwei“ durchgesetzt. Wegen der Lautähnlichkeit von „zwei“ und „drei“ verwendet man beim Telefonieren gelegentlich „zwo“ – ein Rest des alten Deutsch.

Frage von Gertraud Heilmeier

Weich im Kopf: Ein dalkerter Kerl

Das Österreichische Wörterbuch verzeichnet „Dalk“ (einfältiger, ungeschickter Mensch, Tollpatsch, Trottel, Tölpel) und „dalkert“ (dumm, kindisch). Auch in Bayern sind diese Ausdrücke geläufig, dazu die Nebenformen „Talk, Talkl“. Das Verb „dalkeln, dalken, dalkern“ bedeutet a) sich wie ein Dalk benehmen; b) ungeschickt, läppisch daherreden; c) stottern. Das „Leibhaftige Liederbuch“ enthält ein Lied mit dem Titel „Du, du dalkerter Jagersbua“. Herzuleiten sind die Wörter wohl von mittelhochdeutsch „talgen“ (kneten), „talke“ (weiche, klebrige Masse).

Die Frage kam von Otto Ippisch aus Lappersdorf

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