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So kommt die Wachtel in den Spinat

Zum Monatsende gibt es wieder Wissenswertes über den Dialekt mit Professor Zehetner. Diesmal geht es um allerlei Tiernamen.
Von Professor Dr. Ludwig Zehetner

  • „Du alte Spinatwachtel!“ Dieses nicht ganz ernst gemeinte Foto einer solchen stammt von Günter Wittmann aus Neuburg an der Donau.
  • Professor Ludwig Zehetner erklärt wieder Ausdrücke aus dem bairischen Dialekt. Foto: MZ-Archiv

Was macht die Wachtel im Spinat?

Die böse Männerwelt hat eine Vielzahl von Tiernamen umfunktioniert zu Bezeichnungen für die holde Weiblichkeit. Eher schmeichelhaft klingen „Spatz, Spatzi, Spàtzerl, Spozerl; süße Maus, Mausi, Mauserl“ oder „Hàsi, Hàserl“. Man kennt das „Skihàserl“ und das „Betthàserl“. Wenig Intelligenz bescheinigt man einer Frau, die als „Schaf“ oder „blöde Kuh“ apostrophiert wird. „Geiß (Goaß)“ ist zwiespältig, kann anerkennend oder abfällig gemeint sein. Eindeutig beleidigend sind „Zuchtl, Nasch, Lous“, mundartlich für das Mutterschwein; impliziert sind die Eigenschaften dick, schlampig, verwahrlost, moralisch verwerflich. Vogelnamen als abfällige Bezeichnungen für weibliche Personen gibt es etliche, so etwa „dumme Gans, blöde Henne“. Ein „Gànserl“ ist ein einfältiges, unerfahrenes Mädchen; ein schüchternes Mauerblümchen wird als „Singerl“ (junges Huhn) bezeichnet. Abfällig klingt die Titulierung als „Mistamsel“. Prostituierte nennt man „Schwalben, Schnepfen“ (Bordsteinschwalben; Schnepfenstrich) – wenngleich kaum in Bayern. Eine hässliche, verschrobene, wunderliche ältere Frau bezeichnen wir als „Spinatwachtel“. Der Vogelname ist klar. Aber was hat die Wachtel mit Spinat zu tun? Es darf angenommen werden, dass „Spinatwachtel“ aus „spinnerte Wachtel“ entstanden ist.

Die Frage kam von Manfred Langer

Ein verflixter Malefitzer!

„Der Malefitzpracker! Etz is a ma o-broocha,“ schimpft die Hausfrau beim Stöbern (wofür man in Norddeutschland Großreinemachen sagt). Pràcker ist vor allem in Österreich die übliche Bezeichnung für den Teppichklopfer; auch ein Fliegenklatscher kann so heißen. Das Verb „pràcken“ bedeutet: a) schlagen, klopfen; b) stürzen, hinfallen; c) einüben, exerzieren. „Pràcker, pràcken“ kennt man außer in Österreich auch im östlichen Bayern.

„Malefiz-, malefitz-“ ist ein umgangssprachlich recht häufiges Erstglied (Präfixoid) in Wortbildungen wie Malefitzarbeit, -glump, -bub, -kerl, -dirndl, -màdl, -moidl. Ein Malefitzer ist ein verfluchter Kerl, ein durchtriebener Lump, über den man sich ärgert. Es kann aber auch Anerkennung zum Ausdruck bringen, wie das ja ebenso bei Hund, Hundling, Màtz der Fall ist. Das Adjektiv „malefitzisch“ bedeutet: bösartig, hinterlistig. Unter „Malefiz“ verstand man früher Verbrechen. Das Wort ist eine Entlehnung aus dem Lateinischen: maleficium (Missetat). Ein Übeltäter, ein Verbrecher kann als Malefikant bezeichnet werden.

Die Frage stellte Margarete Reisinger aus Neunburg vorm Wald

Schmankerl kommt von Schmand

„Du alte Spinatwachtel!“ Dieses nicht ganz ernst gemeinte Foto einer solchen stammt von Günter Wittmann aus Neuburg an der Donau.
„Du alte Spinatwachtel!“ Dieses nicht ganz ernst gemeinte Foto einer solchen stammt von Günter Wittmann aus Neuburg an der Donau.

Das bairische Dialektwort Schmankerl hat längst Aufnahme in den Duden gefunden, und zwar mit der Bedeutungsangabe: süße Mehlspeise, Leckerbissen. In den etymologischen Wörterbüchern der deutschen Sprache findet man durchwegs: Herkunft unklar. Diesen Befund gilt es zu revidieren. In seinem Bayerischen Wörterbuch (2. Auflage von 1877, Band II, Spalte 552) weist Johann Andreas Schmeller den Weg. Dort steht: „Das Schmänkelein (Schmànka-l): was vom Brey oder Muß ans Geschirr anbrät, Kruste“ und es folgt der Verweis auf „Schmand“ (Rahm, dicke Milch). Die heute kaum noch bekannte Grundbedeutung ist also: in der Rein angelegte süß-fettige Kruste (etwa von Dampfnudeln). Von „Schmand“ auf „Schmànkerl“ kommt man durch folgende Überlegung. Wir haben es mit einer sogenannten Gutturalisierung zu tun, das heißt, die Lautgruppe „nd, nt“ wandelt sich zu „ng, nk“. Dies liegt vor, wenn aus „schlinden“ (vergleiche Schlund) hochsprachlich „schlingen“ (schlucken) geworden ist, ebenso im Dialekt, wo man für „geschwind“ die Aussprache „gschwink“ hört. Die Bezeichnung „Mànkei“ für das Murmeltier geht zurück auf „murmente“, aus spätlateinisch „mur(em) mont(is)“ (Bergmaus; Akkusativ). Gutturalisierung weisen auch die mundartlichen Formen „gwinga, gwunga“ (gewinnen, gewonnen) auf. Diese Lautentwicklung hat aus anzusetzendem „Schmäntelein“ das uns bekannte „Schmànkerl“ werden lassen. Hinsichtlich der Bedeutung trat eine Erweiterung ein; das Wort wird synonym für „Leckerbissen, Delikatesse“ gebraucht. Gasthäuser bieten als Nachspeise „süße Schmankerln“ an, man liest von einem „musikalischen Schmankerl“. Mit dem Titel „Schmankerl“ erschien eine Zeitschrift für bairisch-österreichische Mundartliteratur, herausgegeben von Friedl Brehm (verstorben 1983). Es wäre an der Zeit, dass die Bemerkung „Herkunft unbekannt“ endlich aus den Wörterbüchern verschwindet.

Eine Frage von Franz Mittermaier

Nottanàri gàngad’s scho wieda!

Man hat ein altes, abgetragenes Kleidungsstück vor sich und überlegt, ob es in die Altkleidersammlung gegeben werden soll. Da mischt sich die Oma ein und meint: „Nottanàri gàngad’s scho wieda.“

Das Wort „nottanàri“ erscheint auf den ersten Blick als völlig undurchschaubares Adverb der Zeit. Hier eine abenteuerliche Lösung, die sich eröffnet, wenn man bedenkt, was die Oma im Sinn hat. Sie schlägt vor, das Stück zum Umarbeiten zu geben, so dass es wieder tragbar ist. Der Wortteil „-nàri“ stellt eine extreme lautliche Vereinfachung von „Nàhderin“ dar; die Näherin kann im Dialekt als „Nahterin (Nodarin)“ oder „Nähterin (Nàdarin)“ bezeichnet werden. Die Endung „-in“ schrumpft zusammen auf „-i“ oder „-e“ (wie etwa bei „Frau Bade“ für die Taufpatin). Die ersten beiden Silben des kuriosen Ausdrucks – „notta“ – stellen die verschliffene Aussprache von „nach der“ dar. Die Oma meint also: Nach einer Umarbeitung durch die Näherin könnte das alte Kleidungsstück durchaus wieder verwendet werden: „Nottanàri gàngad’s scho wieda.“

Das Wort hat Anna Braun aus Postbauer-Heng geliefert

A Gickerl, a Ginkerl oder a Binkerl

Ein zu Wutanfällen neigender Mensch, zumal ein Kind, das zu Zornesausbrüchen neigt, wird als „Zorngickerl, Zornginkerl, Zornbinkerl“ bezeichnet. Der „Gickerl“, das ist natürlich der Gockel, der Hahn, bekannt für seine Aggressivität. „Ginkerl, Gànkerl, Fànkerl“ sind Bezeichnungen für den Teufel oder für ein allzu lebhaftes Kind. Die Wörter treten auf in Zusammensetzungen wie „Springginkerl, Spàdi-, Spàri-, Spirifànkerl“. Mit „Binkerl“ kann ein leicht aufbrausender kleiner Kerl gemeint sein. Das Gürteltäschchen, das Wanderer, Bergsteiger und Skifahrer bei sich tragen, heißt ebenfalls „Binkerl“ oder „Wimmerl“. Beide Wörter stehen auch für die Beule, die sich nach einem Insektenstrich oder Stoß bildet. Ohne Verkleinerungsendung steht „Binken“ für: a) knorriger Ast, verwachsenes Stück Holz; b) ungehobeltes, geschertes Mannsbild, Làckel.

Die Wörter lieferte Walter Umkehrer

Alle Teile unserer Dialekt-Serie finden Sie hier.

Noch mehr Bayerisch mit dem Dialektpapst Prof. Dr. Ludwig Zehetner gibt es in unserem Podcast „Basst scho!“.

Dialekt Bairisch – Hätten Sie’s gewusst?

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