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Mitm Bulldog geht’s wieder hoam

Zum Monatsende gibt es Wissenswertes von Ludwig Zehetner über den Dialekt. Diesmal geht es um Schimpfwörter und Traktoren.

Der Bulldog der Firma Lanz wurde so populär, dass sich der Markenname bis heute als volkstümliche Bezeichnung für Schlepper erhalten hat.
Der Bulldog der Firma Lanz wurde so populär, dass sich der Markenname bis heute als volkstümliche Bezeichnung für Schlepper erhalten hat. Fotograf: dpa

Du bist mirso a Doldi!

Wahrhaftig gut bestückt ist das Bairische mit Ausdrücken für einen Menschen, auf den eine oder mehrere der folgenden Eigenschaften zutreffen: langweilig, einfältig, unzuverlässig, ungeschickt, willensschwach, nicht ganz ernst zu nehmen, dümmlich, beschränkt. Ein solcher kann nicht nur abqualifiziert werden als Dummkopf, Trottel, Lahmarsch oder Dödel (nicht bairisch!); gängig sind auch Laff, Lapp, Jammerlappen, Waschlappen, Loadschwanz, Himperling, Lalli, Didl, Didldapp, Hopperl, Hopperdirl, Lattirl, Lätschenbeni, Lätschengori, Doldi/
Doidde.

Die schlaffe Weichheit eines Waschlappens legt die Übertragung auf einen Menschen nahe. Durchsichtig ist auch Loadschwanz (Leidschwanz); als solchen bezeichnet man einen antriebslosen Mann, einen Versager. Wer gern jammert, ist ein Jammerlappen. Didl ist eine alte mundartliche Kurzform des Vornamens Ägidius (Egid). Wahrscheinlich liegt Didl auch dem Wortausgang von Hopperdirl und Lattirl zugrunde. Die einfachen Wörter Hopperl und Lapp würden bereits ausreichen, erst recht dann die gedoppelten Wortbildungen: Hopper und Didl, Lapp und Didl.

Auch andere Namen finden Verwendung als abfällige Bezeichnungen, so etwa Hiasl, Girgl, Sepperl, Xaverl, Xari. Kürzungen der Vornamen Benedikt und Gregor(ius) tauchen auf in Lätschenbeni, Lätschengori.

Ein Simàndl ist ein Pantoffelheld, der unter der Fuchtel seiner Ehefrau steht. Volkstümlich erklärt man sich das Wort als „Mànndl (Männchen), den eine Sie (eine Frau) beherrscht.“ Das klingt recht eingängig, trifft aber nicht zu. Simàndl ist eine alte Koseform von Simon. Das zwischen n und l eingeschobene d ist ein sogenannter Sprosskonsonant, der sich automatisch einstellt (man denke an Hendl, Dirndl, Birndl, Pfànndl, Mànndl, Schweindl – Verkleinerungsformen zu Henne, Dirn, Birne, Pfanne, Mann, Schwein).

Nicht einwandfrei lässt sich die Herkunft von Doldi (südlich der Donau: Doidde) bestimmen. Es könnte von Dolde hergeleitet sein, was nicht nur ein Blütenbüschel oder einen hängenden Fruchtstand bezeichnet, sondern früher auch eine Quaste, die locker baumelt. Norddeutsch heißt eine solche Troddel. Ist es abwegig anzunehmen, dass das Wort Trottel damit in Zusammenhang steht?

Die Frage zu Doldi stellte Edda Preißl.

Kreim-Bombm-Element! Kreiz-Birnbàm-Hollerstauan!

Das Bairische ist bekannt für seine Fülle von markigen Unmutsäußerungen, Flüchen und Kraftausdrücken. Eine bedeutende Rolle spielen dabei Begriffe aus dem religiösen Bereich: Herrgott, Kreuz, Kruzifix, Sakrament. Um blasphemisches Fluchen zu vermeiden, hat man sich zahlreiche lautliche Spielarten einfallen lassen, Kürzungen und Verhüllungen. Gotteslästerlichkeit wird umgangen durch minimale lautliche Verfremdung, wie zum Beispiel Hàggod, Kruzefux, Kruzement. Erst recht gilt dies für Herrschaftseitn (-zeitn), Hermannseitn, Kruzitürken, Kruzinale (-naln), Kruzifünferl und so weiter.

Geradezu genial ist die Hüllform Sàcklzement. Beim Adjektiv sàckrisch denkt kaum noch jemand an Sakrament, noch weniger bei mentisch – erst recht nicht, wenn es sich zu elementisch verwandelt hat. Element kann als geschickte Vermeidung des Worts Sakrament gelten. Raffiniert ist der Ersatz von Kreuz (Greiz) durch Kreim (Greim), das mundartliche Wort für die Kreide. Zusätzliche Wucht verleiht die Ergänzung durch Bombe(n): Kreim-Bombm-Element!

Eine Ablenkung kann auch geschehen durch die Nennung von Birnbaum und Hollerstaude: Kreiz-Birnbàm-Hollerstauan! Warum ausgerechnet diese beiden Gewächse genannt werden, bleibt rätselhaft. Jedenfalls kann man den Erfindungsreichtum unserer Landsleute nur bewundern. Und es ist sehr bedauerlich, dass sich das Schimpfwortregister der jüngeren Generation geradezu ärmlich ausnimmt im Vergleich zur Überlieferung – wahrhaftig ein Kulturverlust.

Eine Frage von Gisela Buchner

Dialekt Bairisch – Hätten Sie’s gewusst?

Er fahrt’s mit seim Gick hoam.

Ein zweirädriger, gummibereifter Handkarren, den man ans Fahrrad oder Moped anhängen kann, um kleinere Lasten zu befördern, heißt bei uns Gick. Woher kommt das Wort? Es handelt sich um eine Entlehnung aus dem Englischen, ebenso wie etliche andere, die längst vor der heute oft beklagten Anglizismen-Flut bei uns heimisch geworden sind. Die mundartnahe Umgangssprache gleicht Fremdwörter meist so sehr ans eigene Lautsystem an, dass die Aussprache deutlich von der in der Herkunftssprache geltenden abweicht.

Englische Muttersprachler nehmen staunend zur Kenntnis, wie man ihre Wörter club, gig, bulldog, deren b beziehungsweise g stimmhaft ist, in Bayern ausspricht, nämlich: Glup, Gick, Bulldock. Unter gig versteht man im Englischen eine zweirädrige leichte Einspänner-Kutsche. Die deutsche Landmaschinenfabrik Lanz (nachmals: John Deere) brachte 1921 unter dem Namen Bulldog eine Zugmaschine mit Einzylindermotor auf den Markt, die bis 1952 produziert wurde. Für Schlepper, Traktor oder norddeutsch Trecker ist als volkstümliche Bezeichnung hierzulande heute noch Bulldog geläufig – ausgesprochen Bulldock.

Ebenfalls vor vielen Jahrzehnten ins Deutsche übernommen wurden die englischen Wörter baby, cakes, curry, hobby, jeep, penalty, Manchester sowie Namen von Kleidungsstücken, zum Beispiel sweater, covercoat, cut, havelock, raglan, breeches, knickerbockers [nick-…], pumps (die auf -s endenden sind Mehrzahlformen, ebenso tacks). Die Wörter wurden phonetisch eingedeutscht (beziehungsweise eingebaiert) als Bebi (Bewi), Keks (Käcks), Körri (Keari), Hoppi, Tschipp, Penálty (Strafstoß beim Eishockey), Mantschéster (Cordstoff; die letzten beiden mit veränderter Betonung), Zwetter, Kowakott, Kött/Kett, Hawalock, Bretsches(hosn), Knickerbocker [kn-…], Pöms / Pems, Däx (kleiner Stahlnagel).

Die Anregung stammt von Alfred Stadlbauer.

Kummst wieder mit dem oidn Gsoad daher.

Mit dieser unwirschen Abfuhr ist in etwa gemeint: „Du wiederholst ständig die gleiche Leier, sagst immer wieder dasselbe.“ Das Dialektwort Gsoad ist auf den ersten Blick nicht so leicht durchschaubar. Wenn man aber weiß, dass hochsprachlich Getreide, mundartlich Droad (nordbairisch: Droid), auf mittelhochdeutsch getregede, getragede zurückgeht und von tragen abgleitet ist (das von den Ähren Getragene, der Ertrag), erkennt man, dass
Gsoad mit sagen zusammenhängt.

Analog zur Etymologie von Getreide lässt sich altdeutsch gesagede ansetzen: was gesagt wird, das Gerede. Die Lautgruppe age verschmolz zu ai, und diesem entspricht im Bairischen oa (nordbairisch: oi). Übrigens gibt es auch die gleichbedeutende Form Soad (ohne die Vorsilbe g(e)-).

Die Frage kam von Lothar Clevers.

Alle Teile unserer Dialekt-Serie finden Sie hier.

Noch mehr Bayerisch mit dem Dialektpapst Prof. Dr. Ludwig Zehetner gibt es in unserem Podcast „Basst scho!“.

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