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Regensburg.

In Bayern ist noch alles in Butter

Warum es bei uns „der Butter, die Gaudi und das Teller“ heißt.

In Bayern ist Butter männlich – und „der Butter“ ist sprachhistorisch auch korrekter als „die Butter“. Foto: dpa

In Altbayern kommt „der Butter“ auf „das Teller“, in der Standardsprache hingegen ist „Butter“ weiblichen und „Teller“ männlichen Geschlechts. Also, sagen die Schulmeister und sonstige Gscheitmeier, liefert das Bairische wieder einmal fehlerhaftes Deutsch. Völlig daneben! Genau andersherum ist es: Eher fragwürdig ist das in der Hochsprache geltende grammatische Geschlecht dieser Wörter.

„Butter“ geht zurück auf altgriechisch „boutyron“, ins Lateinische entlehnt als „butyrum“. Wie die Endungen ausweisen, handelt es sich um Neutra, es liegt sächliches Geschlecht vor. In den aus dem Lateinischen entstandenen romanischen Sprachen sind alle Substantive entweder männlich oder weiblich; alte Neutra wurden zu Maskulina. Darum heißt es im Französischen „le beurre“, im Italienischen „il burro“ – entsprechend im Bairischen „der Butter“. Gestützt wurde das männliche Geschlecht durch „der Anken, der Schmer“, die alten Bezeichnungen für das aus Kuhmilch erzeugte Fett (althochdeutsch „kuo-smero“). Das weibliche Geschlecht, also standardsprachlich „die Butter“, erklärt sich so, dass das lateinische Wort in der Mehrzahlform „butira“ übernommen und deren Endung als Merkmal weiblicher Substantive aufgefasst wurde. Ähnliches geschah mit lateinisch „gaudium“ (Freude), dessen Plural „gaudia“ man als Femininum übernahm, was zu französisch „la joie“, italienisch „la gioia“ geführt hat – und auch zu bairisch „die Gaudi“.

„Der Radio“ spielt Musik

Dem deutschen Wort „Teller“ liegt altfranzösisch „tailleoir“ zugrunde, womit das Brett bezeichnet wurde, auf dem man die Speisen zerschnitt (frz. „tailler“). Um zu verdeutlichen, um was für ein Ding es sich handelt, hängte man im Deutschen das Wort „Brett“ an: „tailleoir-brett“. Von „das Brett“ stammt das sächliche Geschlecht, das sich im Bairischen erhalten hat, auch nachdem das Wort auf „Teller“ verkürzt worden war.

Bei „Radio“ ist das grammatische Geschlecht ebenfalls bestimmt durch das ehemalige Grundwort: Auf „Radio-Apparat“ basiert „der Radio“, das im Bairischen gängige männliche Genus, auf „Radio-Gerät“ aber „das Radio“, wie in der Schriftsprache üblich. Wenn es im Bairischen „der Kartoffel“ heißt, so findet sich das Geschlecht der älteren Bezeichnung „Erdapfel“ auf das neue Wort übertragen. (Übrigens ist „Erdapfel“ in unseren Mundarten noch lebendig). Weniger einsichtig ist, warum wir „der Zwiefel“ sagen statt „die Zwiebel“.

Wie erklärt sich, dass man statt „die Marmelade, Limonade“ in Altbayern „das Marmelad, das Limonad“ usw. sagt? Zu den Merkmalen der süddeutschen Mundarten gehört das Verschwinden von unbetontem „e“. Demnach wird „-ade“ zu „-ad“ oder „-at“, und dieser Wortausgang legt nahe, dass es sich um kein Femininum handelt (vgl. Format, Fabrikat, Spagat).

Das Geschlecht kann schwanken

Auch die Kurzform „Limo“ ist sächlich, und wenn es „das Limo“ heißt, dann auch „das Cola, Fanta, Sprite“ usw. Ähnlich ist es bei „das Panat, der Petersil (Peterl)“ – gegenüber „die Panade, die Petersilie“.

Einen solchen Umsprung des Geschlechts aufgrund des Wortausgangs entdeckt man in der Hochsprache bei „Salat“: im Deutschen männlich trotz Herkunft aus italienisch „(in)salata“, weiblich.

Dutzende weiterer Hauptwörter könnte man anführen, bei denen das grammatische Geschlecht schwankt. Wir jedenfalls bleiben dabei: Wir haben „eine Gaudi“, steigen in „das Taxi“ – und lassen uns „die Schneid“ nicht abkaufen.

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