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In die Pfütze nur mit „Gummizischpn“

Zum Monatsende gibt es wieder Wissenswertes rund um den Dialekt. Ludwig Zehetner erklärt unter anderem, was es mit dem Wort „fei“ auf sich hat.

In Regensburg kennt man das Wort „Gummizischpn“ für Gummistiefel.
In Regensburg kennt man das Wort „Gummizischpn“ für Gummistiefel. Foto: dpa

Der raamt aaf mit dem Gschwerl

Eine Gruppe von Menschen, mit denen man lieber nichts zu tun haben möchte, wird abfällig als „Gesindel“ bezeichnet, als „Pack, Lumpenpack“, als „Bagage (Bàgàsch)“, im Dialekt auch als „Gschwerl“. In einem Liedtext von Konstantin Wecker heißt es: „Sonst samma ja alle kreizguate Kerl. / Doch heit jagn mas zum Deife, des Ausländergschwerl.“ In dieselbe Richtung geht ein Satz von Toni Lauerer: „Den komma wähln, der raamt aaf mit dem Gschwerl.“

Die Herleitung des Wortes ist nicht eindeutig geklärt. Manche glauben, es hänge mit „schwirren“ zusammen, wobei die Vorstellung von fliegendem Ungeziefer, Fliegen, Mücken und dergleichen eine Rolle spielt („Schwarm“ von Bienen, Insekten). Doch passt der Vokal „e“ nicht, und außerdem ist dIn die Pfütze nur mit „Gummizischpn“as Verb „schwirren“ deIn die Pfütze nur mit „Gummizischpn“m Bairischen fremd.

Die Suche nach anderen Möglichkeiten führt zu mittelhochdeutsch „sweher“, neuhochdeutsch „Schwäher“, der veralteten Bezeichnung für ‚Schwiegervater‘. Dazu entstand das Kollektivum „geswehere“ mit der Bedeutung ‚angeheiratete Verwandtschaft‘. Gleich anderen Wortbildungen mit „Ge- … -e“ ist es Neutrum (z. B. „das Gebirge, Gelände“ zu „Berg, Land“). Das zusätzliche „-l“ geht parallel mit „Gesindel“, was von „Gesinde“ kommt.

So lässt sich als Urform „Geschweherl“ ansetzen, was nach Kürzungen zum uns geläufigen Wort „Gschwerl“ wurde. Es erscheint durchaus nachvollziehbar, dass damit ursprünglich ganz neutral die Verwandtschaft gemeint war und erst allmählich eine Bedeutungsverschlechterung erfolgte – wie es auch der Fall ist bei den Synonymen „Gesindel“ und „Sippschaft“. (Diese Frage stellte Ruth Königsberger.)

Schaug, dass di schwingst, Haderlump, hatscherter!

„Haderlump“ ist eine verdeutlichende Wortbildung, eine Tautologie; denn „Hader“ bedeutet annähernd dasselbe wie „Lump(en)“, nämlich: ‚Stofffetzen, Lumpen‘. Papier von besonders edler Qualität ist „hadernhaltig“, d. h. bei der Herstellung werden nicht nur Holz und Altpapier verarbeitet, sondern auch Stoffreste und Lumpen. Was in anderen Gegenden Deutschlands als „Scheuertuch, Putzlappen, Feudel“ bezeichnet wird, heißt bei uns „Hadern“. Es gibt den „Putzhadern (Buzhodan)“ und den „Spülhadern (Schbui-, Schbäi-, Schbiahodan)“. Der Duden hingegen verzeichnet „der Hader“, und nur die Mehrzahl sei „Hadern“. Das ist nicht ganz korrekt; im Bairischen endet das Wort unweigerlich auf „-n“.

Der „Haderlump“ steht ebenfalls im Duden und wird richtig erklärt. Zu kurz greift allerdings die regionale Zuordnung „österreichisch“. In Wirklichkeit handelt es sich um ein gesamtbairisches Wort, das in Bayern und in Österreich verbreitet ist. Ein „Haderlump“ ist ein liederlicher Mensch, ein Taugenichts, ein Betrüger, ein Bazi, ein verkommenes Subjekt. Auszugehen ist wahrscheinlich von der ehemaligen Bedeutung ‚Kerl, der in Hadern, Lumpen gekleidet ist‘.

„Mit den Worten ‚Schaug, dass di schwingst, Haderlump, hatscherter!‘ hat man 1902 bei der bayerischen SPD einen unbelehrbaren Sozialdarwinisten rausgeworfen,“ berichtet Thomas Grasberger in seinem 2012 erschienenen Buch „Grant. Der Blues des Südens“. Ehrenwert hingegen ist der berufsmäßige „Haderlumper, -lumperer“; er sammelt Hadern und andere Rohmaterialien, kauft sie auf. „Kam ein Haderlumper ins Dorf, so wurden ihm die angesammelten Lumpen für einen Pfennigbetrag verkauft“, liest man in den Kindheits-erinnerungen von Hans Niedermayer, und bei Eugen Oker: „Flaschen hat man gesammelt und zum Haderlumper gebracht.“ (Diese Frage stellte Ruth Königsberger.)

„Ned! Du host ja koane Gummizischpm o.“

Die Einsenderin schildert folgende Begebenheit: Auf dem Stuttgarter Wochenmarkt wollte ihre kleine Tochter in eine „Dreeg-Lacka datschn“, und sie rief ihr zu: „Etz pass doch aaf, du host ja koane Gummiszischpn oo.“ Eine Marktfrau bemerkte: „Gell, Sie san aus Rengschburg – weil nur dort kennt ma Gummiszischpen.“ Im Gespräch stellte sich heraus, dass sie selbst aus Regensburg stammte und sich vor Jahrzehnten ein Geschäft im Schwäbischen aufgebaut hatte. Es stimmt: Die Bezeichnung „Zispen“ (ausgesprochen „Zischbm“ oder „Tschischbm“) für ‚Stiefel mit langem Schaft‘, speziell ‚Gummistiefel‘ kennt man nur in bestimmten Regionen Altbayerns, vor allem in Ostbayern. In Regensburg ist das Wort gang und gäbe. Laut Schmellers Wörterbuch handelt es sich um eine Entlehnung aus dem Ungarischen. In Band II, Spalte 1158 findet sich der Eintrag: „Zischmen, (ungar.) Halbstiefeln, die im Schaft zwei Nähte haben“. Es könnte aber auch zusammenhängen mit dem ebenfalls dort erwähnten veralteten bairischen Verb „zispen,
zaspen“ mit der Bedeutung ‚mit den Füßen schleifen‘. Diese Anregung lieferte Bärbel Bauer, geb. Karl)

So ist es halt. Kimm fei beizeiten!

„Man muss die Dinge halt nehmen, wie sie sind“ – durchaus ein hochsprachlicher Satz, mit dem Wörtchen „halt“ anstelle von ‚eben, ja, freilich‘ oder einer ähnlichen Abtönungspartikel. Mit „halt“ kommt einerseits Resignation, Ergebenheit ins Unvermeidliche zum Ausdruck: „Mein Zug geht erst in einer Stunde, muss ich halt warten. Da kann man halt nichts machen. So ist es halt.“ Andererseits kann die Partikel widerwillige Zustimmung, Bekräftigung oder Aufforderung signalisieren: „Dann lass es halt bleiben. Das heiß ich halt durchgreifen, Respekt! Komm halt endlich! Dann setz dich halt hin, in Gottsnam!“ Auf eine Warum-Frage kann die ausweichende und nichtssagende Antwort „Halt auch“ kommen. „Warum hast na so vui gsuffa?“ - „Mei, hoid àà.“ Mit „halt so“ ist gemeint: ‚irgendwie, ohne besonderes Ziel‘, etwa in einer Aussage wie: „Dann sind wir zum Fenster hinausgestiegen, halt so.“ Die Partikel „halt“ steht in keinem Zusammenhang mit dem Verb „halten“. Im Althochdeutschen tritt „halt“ um 800 auf als endungsloser Komparativ zum Adverb „halto“ (= ‚bald, rasch‘), dem Vertreter eines germanischen Wortstammes mit der Bedeutung ‚geneigt, schief‘ (vgl. „Halde“). Vom Süden des deutschen Sprachraums aus hat sich das Wort in den vergangenen Jahrzehnten nach Norden hin ausgebreitet. Es sei erwiesen, stand im März 1996 in der „Süddeutschen Zeitung“, dass oberdeutsch „halt“ mittlerweile große Teile des niederdeutschen Raumes erobert habe; dies sei so etwas wie die Rache des Südens für das aus dem Norden eingewanderte „Tschüs“.

Ausschließlich in Bayern heimisch ist „fei“. Dieser im Gespräch sehr häufig gebrauchten Abtönungspartikel liegt das Adverb „fein“ zugrunde, dessen Bedeutung völlig verblasst ist. „Pass fei auf! Reißts euch fei zsamm! Des hat mi fei wirklich gfreut. Kimm fei beizeitn hoam. Dass dir fei ja nix auskimmt.“ Über die einfachen Menschen des Dorfes Bodering heißt es in dem Roman „Gottesdiener“ von Petra Morsbach: „Sie sterben mit Anstand. Wenn sie’s nicht mehr packen, bleiben sie zu Hause. Sie rufen beim Arbeitgeber an und sagen: ‚Du, i kimm jetzt fei nimmer‘.“ Unendlich breit ist die Verwendungsmöglichkeit. Die Hochsprache kennt kein unmittelbares Pendant. Bei der Aktion „Mein liebstes bayerisches Wort“, 2004 vom Bayerischen Rundfunk in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesverein für Heimatpflege veranstaltet, wurde „fei“ zum Sieger gekürt.

Diese Anregung lieferte Bärbel Bauer, geb. Karl)

Noch mehr Bayerisch mit dem Dialektpapst Prof. Dr. Ludwig Zehetner gibt es in unserem Podcast „Basst scho!“.

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