MyMz

Kirche

Ettal will Missbrauchsstudie vorstellen

Zwei Tage, nachdem die Bischöfe ihre Studie zum Missbrauch in der katholischen Kirche auf Eis legen, kündigt die Benediktinerabtei Ettal eigene Ergebnisse an.

Im Gegensatz zu den deutschen Bischöfen will die oberbayerische Benediktinerabtei Ettal ihre Studie zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals hinter Klostermauern schon bald vorstellen. Foto: Andreas Gebert/dpa

Ettal. Im Gegensatz zu den deutschen Bischöfen will die oberbayerische Benediktinerabtei Ettal ihre Studie zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals hinter Klostermauern schon bald vorstellen. Das Papier stehe kurz vor seiner Veröffentlichung, teilten Kloster, Verein der Ettaler Misshandlungs- und Missbrauchsopfer sowie das Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung mit. Im Internat waren Schüler jahrzehntelang von Ordensgeistlichen sexuell missbraucht und misshandelt worden. Vor zwei Jahren wurden die Fälle bekannt.

„Sobald die Ergebnisse Ende März vorliegen, werden diese der Öffentlichkeit vorgestellt“, heißt es nun in der Mitteilung. „Dies war kein einfacher Weg, aber wir haben erkannt, dass nur die konsequente Aufarbeitung auch den Opfern gerecht wird“, sagte Abt Barnabas Bögle zu der Studie. Das IPP hatte den Auftrag, die Missbrauchsfälle im Kloster wissenschaftlich zu untersuchen.

Opfer und Kloster tauschten sich intensiv aus

Grundlage für die wissenschaftliche Aufarbeitung war unter anderem ein Bericht von Ex-Bundesverfassungsrichter Hans-Joachim Jentsch. Darüber hinaus habe das IPP anhand der vom Kloster zur Verfügung gestellten Unterlagen und zahlreicher Interviews mit Schülern, Angehörigen und Patres eine wissenschaftliche Analyse verfasst.

Opferverein und Kloster hätten sich in einem intensiven Dialog bemüht, aufeinander zuzugehen und einen Ausgleich zwischen Opfern und Kloster herbeizuführen, heißt es weiter. Neben einer Mediation wurden der Mitteilung zufolge inzwischen 700.000 Euro an 70 Betroffene gezahlt.

Die Aufarbeitung lief reibungslos

Nach Angaben von IPP-Geschäftsführer Florian Straus waren der Zugang zu Quellen und der Umgang mit den Ergebnissen ohne Konflikte möglich. Der Vorsitzende des Opfervereins, Robert Köhler, erklärte: „Wir konnten das Kloster im Rahmen der Gespräche davon überzeugen, dass nur Offenheit die uns wichtige Glaubwürdigkeit bewirkt.“

Die deutschen Bischöfe hatten hingegen am Mittwoch ihre Studie zu Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche im Streit mit dem Hannoveraner Kriminologen Christian Pfeiffer vorerst gestoppt. Der Direktor des mit der Aufarbeitung ursprünglich beauftragten Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) wirft der Kirche Vernichtung von Missbrauchsakten und Zensur vor.

Nach Bekanntwerden des Missbrauchsskandals in Kloster Ettal war Abt Bögle vom Münchner Erzbischof Reinhard Marx zum Amtsverzicht gedrängt worden. Er durfte die Klosterleitung aber nach einer päpstlichen Untersuchung wieder übernehmen. (dpa)

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht