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Dialekt-Serie

Ob dem Starzer der Sterz schmeckt?

Leser fragen, Dialektforscher Ludwig Zehetner antwortet: Diesmal zu mundartlichen Redensarten und einigen abfälligen Bemerkungen.

Ein solcher Transporter hat keinen Starz und braucht keinen Starzer. Foto: dpa

Aufpassen wie ein Haftelmacher

Zwei Redensarten, in denen das Wort „Haftel“ (mit hellem à) vorkommt, sind allgemein geläufig. Gerät ein Mann unter die Fuchtel einer sehr dominanten besseren Hälfte, so befinden die Freunde: „Die hod eahm d’Haftln ganz schee einighaut“. Ebenso verbreitet ist „aufpassen wie ein Haftelmacher“. Was sind „Hafteln“? „Hafteln“ heißen die kleinen spitzen Holzstifte, mit denen der Schuster die Schuhsohle anheftet, bevor er sie mit Eisennägeln aufnagelt. Der Ausdruck „jemandem die Hafteln hineinhauen“ besagt demnach nichts anderes als ‚jemanden festnageln‘, insbesondere trotz Widerstand zu einer festen Beziehung, zur Heirat zwingen.‘ „Hàfteln“ sind aber auch die kleinen ineinander greifenden Häkchen und Ösen aus Metalldraht, die zum Zusammenhalten von Kleidungsstücken, etwa Mieder, dienen (heute oft ersetzt durch Reißverschlüsse). Der Duden führt „das Heftel“ an in der Bedeutung ‚Häkchen, Spange‘. Die Arbeit des Handwerkers, der Hafteln herstellte, erforderte offenbar so große Aufmerksamkeit, dass die Redensart entstand: „aufpassen, Obacht geben wie ein Haftlmacher“, d. h. sehr exakt und mit äußerster Konzen-tration arbeiten.

- Die Frage stellte Marion Aigner

A hoalouser Drack muss nicht plattert sein

Viele meinen, das mundartliche Eigenschaftswort „hoalous“ sei die Aussprache von ‚haarlos‘. Lautlich wäre dies zwar möglich; inhaltlich jedoch erweist sich diese Erklärung als verfehlt. Wenn ein hinterhältiger, gerissener, böser Kerl als „hoalouser Drack“ bezeichnet wird, oder eine liederliche Weibsperson in der Oberpfalz als „hoalous’s Louda“, obwohl die so Geschmähten volles Haar besitzen, dann kommen berechtigte Zweifel auf an der vorschnellen Herleitung. Erst recht macht es stutzig, dass auch Gegenstände und Waren „hoalous“ sein können. Man ärgert sich über den neu erstandenen Staubsauger und schimpft: „A recht a hoalous’s Glump is’s!“, und der Marktfrau wird zugerufen: „Deine hoalousn Solod-Haipl werd dir neamt mehr o-kàffa.“ Beklagt man etwa, dass ein Haushaltsgerät oder Kopfsalat „haarlos“ sei? Keineswegs, denn das Dialektwort „hoalous“ kommt von ‚heil-los‘, wobei „heil“ in der Bedeutung ‚unversehrt, einwandfrei‘ auftritt. Lautgesetzlich hat sich altes „ei“ im Altbayerischen zu „oa“ entwickelt. Wie ‚eins, zwei, klein, daheim, ich weiß, heiß’ mundartlich zu „oans, zwoa, gloa, dahoam, i woaß, hoaß“ geworden sind, so auch ‚heilen‘ zu „hoaln“. Diese Lautung hört man nur mehr ganz selten. Im Eigenschaftswort „hoalous“ jedoch ist sie erhalten.

- Die Frage erreichte uns über Facebook

„Die Bertl, die hat so ihre Lizn“

Eigenheiten, Marotten, Grillen, Launen, üble Angewohnheiten, Tücken bezeichnet der Dialekt als „Mucken“ oder „Lizn“. „Die Bertl“, heißt es, „die hat so ihre Lizn“, d. h. sie ist launisch und unberechenbar. Althochdeutsch „liz“ bedeutete in erster Linie ‚Gelüst, Verlangen‘; es liegt nicht fern, dass man einer Person, die ständig wechselnde Bedürfnisse anmeldet, diese als „Lizn (Litzen)“ ankreidet.

Diese Frage kam über Facebook

Der Sterz auf dem Teller und der Starz beim Fuhrwerk

Mit „Sterz“ kann mehrerlei gemeint sein. Zum einen heißt so der Strunk von Wirsing (Wirsching), Weiß- oder Blaukraut. Ferner gibt es den „Pflugsterz“. Bei Langholzfuhrwerken mit lenkbarer Hinterachse braucht man einen Mann, der diese mittels „Starzbaum“ oder „-prügel“ lenkt; das ist der „Starzer“. Sowohl bei „Sterz“ als auch bei „Starz-“ liegt die Herkunft vom germanischen Wortstamm „stert“ (Schwanz) nahe. Nicht nachvollziehbar ist dies für „Sterz“ als Bezeichnung für eine Speise. Hier gehen die Meinungen auseinander. Die einen verstehen darunter ein aus Maismehl, Grieß, Kartoffeln oder aufgeweichten Brotresten zubereitetes Gericht, das in Fett gebacken oder in Wasser gekocht wird; wenn man die Masse dann zerstößt, erhält man eine Art Schmarren. Andere meinen mit „Sterz“ ein Püree, etwa Kartoffelbrei, also jedenfalls etwas von breiig-flüssiger Konsistenz. Nur solches kann gemeint sein, wenn es im Roman „Die Wallfahrer“ von Carl Amery von einem schlampigen Mönch heißt: „Der Pater trenzt zu den Proben von Sterz, Eigelb und Biersuppe hinzu, die sich schon auf seiner Kutte finden“. Schließlich nennt man auch den dickflüssigen Futterbrei für Schweine „Sterz“.

- Erläuterungen erbat Annemarie Winklhofer aus Nittenau

„Bomeislhaar“ – was mag das sein?

Ob es anerkennend oder eher abschätzig gemeint ist, wenn die Frisur einer Dame als „Bomeislhaar“ bezeichnet wird, kann nicht eindeutig entschieden werden, ohne die Haartracht in Augenschein zu nehmen. Auf jeden Fall liegt ein Vergleich mit Binsen vor. Diese heißen im Bairischen „Bimaissen, Bimessen, Bimsen, Bimpsen“; die Lautvariante „Bomeisl“ liegt nicht fern. Von „Binse“, althochdeutsch „pinuz“, können diese Wörter schwerlich kommen. Johann Andreas Schmeller stellt in seinem Wörterbuch Überlegungen an, woher diese eigenwillige Wortbildung stammen könnte: „Sollte man diese Sumpfpflanze von dem technischen Umstande benannt haben, daß sie zur Streu für Menschen und Vieh und zu anderen Zwecken abgehauen, ‚gemaißen‘ wird?“ (Band I, Spalte 241). Das bairische Verb „maißen, moassn“ bedeutet ‚hauen, abschneiden, roden‘. Verwandt damit ist die Bezeichnung „Meißel“ für ein scharfschneidiges Werkzeug. Ortsnamen wie „Bodenmais, Bischofsmais“ verweisen darauf, dass es sich um Ansiedlungen handelt, die an Plätzen entstanden, wo Wald gerodet wurde.

- Angefragt hat Petra F. Seitzer aus Regensburg

Der Ausdruck „Màtz“ kommt von „Mathild“

Eine böse, heimtückische weibliche Person ist eine „Màtz“. Wird eine Frau als solche bezeichnet, so ist dies eindeutig beleidigend und ehrenrührig; denn ursprünglich war damit ‚Dirne, Hure‘ gemeint. Dabei ist das Wort nichts anderes als eine Kurz- und Koseform auf „-z“ zu „Mathild(e)“, ebenso wie hochsprachlich „Metze“ zu „Mechthild“. (Man vergleiche „Fritz, Heinz, Lutz, Götz“ zu „Fried(rich), Hein(rich), Lud(wig), Gott(fried) usw.) Auch andere häufige Vornamen finden ja Verwendung als abschätzige Bezeichnungen, so etwa „dumme Durl, Ursch, Urschl, Gretl, Zenz, Hiasl, Xare und andere (zu Dorothea, Ursula, Margarete, Kreszentia, Matthias, Xaver). Weil „Matz“ auf einen weiblichen Vornamen zurückgeht, ist das grammatische Geschlecht immer weiblich, auch wenn ein Mann so apostrophiert wird. Über einen gewieften, raffinierten Menschen, weiblich oder männlich, kann man allerdings auch anerkennend hören: „A Màtz is’s scho!“ oder „A Màtz is a scho!“. Dabei herrscht die gleiche Bedeutungsspanne wie bei „Hund“: entweder beleidigende Herabsetzung oder Lob. Nur im negativen Sinn gebraucht werden Komposita wie „Dreckmàtz, Schindermàtz“ usw., wohl auch „Miesmàtz“ oder „-màtzl“.

- Die Frage erreichte uns über Facebook

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