MyMz

Lieber Milchscheckl als Pusteblume

Was ist richtig: „die Kirta“ oder „der Kirta“?

Jetzt hat wieder die Zeit begonnen, in der verschiedenerorts Kirchweih begangen wird, in großen Teilen Altbayerns „Kirta, Kiada“ genannt, mundartlich für „Kirchtag“ (sogenannte Klammerform aus „Kirch-weih-tag“). Weil das Grundwort „Tag“ vorliegt, muss es „der Kirta“ heißen; nur das männliche Geschlecht ist korrekt. Trotzdem liest man immer wieder „die Kirta“. Das ist schlichtweg falsch.

1868 wurde das ländliche Fest mit Markt, Vergnügungsangebot und Tanzmusik festgelegt auf den 3. Sonntag im Oktober. Da es unabhängig von örtlich variierenden Kirchweih-Terminen ist, nennt man es „Allerweltskirta“. Üblicherweise gibt es am Montag einen „Nachkirta“. Allgemein verbreitet ist die Meinung, es sei angebracht, mehrere Tage lang zu feiern und zu zechen: „A gscheida Kiada / geht bis zum Iada, / und ko se aa schicka / no bis am Micka“ – d. h. am Sonntag, Montag, Dienstag und sogar noch in den Mittwoch hinein. Von beschränkterem Ausmaß ist dagegen der „Bauernkirta“ oder der „kleine Kirta“, der vor oder nach dem „Allerweltskirta“ begangen wird, an jedem Ort, bei verschiedenen Wirten zu einem anderen Termin.

Diese Klarstellung wünschte sich Bernhard Lauerer aus Laaber.

Woher kommt das Wort Goggolori?

Der „Goggolori“ ist zuerst einmal eine zwischen Bodensee und Berchtesgaden bekannte Sagengestalt, eine Art „Schrazl“. 1935 veröffentlichte Otto Reuther einen Roman über den Kobold Goggolore aus der Gegend um den Ammersee. Ein koboldartiges Wesen dieses Namens tritt auf in Carl Orffs Bühnenstück „Astutuli“ (entstanden 1947-49). Auf ein Libretto von Michael Ende komponierte Wilfried Hiller die Oper „Der Goggolori“ (1985). Seit Jahren gibt es die Zeitschrift „Goggolori“, herausgegeben von der Kommission für Mundartforschung bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München. Einen Goggolori nennt man einen unberechenbaren, sprunghaften, lustigen, nicht recht ernst zu nehmenden, gutmütigen Kerl; er ist ein Hanswurst, Hansdampf. Das Wort, gegebenenfalls in der Variante „Goggolores“ oder „Kokolores“, bedeutet auch ‚Unfug‘. Wenn der Opa seinen Enkel zu einem Schabernack anleitet, dann kann der Alte zu hören bekommen: „Großvatter, ees werds aa nimma gscheit. Wia ko ma denn auf seine altn Dog no so an Gogolore macha!“ Das Wort geht zurück auf althochdeutsch „goculâri, gouggilâri“ und mittelhochdeutsch „gugelære, gougelære“ (woraus „Gaukler“ wurde). Die oben erwähnte Sagengestalt könnte im Zusammenhang stehen mit dem gallischen Schutzgott „Genius cucullatus“, dargestellt mit einer „cuculla“, mittellateinisch für ‚Kapuze, Narrenkappe‘ (vgl. „Gugel, Gugelhupf, Gugelmänner“). Auf Umwegen könnte aber auch lateinisch „ioculari“ (scherzen, schäkern) oder „ioculator“ (Spaßmacher) zu unserem Wort geführt haben. Jedenfalls ist der Goggolori ein Mensch, der närrische Possen treibt.

Diese Auskunft wünschte sich Renate Stadler aus Lappersdorf.

Worin unterscheiden sich Egerländisch und Oberpfälzisch?

