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Pfenningguad, pumperlgsund, brinnrot

Auch im Bairischen haben Eigenschaftswörtereine verdeutlichendeVerstärkung.

Die Hunderasse Pudel taucht im Bairischen in „pudelnackert“ und „pudelwohl“ auf.Foto: dpa

„Eiskalt, zuckersüß, wachsweich, steinhart, grasgrün oder haushoch“: Eigenschaftswörter dieser Art sind im Deutschen häufig. Zur Verdeutlichung des Sinns dient ein Vergleich. Bei anderen verstärkenden Wortbildungen wie „giftgrün, heilfroh, putzmunter“ liegt die Beziehung nicht so klar auf der Hand. Über die Hochsprache hinaus kennt das Bairische eine Menge solcher Adjektive mit verstärkendem Erstglied. Eindeutig sind die Vergleiche bei „windelweich, prügelhart, brettl-eben, zaun-, zaunlatten-dürr, steckerlgrad, pappsüß“. „Pfeilgrad“ wird nicht nur gebraucht für ‚in völlig gerader Linie (wie ein Pfeil fliegt)‘, sondern überwiegend als Adverb im Sinne von ‚wirklich, tatsächlich‘ oder ‚unvermittelt, überraschenderweise‘: „Jaja, dich wenn wir nicht hätten und an Löffel, nachher müsst’n wir d’Suppn pfeilgrad mit dö Händ fressen“ (Oskar Maria Graf).

Nicht sofort erfasst man, warum es „papperlgrün (kitschig grün), gackerlgelb, gruserlgelb“ heißt. „Gackerl“ ist ein Mundartwort für ‚Hühnerei‘, mit „Gruserl“ sind Küken, Singerl gemeint, die ja ein gelbes Federkleid haben. Bei „brinnrot“ tritt die Farbe bildhaft in Erscheinung: ‚brennend rot‘ (zum bairischen Verb „brinnen“). „Seichnass, pritschnass“ ist jemand oder etwas, das vor Nässe trieft. Das Gegenteil, „blousndrucka (bloßentrocken)“, dürfte aus „brosemtrucken“ (trocken wie Brotsamen) entstanden sein (Dissimilation „bl-tr“ statt „br-tr“)

Ein kerngesunder und lebensfroher Mensch ist „pumperlgsund“. Das Wort „Pumperl“ meint eigentlich ein lustiges, sinnenfreudiges Mädchen. Statt ‚wohlgenährt‘ sagt man „zeckerl-fett, -feist (foast)“.

Trotz Eurowährung hält sich der Ausdruck „pfenninggut“ – ‚einwandfrei, gut brauchbar, wenngleich benutzt‘. Als „pfeningguad“ empfiehlt der Verkäufer ein zwar leicht angerostetes, aber funktionstüchtiges Fahrrad, und der Mann protestiert dagegen, dass die Frau seinen Mantel zur Altkleidersammlung geben will: „Der is no pfenningguad, den duast ned wegga.“ (Die hochsprachliche Form lautet „Pfennig“, umgangssprachlich aber endet das Wort auf „-ing“).

Als die Bedeutung verstärkende Erstglieder von Adjektiven verbreitet sind „sau-, hunds-“, so etwa in „sau-, -wohl, -kalt, hunds-elend, -elendig, -miserabel, -miserablig“. Ein Mensch kann als „saudumm“ bezeichnet werden; stärker abqualifizierend klingt „brunzdumm“ (‚ganz besonders beschränkt und unwissend‘). Intensivierung erfolgt auch mittels „stern-, sturz-, stock-“ im Sinne von ‚ganz und gar, durch und durch‘, so etwa in: „sternvoll Dreck“ (über und über schmutzig), „sternvoll, sternhagelbesoffen, stock-, sturzbesoffen“. Allgemein verbreitet sind „stink-beleidigt, -vornehm, -reich“ und „stinksauer“ (stark verärgert). Ferner gibt es „stink-fad, -grantig, -besoffen“. Geläufiger als „stink-“ ist allerdings „stock-“, z. B. in: „stock-sauer, -besoffen, -nüchtern, -taub, -dàmisch, -nàrrisch, -verruckt, -verliebt“. Allgemein üblich sind „stocknacht, stockfinster“. Im Gegensatz zum Präfixoid „Bluts-“, das bei Substantiven negativ konnotiert ist („Bluads-arbeit, -hitz, -sauerei“ usw.), wirkt das Erstglied „blut-“ bei Eigenschaftswörtern positiv verstärkend: „blutjung, -sauber“ (jugendfrisch, hübsch wie Milch und Blut). Als Ausruf des Erstaunens oder der Verärgerung tritt der gemäßigte Fluch „bluadsaubere Màri“ auf.

Man fragt sich, wie es dazu kommt, dass der Pudel auftaucht in „pudelnackert, pudelwohl“. Ersteres erklärt sich daraus, dass Pudelhunde regelmäßig geschoren werden. Weil sich Pudel im nassen Element wohl fühlen, „pudelwohl“ eben, hat man sie zur Wasserjagd abgerichtet. Auch „pudelnass“ und „pudelnàrrisch“ erklären sich daraus. Die Hunderasse ist übrigens so benannt wegen ihrer Vorliebe fürs Wasser; das niederdeutsche Verb „pudeln“ bedeutet ‚im Wasser plätschern‘, daher „Pudelhund“, gekürzt zu „Pudel“. Als besonders stur und starrköpfig gilt der Geißbock; daher „bockstàrrig, bockbeinig (boogboani)“, auch auf Materialien bezogen: „Bei Kälte wird das Leder bockstàrrig“.

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