MyMz

Gedenken an Wiesn-Attentat

Zum Jahrestag des Oktoberfest-Anschlags im Jahr 1980 warnen Redner in München vor rechtem Gedankengut – und fordern, die Ermittlungen wieder aufzunehmen.

  • Münchens Wirtschaftsreferent und OB-Kandidat Dieter Reiter (SPD) nahm am Donnerstag an einer Gedenkveranstaltung an das Wiesn-Attentat vom 26.09.1980 teil. Foto: dpa
  • Detailaufnahme des Mahnmals, mit dem an das Oktoberfest-Attentat vom 26.09.1980 am Eingang zur Theresienwiese in München erinnert wird: Bei dem Bombenanschlag waren zwölf Menschen ums Leben gekommen. Foto: dpa
  • Ein Kranz erinnert an das Oktoberfest-Attentat vom 26.09.1980. Bei dem Bombenanschlag waren zwölf Menschen ums Leben gekommen. Foto: dpa

München. Zum Jahrestag des Oktoberfest-Attentats von 1980 haben bei einer Gedenkveranstaltung Redner vor der Gefahr rechter Gewaltakte gewarnt. Zugleich erneuerten sie die Forderung nach einer Wiederaufnahme der Ermittlungen. „Wir warten weiter darauf, dass endlich alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, die Wahrheit über das Oktoberfest-Attentat vor 33 Jahren herauszufinden“, sagte der Sozialpsychologe Heiner Keupp am Donnerstag am Mahnmal am Haupteingang des Oktoberfestes. „Das ist bislang eindeutig nicht der Fall und das ist nicht erträglich.“

13 Menschen schlagen bei Anschlag

Bei dem Anschlag starben 13 Menschen, darunter der Attentäter. Der 21-jährige Geologie-Student Gundolf Köhler, ein früherer Anhänger der dann verbotenen rechtsextremistischen „Wehrsportgruppe Hoffmann“, hatte nach einer verpatzten Prüfung den Sprengsatz mit 1,39 Kilogramm TNT in einem Mülleimer am Wiesn-Haupteingang deponiert. Bis heute gibt es Zweifel, ob Köhler die Tat – gut eine Woche vor der Bundestagswahl – allein und nur aus persönlichem Frust begangen hat.

Augenzeugen wollen etwa in dem Auto, in dem Köhler nach München kam, Mitfahrer gesehen haben, die sich gestikulierend unterhielten. Spekuliert wird auch, dass Köhler mit anderen zusammen ein Nachahmungstäter war, der den Anschlag acht Wochen zuvor auf den Bahnhof von Bologna mit 85 Toten zum Vorbild nahm.

„Wir wollen die Tragödie verstehen“

„Immer noch tappen wir im Dunklen, wenn wir uns fragen, was vor der Detonation der Bombe geschehen ist – und warum sie überhaupt gezündet wurde“, sagte Laura Pulz von der DGB Jugend Region München, die jedes Jahr das Gedenken organisiert. „Wir wollen diese Tragödie verstehen – und dafür brauchen wir Antworten.“ Pulz und Keupp warnten vor rechten Einstellungen in der Gesellschaft und verwiesen auf Studien, nach denen Zustimmung zu rechtsextremem Gedankengut kein „randständiges Problem“ sei.

Trotz jahrelanger Forderungen wurde das Verfahren zum Oktoberfestattentat bisher nicht wieder aufgenommen. Vor zwei Jahren war bekanntgeworden, dass amtlich verwahrte Beweismittel dazu Ende der 90er Jahre vernichtet wurden. (dpa)

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht