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Naturdenkmäler

Eine löwenstarke Leistung

Die heutige B16 bei Bad Abbach lag einst an der Postroute Augsburg-Prag: Die Straßenverbreiterung war wegen der Felssprengungen 1794 eine Sensation.
Von Tanja Rexhepaj, MZ

Die Löwen stehen seit 1978 wieder an ihrer ursprünglichen Stelle am Teufelsfelsen.Foto: Gabi Schönberger

Bad Abbach.18.000 Kubikmeter Erdmassen versanken Ende der 1970er Jahre an der Löwenwand bei Bad Abbach in der Donau. Der Verkehr auf der B16 war damals mit mehr als 9000 Fahrzeugen in 24 Stunden eine zu große Belastung für die nur 6,50 Meter breite und zudem nicht frostsichere Straße bei Bad Abbach geworden. Bei den Bauarbeiten stießen die Baggerschaufeln auf steinerne Zeugen einer fast 200 Jahre älteren Straßenverbreiterung: Die aus Ihrlersteiner Grünsandstein gehauenen Köpfe zweier gewaltiger Löwen konnten geborgen werden. Sie waren 1794 am Ufer der Donau aufgestellt worden, um eine ingenieurtechnische Meisterleistung der damaligen Zeit zu würdigen – den Straßenausbau durch Sprengungen am Teufelsfelsen und am Abbacher Felsen, der seither Löwenfelsen genannt wird.

Die Sage um die Teufelskanzel

Fast senkrecht ragen die Kalksteinwände neben der B16 nach oben. Hier, wo die Löwen stehen, und ein paar hundert Meter weiter, am sogenannten Teufelsfelsen, wurden Ende des 18. Jahrhunderts Sprengungen durchgeführt, um mit den gewonnenen Felsmassen den Straßendamm aufzuschütten. „Vor den Sprengungsarbeiten Ende des 18. Jahrhunderts bekrönte diesen Felsen eine Spitze, die im Volksmund Teufelskanzel genannt wurde“, sagt Werner Sturm. Er hat sich im Heimatverein Bad Abbach dem Thema „Löwendenkmal und Teufelsfelsen“ angenommen und darüber ein kleines Büchlein veröffentlicht. Werner Sturm kennt auch die Sage, die sich um den Teufelsfelsen rankt: Die Bewohner des Donautals erzählten sich, dass der Teufel in Mönchstracht von dort oben herunter predigte, um die Menschen von ihrem Glauben abzubringen. Die frommen Leute aber erkannten den Teufel und hörten nicht auf ihn. In seiner Wut stampfte der Teufel gewaltig auf den Boden. Das soll dem Felsen seine charakteristische Ausformung gegeben haben.

Drei Zentner Schwarzpulver

Die Teufelskanzel fiel am 23. August 1792 einer Sprengung mit drei Zentner Schwarzpulver zum Opfer. Die Sprengung war für die damalige Zeit ein Großereignis, zu dem eigens Zuschauer eingeladen waren; so auch der „Erbprinz von Thurn und Taxis Durchlaucht mit Hofcavaliers, sehr viele kurfürstliche Beamte von hießiger Refier, der Titl. Herrn Praelatens von Prifening mit mehreren seiner Conventualn“, wie es in Aufzeichnungen nachzulesen ist. Die Sprengungsarbeiten wurden nämlich genauestens protokolliert: 269 Wochenberichte sind im Hauptstaatsarchiv in München erhalten geblieben.

Für sein Büchlein hat Sturm Archivmaterial aus ganz Bayern gesammelt. Er weiß aber auch Dinge, die in keinem Archiv zu finden sind. „Lange nach Ende des Zweiten Weltkriegs sind am Löwenfelsen immer wieder Amerikaner angetroffen worden“, sagt er. „Für die war das damals hier auch eine dramatische Geschichte.“ Werner Sturm meint damit den Grund, warum die beiden 1794 errichteten Löwen überhaupt im Erdreich verschwanden. Um den Vormarsch der Amerikaner zu stoppen, sprengten die Deutschen die beiden Löwen. Sie wollten damit eine Straßensperre errichten. Verteidigen sollten die Stelle diejenigen, die im April 1945 noch übrig geblieben waren: 15- bis 17-jährige Jungen aus Bad Abbach und Umgebung.

Aufhalten konnten sie die Amerikaner allerdings nicht: Viele mussten für diese sinnlose Aktion ihr Leben lassen. „For heaven’s sake, a milk face“, sollen die Amerikaner gesagt haben, als sie entdeckten, wer sich ihnen da in den Weg gestellt hatte. Freilich zu spät.

Die zerstörten Löwen gerieten in der Nachkriegszeit erst einmal in Vergessenheit. Und mit ihnen die ganze Geschichte um die Straßenverbreiterung Ende des 18. Jahrhunderts. Nötig geworden war diese damals schlicht wegen Unpassierbarkeit bei Überflutung und Eisgang. „In den Jahren 1784, 1786 und 1789 gab es sehr strenge Winter“, berichtet Werner Sturm. Mächtige Eisbrocken blockierten die Straße unterhalb der Felswände.

Die von Fuhrleuten gerne genutzte Donaustraße und vor allem die Postroute von Augsburg über Regensburg nach Prag waren damit blockiert. Ausweichmöglichkeiten gab es nur über steile Höhenwege. Deshalb beschloss die bayerische Staatsregierung den Ausbau der Straße mittels Sprengungen an den Abbacher Felsen.

Fachleute kamen aus Reichenhall

Zu einer Zeit, als es noch kein Dynamit gab, war das ein unerhört kühnes Unternehmen. Es wurden eigens Fachleute aus Reichenhall und 40 Soldaten einer Füsilier-Kompanie zu den Arbeiten abgestellt. Die Sprengkraft war so groß, dass „ein derley Mineneffect, wie dießer gewesen, weder bey allen Felsensprengungen in ganz Teutschland jemalen gesehen worden ist“, heißt es in den damaligen Aufzeichnungen. Deshalb bekam der Hofbildhauer Franz Josef Muxel aus München nach Abschluss aller Arbeiten den Auftrag, ein Denkmal zu Ehren des Kurfürsten Karl Theodor zu errichten.

Die jeweils 15.500 Kilogramm schweren Löwen wurden mit einem Spezialfahrzeug mit 30 vorgespannten Pferden nach Bad Abbach gebracht. 200 Jahre später, nachdem die wiedergefundenen Köpfe durch den Leiter der Dombauhütte, Richard Triebe, um ihre Hinterteile ergänzt worden waren, war immerhin noch ein Spezialkran nötig, um die steinernen Tiere auf ihre drei Meter hohen Podeste zu hieven. Seit 1978 sind sie dort wieder in ihrer vollen Pracht zu bewundern.

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