MyMz

MZ-Serie

Geheimnisse aus der Klosterruine

Im Gasthof zum Kloster in Berg-Gnadenberg wird zum guten Essen noch manche alte Geschichte erzählt. Und es verbergen sich manche Überraschungen.
Von Thomas Dietz, MZ

  • Im Keller: ein Bassin, gefüllt mit Wasser aus hauseigenen Quellen

Berg-Gnadenberg.Kolossal! Wann hat man je an einem solchen Ort gestanden? Die Klosterkirche in Gnadenberg ist von überwältigender Schönheit – auch noch 378 Jahre nach ihrer Zerstörung. „Gerade jetzt in der Herbstsonne“, sagt Marianne Haas, die Wirtin vom nahen Gasthof zum Kloster, „wenn die Steine der Ruine von ocker bis auberginefarben leuchten.“

Kein Zweifel, dass dies eine hochspirituelle Stätte ist: „Es kommen Gäste aus den Benelux-Staaten, aus England, der Schweiz und selbstverständlich aus Schweden“, berichtet die Wirtin. Denn das Kloster auf halber Bergeshöhe über dem Schwarzachtal war 1426 eine Gründung des Birgittenordens – nach Birgitta Birgersdotter (Birgitta von Schweden; 1303-1373). In Deutschland gibt es heute nur noch ein Birgittenkloster: im oberbayerischen Altomünster bei Dachau.

Wenn Gnadenberg-Besucher lange genug zu den grandiosen gotischen Fenstern hinaufgeblickt haben (die Grundfläche der Kirche beträgt 70 mal 37 Meter!) kehren sie natürlich in der Klosterschänke ein, die seit 1625 öffentliche Gaststätte ist, um sich bei knisterndem Holzofenfeuer vorzüglich bewirten zu lassen. Marianne Haas ist nie um eine Antwort verlegen: Nein, die Ruine bis zum Mauerabstand von 30 cm links und rechts gehört seit 1889 dem Freistaat, der Garten ist privat. Keller und Gewölbe sind weitgehend erhalten, aber nicht zugänglich.

Archäologische Grabungen gibt es keine, das würde auch große Unruhe in den kleinen Ort bringen. Denn einmal hat man vor dem teilerhaltenen Schwesternheim ein wenig im Boden gekratzt und sofort ein mittelalterliches Kochgeschirr ausgegraben.

Die Magie von Kirchenruinen

Die magisch-surreale Wirkung zerstörter Kirchen inspiriert auch seit langem den Keramikbildhauer Karl Dieter Horn aus Bitzen im Westerwald, der teils tischgroße Ruinenmodelle fertigt, die einmal sogar als Hintergrund-Deko im „Tatort“ vorkamen.

Und ausgerechnet die Schweden haben das Kloster am 23. April 1635 zerstört. Ihr General Horn hatte zwar Schonung versprochen, als jedoch „ein Pfälzer“ vom Klosterdach herunter feuerte und das Pferd eines Trompeters traf, ließ der Heerführer auf der Stelle Kloster und Kirche zerstören: „Anno 1635 an dem heyligen Carfreitage ist das gantze Closter Gnadenberg sambt der schenen Kirchen in Prandt gesteckt“ worden, heißt es in einer Chronik – und zwar mit Mann und Maus, mit beiden Konventsgebäuden, Getreidespeicher, Hirtenhaus und Klostermühle, Malz- und Bräuhaus.

Das klösterliche Gasthaus, erbaut Ende des 16. Jahrhunderts, wurde verschont. Eine erhaltene urkundliche Erwähnung stammt allerdings erst aus dem Jahr 1629, als „vulminante Raufhändel“ aktenkundig wurden.

Alles ist hier erfreulich alt: über dem Türsturz des Eingangs steht die Jahreszahl 1818, Balkendecke, Dielenboden (mit handgeschmiedeten Nägeln) und die Wandvertäfelung sind weitgehend erhalten. Die Qualitätsmaßstäbe von Marianne Haas und ihrem Mann Michael sind ebenso konservativ: seit 80 Jahren wird Tucher-Bier ausgeschenkt, die Speisen sind frisch, deftig und von heimischen Lieferanten: es gibt knusprige Schweineschäuferl vom Holzofen, Schnitzel aller Art („Klosterschnitzel“ mit Meerrettich-Senf-Panade) oder Bratengröstl mit Spiegelei. Dazu gesellt sich eine vorzügliche Fischkarte: meist mit Karpfen, Bachsaibling und Forelle.

„Marianne, es war wunderbar“

Zum Dessert kommt der „Sonnenuntergang“ (Eis mit warmen Zwetschgen) oder Rotweinzwetschgen mit Vanillesoße – alles natürlich von der Wirtin zubereitet: „Mei, Marianne, es war wieder wunderbar“, hört man nicht selten beim Abschied der Gäste.

Und hinter den Türen dieses Wirtshauses verbergen sich manche Überraschungen: Quer durch den großen Saal im Obergeschoss, der regelmäßig zum Tanz und für Familienfeiern, von Musikanten, Kabarettisten und Theatergruppen bevölkert wird, verläuft das mit 13 Metern längste Ofenrohr der Oberpfalz. Es kommt aus einem Prachtstück von eisernem Ofen, der, ebenso wie der unten in der Gaststube, wohlige Wärme verbreitet. Über der Tür liest man die alte Weisheit des Heidedichters Hermann Löns: „Die Rose blüht, der Dorn der sticht, wer gleich bezahlt, vergißt es nicht.“

Tief unten liegen die Vorratsgewölbe des einstigen Klosters, die 52 Meter weit (!) in den Berg führen. Ständig läuft, leise plätschernd und gluckernd, kristallklares Wasser in Rinnen durch den Keller: „Wir haben drei hauseigene Quellen“, sagt die Wirtin, „sie sind von so überragender Qualität, dass wir das Wasser zum Kochen nehmen.“

Und dann ist da noch die Geschichte des Ritters Martin von Wildenstein (†1466), dessen lebensgroßes Relief-Epitaph das einzige erhaltene Grabmal der Klosterruine bildet. Nach mündlicher Überlieferung steigt er bisweilen zur Mitternachtsstunde aus seinem Grabe empor und wandelt durch die Straßen. Immer wenn ihn einer sieht, muss jemand im Dorfe sterben ...

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht