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Regensburg.

Das kannst doch nicht mitgehen lassen!

Anstelle von „klauen“ steht eine Fülle von bairischen Ausdrücken zur Verfügung.

Bis man es bemerkt, hat ein Dieb die Geldbörse „mitgehen“ lassen. Foto: dpa

Man kann etwas käuflich erwerben, es geschenkt bekommen oder es sich unrechtmäßig aneignen, stehlen. Das weitverbreitete Wort „klauen“ hat im Bairischen keine Heimat; dafür stehen zahlreiche andere Ausdrücke zur Verfügung.

Ein Mädchen, dem im Kaufhaus die begehrte modische Kette zu teuer ist, kann der Versuchung erliegen und sie einfach „mitgehen lassen“, d. h. in einem unbeobachteten Augenblick in der Handtasche verschwinden lassen. Den Dohlen sagt man nach, sie würden glitzernde Gegenstände mit dem Schnabel greifen und damit verschwinden. Auf bairisch heißt der Vogel „der Dààchl“ (nach mittelhochdeutsch „tæhel“). „Aus den geschreckten gotischen Kirchen-Augen schießen finstere Dacheln in den grauen Himmel“ (Carl Amery). Davon kommt das Verb „dààchln/dààchen“ für ’entwenden‘. Annähernd gleichbedeutend sind die Verben „datschen, dàtschen, ditschen, kràmpfeln, zwicken“, allgemein verbreitet auch „gripsen, mopsen, mausen, stibitzen“ in der Bedeutung ,Kleinigkeiten (Plätzchen, Bonbons) auf listige Weise an sich bringen‘. Verhüllend klingen „abstauben, hinunter-, abhinbiegen (owi-, nunterbiang), dàmisch hauen“, so als würde ein Gelegenheitsdieb beim Staubwischen nebenbei etwas verschwinden lassen, den begehrten Gegenstand quasi nach unten wegbiegen oder besinnungslos schlagen (“dàmisch = täumisch“, zu „taumeln“), sodass er den Besitzerwechsel nicht merkt. „Als Buchhalter hat Alois F. die Gelegenheit wahrgenommen, seiner Firma einen Haufen Geld hinunterzubiegen. Der hübsche Maßkrug auf dem Schrank, den hat der Opa selig einmal dem Bräuwirt damisch ghaut.“

Ethnische Vorurteile haben dazu geführt, dass man für ’Waren mitnehmen, ohne zu bezahlen‘ die Ausdrücke „englisch“ oder „böhmisch einkaufen“ verwendet. Unter „böhmischer Zirkel“ versteht man die kreisende Handbewegung, mit der ein unehrlicher Mensch Ware in die eigene Tasche wandern lässt.

Um Betrug, ungerechtfertigte Bereicherung geht es beim „Übers-Ohr-Hauen“, wenn man jemanden übervorteilt, auf bairisch: ihn oder sie „hereinlegt, blitzt, prellt, schlengt“ oder „pràtzlt“. Vor einiger Zeit lautete eine Schlagzeile in der MZ: „Mit 2 Millionen ins Ausland – Freunde und Familie gepratzelt.“ Man kann einem Mitmenschen auch etwas „abschmàtzen“, d. h. die Überlassung des Gewünschten durch insistierendes „Schmàtzen“ (= Reden) erzwingen. Das Gegenstück ist: jemandem etwas „aufschmàtzen“, wie es geschickte Verkäufer verstehen. Nach Abreise der unwillkommenen Verwandten stellt die Hausfrau fest: „Die haben alles eingesàckelt, was nicht niet- und nagelfest war.“ Mit „einsàckeln“ liegt eine typisch bairische Wortbildung vor; „einsacken“ klingt weit weniger plastisch.

Noch eine Art von Betrug sei erwähnt: der Unterschleif bei Prüfungen. Schreibt eine Lehrkraft, nachdem sie markante Gemeinsamkeiten in den Arbeiten von Banknachbarn festgestellt hat, auf das Blatt „Note 6 wegen Unterschleifs“, so fragt der Schüler nach, was mit dem unbekannten Wort gemeint sei. Kurz und bündig fällt die Auskunft aus: „Weilst gspickt hast.“ Die Grundbedeutung von „spicken“ ist ’spähen‘ oder bairisch „spechten, luren, spitzen“. Veraltet für ’abschauen, abschreiben, kopieren‘ ist „abbleuen (o-blain)“. Mit der Farbe „blau“ steht dieses Verb in keinem Zusammenhang, sondern mit „bleuen“ = ’schlagen‘; bedeutungsmäßig kommt „abbleuen“ dem hochsprachlichen Wort „abkupfern“ nahe, womit ursprünglich gemeint war: ’einen Kupferstich vervielfältigen‘.

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