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War scho wieder alles fia d’Katz?

Ludwig Zehetner beantwortet Dialekt-Fragen der Leser. Diesmal geht es um die Hemauerstraße, die gar nicht nach Hemau führt.

In Deutschland leben 11,8 Millionen Katzen. Auch in der Sprache findet sich die Katze in vielerlei Ausdrücken und Redensarten.
In Deutschland leben 11,8 Millionen Katzen. Auch in der Sprache findet sich die Katze in vielerlei Ausdrücken und Redensarten. Foto: dpa

Ist wieder alles für die Katz gewesen.

Unter der Überschrift „In jedem fünften Haushalt miaut es“ stand am 5. August 2015 in der MZ ein Artikel über die Katze als Haustier. Darin erfährt man, dass sich bereits vor mehr als 4000 Jahren die alten Ägypter Katzen hielten, und dass derzeit in Deutschland 11,8 Millionen Katzen leben, jedoch nur 6,9 Millionen Hunde. Ist es da verwunderlich, dass die „Katz(e)“ in unserer Sprache mit zahlreichen Ausdrücken vertreten ist? Allgemein bekannt sind die Katzenwäsche, der Katzentisch und das Katz-und-Maus-Spiel. Der Ackerschachtelhalm heißt auch Katzenschwanz. Unter Katzengeschrei (Katzngschroa) versteht man ein mit Bratenresten gefülltes Omelett. Feine Schokoladentäfelchen werden als Katzenzungen verkauft. Katzengold ist eine andere Bezeichnung für Pyrit. Ein Mineral und die Rückstrahler an Fahrzeugen heißen Katzenauge. Es gibt das Katzenkopfpflaster und die Katzenmusik. Als falsche Katz bezeichnet man einen unaufrichtigen Menschen. Wer sich dem Chef gegenüber recht unterwürfig verhält, der katzbuckelt. Man sagt, das Freibad liege nur einen Katzensprung von der Wohnung entfernt. Ein vergebliches Unterfangen, ein erfolgloser Versuch wird kommentiert, es sei alles für die Katz gewesen – oder mundartlich fia d’Katz, fia Katz. Die Wendung rührt daher, dass man der Katze hinwarf, was man selbst nicht essen wollte, also wertlose Reste. Über Geschmäcker lässt sich streiten, und man hört: „Mei, des is Gschmackssach. D’Katz frisst d’Mäus, und i mog’s ned.“ Nicht mit der Katze in Verbindung steht der Katzelmacher, eine ehedem gängige abfällige Bezeichnung für Italiener. Dieses Wort wurde geprägt für wandernde italienische Handwerker, die Küchengeräte herstellten, unter anderem cazze (venezianisch: hölzerne Schöpfkellen). Davon leitet sich das bairische Wort Gàtzerl her, womit eine Schöpfkelle bezeichnet wird oder ein kleines Gefäß, das unterm Fasshahn steht und das nachtropfende Bier auffängt.

Eine Frage von Chr. Zrenner aus Neumarkt

Bouss ned a-so umanander!

Das Verb boßen, ausgesprochen boussn, ist allen, die den bairischen Dialekt beherrscht, recht geläufig in der Bedeutung: pochen, klopfen, poltern, hämmern, pumpern. Das Wort ist belegt seit mehr als 1000 Jahren; im Althochdeutschen hieß es bôzen. Dem Wortstamm boz-/boss- entspricht im Englischen beat (schlagen; Takt) – genauso wie deutsch groß und englisch great. Die Schriftsprache kennt kein Verb boßen; der Wortstamm ist jedoch vertreten in Amboss. Der massive eiserne Block, auf welchem ein Werkstück geschmiedet wird, hieß im Althochdeutschen anabôz (worauf geschlagen, geklopft, gehämmert wird).

