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Fons und Vinz sind selten geworden

Einheimische meiden die Koseform „Seppl“.

Karl Valentin wehrte sich vehement dagegen, als „Herr Walentin“ angeredet zu werden, und zwar mit dem Argument, man sage zum Vater ja auch nicht „Water“ und erbitte vom Chef keinen „Worschuss“. Foto: dpa

Gibt es spezifisch altbayerische Vornamen? Auf „Josef“ trifft dies am ehesten zu. Vom 18. bis ins 20. Jahrhundert stand er in der Beliebtheitsskala ganz oben. Josef ist ein nahezu rein katholischer Name. Noch Mitte der 1960er Jahre stand er auf dem ersten Platz in den Standesamtslisten Niederbayerns, in München erhielt von 100 Buben nur noch einer den Namen. Seither fehlt er in der Liste der 30 beliebtesten Namen. Für die Sommerfrischler aus dem Norden wurde der „Seppl“ mit Sepplhut und Sepplhose zum Synonym für den Bayern. Dies hat dazu geführt, dass Einheimische die Koseform „Seppl“ meiden und „Sepp, Sepperl, Bepp, Bepperl“ sagen. Im Gegensatz zur Kürzung „Joe“ geht „Sepp“ auf italienisch „Guiseppe“ zurück. Die weiblichen Pendants „Sef, Fini“ sind gekürzt aus „Josefa, Josefine“.

Ursprünglich der Kindersprache entstammen „Bepp, Beppi, Bepperl“, ebenso „Nanni, Nandl“ für „Anna“. Auch beim Verlust eines „r“ darf dies angenommen werden: „Fanny, Gabi, Uschi“ (Franziska, Gabriele, Ursula). Viele Eltern legen heute Wert darauf, dass ihr Kind mit dem vollen Namen gerufen wird. Selbst vier- und fünfsilbige Vornamen wie Korbinian, Anastasia oder Maximilian bleiben ungekürzt. Früher war es üblich, lange Namen auf eine ein- oder zweisilbige Rufform zu kürzen. Heute sind traditionelle Einsilbler wie „Bert, Gust, Mich, Fons, Vinz, Naz, Zenz, Vef“ selten geworden. In die Literatur eingegangen ist „Ruap“ (Rupert, Rupprecht) durch Ludwig Thomas Roman „Der Ruepp“.

Viele Kürzungen erfolgen an der Stelle, an der ein „i“ steht: „Franzi, Juli(e), Moni, Kuni, Zilli, Flori, Korbi, Olli“. Die Aussprache mit „F“ gilt für „Vroni“ ebenso wie für „Vef, Xaver, Valentin“. Karl Valentin wehrte sich vehement dagegen, als „Herr Walentin“ angeredet zu werden, und zwar mit dem Argument, man sage zum Vater ja auch nicht „Water“ und erbitte vom Chef keinen „Worschuss“. Bairische Lautentwicklungen („b“ zu „w“ und „-g(e)n“ zu „-ng“) treten in Erscheinung bei „Wast, Wastl, Wàstä“ für „Sebastian“, noch extremer bei „Wàm“ für „Barbara“. Aus „Magnus“ wird „Mang“.

Andere Kosenamen erhalten ein „i“ zusätzlich: „Kathi, Gerti, Traudi, Irmi, Wally, Anni, Adi, Edi, Rudi, Sigi, Helli, Ali, Ossi, Poldi, Xari“. Die Lautung der Endung variiert zwischen „i“ und „e, ä“: „Kari, Kare, Karä“ (zu „Karl“). Der Zithervirtuose Manfred Zick tritt auf als „der Zither-Manä“. Alternativ zu Koseformen auf „i“ kennt das Bairische solche mit den Verkleinerungssuffixen „-l, -erl“, regional auch „-ei“: „Gretl, Liesl, Resl, Wastl, Ferdl, Jackl, Gustl“. Der „Wolfgang“ wird zum „Wolferl“ oder zum „Gàngerl“, der Christoph zum „Stofferl“. Manche Namen weichen in der Betonung vom Hochdeutschen ab. Für „Maria“ kennt der Dialekt „Màri, Màre, Màrerl, Màrei“ mit der Betonung auf der ersten Silbe. „Theres, Mathild, Johann, Alex“ tragen den Akzent auf der ersten Silbe, ebenso „Egid“ (Quirin Asam).

Wie bei „Sepp“ ist die lateinische beziehungsweise latinisierte Namensform heranzuziehen. Nur über „Antónius, Lauréntius, Leon(h)árdus, Benedíktus“ lassen sich „Toni, Lenz, Hartl, Diktl, Dickl“ erklären. Der Vorname „Ludwig“ hat in Bayern Tradition. Seit dem zwölften Jahrhundert hießen viele Herzöge so. Im 19. Jahrhundert regierten die Könige Ludwig I. und Ludwig II.. „Der Karä und der Luckä“ sind als Witzfiguren Münchner Vorstadttypen. „Luck“ ist wohl als Zusammenziehung zu sehen („Lud-gg“) oder eine Annäherung an „Luk(as)“; mit „Wigg, Wiggerl“ hat sich der zweite Namensteil verselbstständigt.

In München besaß Eustachius Föderl eine Wirtschaft, die man nach dem Wirt „Stachusgarten“ nannte. So kam der Karlsplatz zum Namen „Stachus“. In Regensburg steht die Seligsprechung von Eustachius Kugler bevor. Ob „Eustachius“, kurz „Stachus“, dadurch eine Renaissance erfährt?

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