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Serie

Hau mir a paar Ochsenaung in Pfanna

In unserer Dialektserie geht es wieder um einige echt bairische Ausdrücke.

„Zum Abendessen machst mir a paar Ochsenaugen.“Foto: dpa

Wer geng an Wind bieselt, der brunzt se o

Heute empfinden wir das Wort „brunzen“ für ‚Wasser lassen, urinieren‘ als ziemlich derb. Das war offenbar nicht immer so, bedeutet es ja ursprünglich nichts anderes als ‚ein Brünnlein fließen lassen“. Freunde von mir haben in Rumänien Erhebungen zu den bairischen Mundarten durchgeführt, die dort in manchen Regionen noch recht lebendig sind. Während der Aufnahmen bei einer bäuerlichen Familie in Wolfsberg (rumänisch Garâna) hatte die Exploratorin das Bedürfnis auszutreten und fragte nach der Toilette, nicht ahnend, dass man das Wort nicht kannte. In aller Unschuld erkundigte sich die Hausfrau bei der fremden Dame aus Deutschland: „Eppa sched brunzn?“ (‚etwa nur klein?‘). Hierzulande wäre es unmöglich, in einer solchen Situation das Wort „brunzen“ zu gebrauchen; es ist bei uns heute als derb und anstößig markiert und kann allenfalls humoristisch verwendet werden. Beim Kartenspielen nennt man den fünften Mann, der einspringt, wenn einer der Spieler einmal muss, den „Brunzkarter“ oder „Soach-, Soichkarter“. Kühe als Zugtiere vor einem Wagengespann hat man abfällig als „Zugscheitbrunzer“ bespöttelt. In seinem Buch „Tief in Bayern“ gibt R. W. B. McCormack eine Erfahrung wieder, die jeder kennt: „Wer geng an Wind bieselt, der brunzt se o.“ Der Herkunft nach ist „brunzen“ weit entfernt von jeglicher Peinlichkeit. Das Verb ist mittels „-etzen“ vom Wortstamm „Brunn“ abgeleitet: „brunnetzen“, verkürzt zu „brunzen“; (vgl. „ächzen, juchzen, seufzen, duzen, siezen“). Man empfindet es ja auch nicht als anstößig, wenn man ein kleines Kind auffordert, es solle „schön ein Brünnlein machen“.

De Johannisbierl han a no kiersauer

In der Chamer Gegend kennt man das Adjektiv „kersauer“. Dort sagt man etwa „De Johannisbierl han a no kiersauer“, also unangenehm sauer. Schmeller kommt dem Wortteil „kier-“ als „sich verkirnen, derkirnen“ in der Bedeutung ‚zum Husten reizen‘ (Band I, Spalte 1294) am nächsten. Die Beeren sind so sauer, dass man husten muss.

Die Frage stellte Hermann Weichs aus Cham

Wenn ihm ein Schmus gelänge, könnte er sich eine Kuh kaufen

Aus dem Jiddischen, der Sprache der europäischen Juden, stammen die Wörter „Schmu, Schmus, schmusen, Schmuser“. Zugrunde liegt der hebräische Plural „š(e)muot“, d. h. ‚Gerüchte‘. Ins Deutsche vermittelt wurden diese Wörter durch das Rotwelsche oder Jenische, einen großregionalen Händlerjargon. Unter „Schmu“ versteht man eine Unkorrektheit oder kleine Betrügerei, unlautere Vorteilsnahme. Kleinweis vom Haushaltsgeld Abgespartes, das Schwanzlgeld für private Bedürfnisse, nennt man „Schmugeld“; der Ehepartner darf davon nichts erfahren. Zum selben Wortstamm gehört „Schmus“ im Sinne von ‚einträgliches Geschäft, Handelschaft‘. Bei Ludwig Thoma liest man: „Wenn ihm noch ein Schmus gelänge, könnte er sich wohl eine Kuh kaufen.“ Eine Sonderbedeutung ist ‚Bestechungsgeschenk‘. In den Bedeutungen ‚Ausflucht, unwahre Geschichte‘ und ‚Schmeichelei‘ ist „Schmus“ allgemein verbreitet: „Bittschön, keinen Schmus!“ Hier schließt sich das Verb „schmusen“ an als Synonym für ‚schmeicheln, liebkosen, Zärtlichkeiten tauschen‘. Demnach kann also mit „Schmuser“ einerseits ein Mensch gemeint sein, der gern zärtlich ist. Da „schmusen“ andererseits aber auch ‚vermitteln, makeln‘ bedeutet, versteht man, dass es „Schmuser“ gibt (oder gab), die Immobilien, Ehepartner und Handelswaren vermitteln: „Häuser-, Grundstücks-, Heirats-, Hochzeits-, Hopfen-, Vieh-Schmuser“.

Eine Frage von Egon Steiner

Morgen muaß i Friah aufsteh

„Morgen“ kommt im Bairischen nur vor als Bezeichnung für den nächsten Tag sowie in der Grußformel „Guten Morgen“, wofür man „Guad Morng / Moang / Mong“ oder „Guad Moing“ hört. Der Tagesbeginn aber ist bei uns nicht der Morgen, sondern die „Früh“, ausgesprochen „Friah“, nordbairisch „Fräih“, oder (ohne Umlaut, eher ländlich: „Fruah“). Zum Substantiv „die Früh(e)“ gibt der Duden folgende Wendungen an: „in der Frühe, in aller Frühe, bis in die Frühe“ sowie „in aller Herrgottsfrühe“. Das ist einwandfreies Hochdeutsch und lässt sich auch in die Mundart transponieren, indem man das End-e weglässt und anstelle von schriftdeutsch „ü“ den entsprechenden Zwielaut „ia“ bzw. nordbairisch „äi“ setzt: „in da Friah, in olla Friah, bis in da Friah, in olla Herrgodsfriah“ (alternativ „Fruah“). Nur wer in der Schriftsprache denkt und dieser dann andeutungsweise eine mundartliche Lautung überstülpt, kommt auf Liedtexte wie „Is jeder Morng zum Aufsteh do?“ oder, wie es in einem Blues-Song von Schorsch Hampel heißt: „So wars neilich friah am Moing ...“. Richtig könnte es lauten: „Muaß ma olle Dog aufsteh in da Friah?“ und „So war’s neili ganz in da Friah.“

Die Frage kam von Sigrid Hausberger

Kröigst a goude Hawansuppn, derfst zu mir ins Bett neihupfn

Beim Lockern der Rinde von Weidenzweigen, um daraus ein Pfeiferl zu machen, früher „Felber-, Feller-Pfeifferl“ genannt, haben die Kinder Bastlöse-Verserl aufgesagt. Ein solches aus der Oberpfalz lautet: „Pfeiffal, Pfeiffal, gäih, / kröigst an goudn Kläi, / kröigst a goude Hawansuppn, / derfst zu mir ins Bett neihupfn.“ Der ‚gute Klee‘ wurde wohl Kühen oder Geißen versprochen, die „Howansuppn“ hingegen einem Menschen. Gemeint ist ein Gericht aus Hafermehl oder -flocken. Die Getreideart heißt im Oberdeutschen „Haber(n)“, ausgesprochen „Howan“. Hochsprachlich durchgesetzt hat sich „Hafer“, die niederdeutsche Variante von „Haber“, althochdeutsch „habaro“. Im Wort „Haberfeldtreiben“ für das früher praktizierte Femegericht steckt weder der „Haber“ noch das „Feld“. Der Delinquent wurde ins „Haberfell“ getrieben, das ist ein Bocksfell. Diese Art von bäuerlicher Volksjustiz zur Ahndung von Vergehen gegen Sitte und Brauch hielt sich zwischen Isar und Inn bis ins 19. Jahrhundert; an die Stelle des Bocksfells trat ein Hemd.

Das Verserl sandte Gisela Buchner aus Obertraubling ein

Ein Ochsenauge in da Pfanna

„Zum Abendessen machst mir a paar Ochsenaung“, wünscht sich der Hausherr. Und was tut seine Frau? Sie schlägt ein paar Eier in die Pfanne und brät sie. Für ‚Spiegeleier‘ ist bei uns der Ausdruck „Ochsenaugen“ recht geläufig. Es mag sein, dass die Bedeutungsübertragung nicht direkt erfolgt ist, sondern auf dem Umweg über die Troll- oder Sumpfdotterblume. Bevor sie voll erblüht sind, stimmt deren Form einigermaßen überein mit den Augen eines Ochsen: groß und kugelig rund. Es lag nahe, den Dotter von Spiegeleiern in der Pfanne mit der satt-gelben Wiesenblume zu vergleichen.

Die Anregung lieferte Wilfried Amann aus Schierling

Was ist eine Quadratratschen?

Eine schwatzhafte Person, die unerträglich viel redet, dabei ehrenrührige Gerüchte über ihre Mitmenschen verbreitet, nennen die Norddeutschen eine „Quasselstrippe“. In Bayern und Österreich kennt man dafür die Bezeichnungen „Ràtschkàthl“ und „Quàdràt-Ràtschen“, jeweils mit überhellen à-Lauten gesprochen. Die Grundbedeutung von „ràtschen“ ist ‚die Karfreitagsratsche drehen‘ und damit ein durchdringend schnarrendes Geräusch erzeugen. Im übertragenen Sinn heißt es so viel wie ‚schwatzen, tratschen, ausplaudern‘. „Kàthl“ ist einfach die Kurz- und Koseform zum Vornamen ‚Katharina‘. Mit „Quàdràt“ ist die Potenzierung gemeint, also quasi „Ràtschen hoch 2“: eine Person, die andere hochgradig übertrifft mit ihrem Geschwätz, zumal mit der Verbreitung von Gerüchten. Die hellen Vokale – 2-mal bzw. 3-mal „à“ – unterstützen klanglich die emotionale Bedeutungskomponente.

Frage von Christine Niedermaier

Brandmetzger, der Metzger ohne eigenen Betrieb

Ein Metzger ohne eigenen Betrieb, der seinen Beruf ambulant ausübt, indem er Hausschlachtungen durchführt, heißt „Hausmetzger“ oder „Brandmetzger“. Man fragt sich, woher das Bestimmungswort „Brand-“ kommt. Eine Erklärung ist, dass die Brandmetzger im 18. und 19. Jahrhundert obrigkeitliche Aufgaben zu erfüllen hatten, wenn Viehseuchen auftraten, insbesondere bei Lungenbrand; sie mussten das erkrankte Vieh an Ort und Stelle schlachten. Es gibt allerdings auch Sinn, „Brand“ im Sinn von ‚Notfall‘ zu verstehen (wie in „Brandbrief“).

Die Frage stellte Johann Berger

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