In der Sagensammlung von Emmi Böck liest man von einem Gespenst im Haus, und dort „hat es immer so absonderlich geboßt und gepoltert“. Wer lärmt und stampfend herumtobt, wird ermahnt: „Bouss ned a-so umanander!“ Wenn die Kinder polternd durch die Wohnung trapsen, ärgern sich die darunter Wohnenden über das ständige Boussn über ihnen. Man hört die Anweisung: „Wennst eini wuist, muasst fest am Tor boussn.“ Von einem besonders dummen und begriffsstutzigen Menschen sagt man: „Der is so blöd, dass er barfuß im Heustock bousst“, also mit bloßen Füßen auf dem weichen Heu Lärm macht. Weil der Schritt schwerer Stiefel erhebliches Geräusch erzeugt, können diese als Bousser bezeichnet werden. Boussn dient ebenfalls als eines der zahlreichen Hüllwörter für geschlechtlich verkehren. Als bei einem Vaterschaftsprozess der Angeklagte gefragt wurde, ob er mit der Klägerin Verkehr gehabt habe, versteht er die Frage nicht. Da er auch andere Formulierungen nicht kapiert, bittet der Richter den Vater, seinem Sohn zu erklären, was er meine. „Bou“, sagt der Vater, „er wüll wissn, obst d’Resi bousst host.“ Drauf der Sohn: „Und wäi, Voda!“ – womit der Fall geklärt war. Eindeutig ehrenrührig ist es, wenn ein Mann als Lousnbousser verunglimpft wird, weil im eigentlichen Wortsinn unterstellt wird, dass er mit einer Sau zu verkehren pflegt.

Die Frage stellte Elly Caspers.

Die Hemauerstraße führt gar nicht nach Hemau.

Wenn einheimische Bewohner von Hemau den Namen ihrer Stadt auf der zweiten Silbe betonen, so ist das absolut korrekt. Dies gilt auch für andere Ortsnamen auf -au: Grafenau, Frauenau, Finsterau. Bei Hemau liegt ein verzwickter Fall vor. Die ältesten Belege des Namens lauten nämlich Hembur, Hemburen, Hembaur, Hembawer (12. bis 14. Jahrhundert), wobei Hem auf eine Person namens Hem(m)o verweist und bur einen Wohnsitz bezeichnet. Über Hemmaewr, Hemaewn (1331, 1362) kam die Schreibung Hemaw (1472) zustande, und schließlich Hemmau, Hemau (seit 1561 beziehungsweise 1796). Damit hat sich der Name eingereiht in die Liste derer auf -au und wird entsprechend betont.

Die Hemauerstraße in Regensburg ist nicht nach der Stadt Hemau benannt (sie führt ja auch nicht dorthin), sondern nach dem Kanoniker Johann Nepomuk Hemauer (1799-1872), dem wegen seines sozialen Engagements 1871 die Ehrenbürgerwürde der Stadt verliehen wurde. Familiennamen tragen die Betonung normalerweise auf der ersten Silbe, also Hémauer.

Die Frage wurde eingesandt von Alexander Daminger.

Eitz host scho wieder an Pflean auf da Hosn.

Der Einsender erinnert sich an das Wort Pflean für einen störenden großen Fleck. Seine Mutter tadelte ihn, wenn ihm Suppe oder Soße auf die Kleidung getropft ist und er sie damit verunreinigt hatte: „Eitz host scho wieda an Pflean dro, und i mous-n aussawaschn.“ Beim Streichen oder Malern fällt gelegentlich ein Pflean (dicker Farbtropfen) auf den Boden, und es wird gewarnt: „Bàss àf, dàssd ned einidatschst!“ Auch die Kühe auf der Weide hinterlassen große Pflean. Und der Autofahrer ärgert sich, wenn er morgens feststellt, dass auf der Windschutzscheibe ein Mords-Pflean klebt, den wohl eine Amsel dort hinterlassen hat.

Es gibt zahlreiche Wörter mit dem Anlaut Pfl-, die alle einen großen, unförmigen und störenden Fleck bezeichnen, so etwa Pflatschen, was literarisch belegt ist bei Carl Amery: „An ihrem Rock ist Blut, ein großer Pflatschen.“ Im Duden findet man „Pflatsch, Pflatschen: Fleck durch verschüttete Flüssigkeit; pflatschen: klatschend aufschlagen“. Ein breites Blatt, zum Beispiel von Rhabarber, Huflattich oder Rüben, heißt Pflätschen. Auch das Verb pfledern (laut schmetternd furzen) gehört hierher. Bei dem Wort Pflean handelt es sich um eine regionale mundartliche Variante zu den genannten Ausdrücken.

Die Frage wurde eingesandt von Hans Reichhart.

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Noch mehr Bayerisch mit dem Dialektpapst Prof. Dr. Ludwig Zehetner gibt es in unserem Podcast „Basst scho!“.

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