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Schlagabtausch

Grüne feiern ihr Comeback

Mit einem redegewandtem Jürgen Trittin sind die Grünen zurück auf der Gillamoos-Wiese. Der geht hart mir der CSU und der Kanzlerin ins Gericht.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Der Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, Jürgen Trittin, posiert am Montag (03.09.2012) beim politischen Gillamoos-Frühschoppen in Abensberg mit einem Maßkrug. (Foto: dpa)

Abensberg.Die Grünen sind zurück. Fünf Jahre mussten sie abseits der Gillamoos-Wiese ihren politischen Schlagabtausch bestreiten. Jetzt haben sie im Weinzelt eine neue Bleibe gefunden. Kreisvorsitzender Richard Zieglmeier führt stolz Bundesfraktionschef Jürgen Trittin in das Zelt, das bislang der FDP als Politbühne diente. Der Applaus ist freundlich. Die „Häuslratzn“ spielen einen Marsch. Die Bühne ist klein, die Zahl der Mikrofone und Kameras überschaubar. Etwa 200 bis 300 Zuschauer sind gekommen. Sogar CSU-Landrat Faltermeier schaut vorbei. Der Neuanfang ist gelungen, freut sich Zieglmeier.

Mit Jürgen Trittin steigt ein politisches Schwergewicht der Grünen in den Ring. Einen Tag, nachdem die Partei die Urwahl seiner Spitzenkandidaten beschlossen hat, präsentiert sich der frühere Umweltminister unter Kanzler Schröder mit einem breiten Themenspektrum. Europa, Umwelt, Bildung. Auch das Thema Mindestlohn spricht Trittin an.

„Blöd, blöder Söder“

Maximilian Sänger, der mit mehreren Freunden aus Kelheim auf den Gillamoos gekommen ist, hätte gerne Aussagen zum bedingungslosen Grundeinkommen gehört. „Wir sind überzeugte Grüne und wir erwarten uns dazu Antworten, auch von einem früheren Umweltminister.“ Am Montag wartet Maximilian Sänger allerdings vergeblich. Doch Trittin spricht Themen an, die der Basis auf den Nägeln brennen. „Banken müssten auch pleite gehen können. Finanzielle Rettungsschirme, für die der Steuerzahler aufkommen muss, soll es nicht mehr geben. Zum Abbau von Staatsschulden fordert Trittin einen Altschuldentilgungsfonds und macht auch gleich klar, wer diesen finanzieren soll: „All jene, deren Vermögen in der Krise gerettet wurde.“

Ernst wird er beim Thema Europa. Die Aussagen von CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt, der kürzlich den Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, als „Falschmünzer“ bezeichnet hatte, bewertet Trittin als „Gequatsche“. „Wer für Stabilität in der Währungsunion sorgt, ist kein Falschmünzer.“ Auch Finanzminister Söder habe nur unqualifizierte Beiträge zur Euro-Krise abgeliefert. „Blöd, blöder, Söder. Dem fällt zu Griechenland nur ein, dass irgendwann jeder bei Mutti ausziehen muss“, frotzelt Trittin unter Gelächter im Publikum. Er mahnt, dass man durch Beleidigungen der Nachbarländer die Krise nicht überwinden werde.

Verbale Keule gegen die Kanzlerin

Immer wieder brandet Applaus auf, wenn der Bundesfraktionsvorsitzende die verbale Keule gegen Kanzlerin Merkel schwingt. Deutschland habe noch nie eine Regierung erlebt, „die so oft und konsequent die Verfassung gebrochen hat. Das hat das Bundesverfassungsgericht immer wieder bestätigt“. Auch habe die Kanzlerin in ihrer Amtszeit 500 Milliarden Euro Schulden aufgehäuft. „Und diese Dame läuft durch Europa und predigt Sparsamkeit“, sagt Trittin.

Deshalb müsse 2013 aus Schwarz-Gelb auf Bundesebene wieder Rot-Grün werden, in Bayern soll die Regierung Seehofer abgelöst werden, gibt er die Marschrichtung vor. „Beim nächsten Gillamoos möchte ich Margarete Bause als bayerische Umweltministerin begrüßen.“ Ob die Grünen ihre Ziele erreichen können? Rudolf Emmerling aus Regensburg bleibt trotz Lob für Trittin skeptisch: „Ich fürchte, 2013 werden sie Seehofers Platz noch nicht einnehmen.“ Aber zumindest einen Platz haben sich die Grünen zurückerobert: ein Zelt auf der Gillamoos-Wiese.

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