Unter „Nordgau“ versteht man heute die Oberpfalz; ehedem umfasste dieser Begriff aber ein viel größeres Gebiet und schloss das Egerland ein, wo ebenfalls ein nordbairischer Dialekt gesprochen wurde, der leider zusehends verklingt. Eine klare Grenzziehung zwischen den deutschen Mundarten im Egerland und denen im Sechsämter- und Stiftland ist nicht möglich. So sah es auch Dr. Hermann Braun (geb. 1909, vor wenigen Jahren verstorben), der mit seinem „Großen Wörterbuch der Mundarten des Sechsämter-, Stift- und Egerlandes“ ein Standardwerk schuf. Erfasst werden das südliche Vogtland (Markneukirchen, Adorf), Asch, das Sechsämterland (Wunsiedel, Marktredwitz, Selb, Bischofsgrün), das Stiftland (Waldsassen, Tirschenreuth, Mähring, Bärnau) sowie das Egerland. Im Wortschatz zeigen sich freilich kleinregionale Unterschiede, so etwa egerländisch „Fleischhacker, Klemperer, Auszug“ gegenüber „Metzger, Spangler, Flaschner, Ausding, Ausnahm“ in den anderen Regionen. Hinsichtlich der Lautung herrscht relative Einheitlichkeit. Charakteristisch ist zum einen die Erhaltung des Konsonanten „l“ nach Vokal („koold, Huulz“ für ‚kalt, Holz‘), ferner sind es die sog. „gestürzten Diphthonge“, also „äi, öi; ou, åu“, z. B. „Bou, Schou, Schnoua“ (anstelle von „Bua, Schua, Schnua“ im übrigen bairischen Sprachraum) und die Diphthongierung von lang „e, o, ä, ö“. Beispiele: „Kian, Schliagl, Huaf, Huasn,“ (Kette, Schlegel, Hof, Hose). Braun führt einen Spottvers an über die abführende Wirkung des Bieres der Brauerei Spröter in Eger: „Drinkst Böia van Spräitn, / brauchst ban Scheißn niad näitn.“ Kennzeichnend ist „niat“ für ‚nicht‘, ebenso „diats“ für ‚ihr‘ (2. Plural), die Verkleinerung mit „-ala“ sowie die Aussprache „ch“ (auch „gh“ geschrieben) für in- und auslautendes „g“, z. B. „Egher“. Je weiter man in der Oberpfalz nach Süden geht, desto mehr verdünnen sich diese Befunde, bis sie schließlich (grob betrachtet) an der Donau enden. In der nördlichen Oberpfalz, bis etwa Weiden hinunter, kann sich ein gebürtiger Egerländer, der die Sprache seiner Kindheit und Jugendjahre noch beherrscht, durchaus heimisch fühlen.

Um diese Auskunft ersuchte Heinz Rehorik aus Regensburg.

Löwenzahn oder Milchscheckl – aber nicht Pusteblume!

„Puste, pusten“, artikuliert mit behauchtem hartem „p“ und langem „u“, sind im Bereich des Bairischen als störende „Unwörter“ anzuprangern. „Pusten“ schiebt sich zusehends an die Stelle von „blasen“, und „Puste“ verdrängt „Atem, Luft, Schnaufer(er)“. „Aus der Puste kommen“? Nein, die Luft, der Schnaufer(er) geht einem aus, man derschnauft’s nimmer. „Pustekuchen“ als ablehnende Floskel? Nein, es heißt: ‚Daraus wird nichts. Schlag dir das aus dem Kopf. Gerade das Gegenteil trifft zu‘, kurz „Pfiifkaas“ oder „Ja, Schnecken!“ Weil man die Samenkugeln des Löwenzahns so lustig weg-„pusten“ kann, bezeichnen die Kinder ihn als „Pusteblume“ – neuerdings leider auch bei uns. Dabei gibt es so viele volkstümliche Namen dafür, die oft Bezug nehmen auf den milchigen Saft, der aus allen Teilen der Pflanze quillt. Mit dem Erstglied „Milch“ (mundartlich „Mui(ch), Mäi(ch), Müüch, Milli“ usw.) gebildet sind „Milch-distel, -scheck, -schock, -scheckl, -schàckl, -stöck, -blecka“. In bestimmten Gebieten kennt man Lautformen von „Kuhblume, Saublume (Kuahbloama, Saubleami)“. Auf die in der Volksmedizin bekannte harntreibende Wirkung verweisen schwäbisch „Bettsoichr, Soichbloama“ und fränkisch „Brunsbluma“.

Gefragt hatte Heidi Hetz, Regensburg.

Na packmas halt, in Gottsnam dreißge!

Dass die Redensart „in Gottsnam dreißge“ in etwa dasselbe zum Ausdruck bringt wie ‚wenn es unbedingt sein muss‘, steht außer Zweifel. Schwieriger gestaltet sich eine Antwort auf die Frage, woher sie kommt. Vielleicht besteht ein Zusammenhang mit dem „Dreißigst“. Damit wird nicht nur ein Zeitraum von 30 Tagen bezeichnet, sondern insbesondere der 30. Tag nach der Beerdigung eines Verstorbenen, an welchem man noch einmal einen Seelengottesdienst hielt. Könnte es sein, dass mit dem Wort „dreißge“ in der Redensart ein verstümmeltes „Dreißigst“ vorliegt, im Sinne von ‚endgültig, schließlich, endlich‘?

Gefragt hat Ulrich Schwarz, Pentling.

Noch mehr Bayerisch mit dem Dialektpapst Prof. Dr. Ludwig Zehetner gibt es in unserem Podcast „Basst scho!“.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht