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Hollywood trifft Trachten-Charme

Zwischen Tradition und Glamour à la Hollywood – die extravaganten Dirndl-Kreationen der Regensburgerin Astrid Söll treffen den Geschmack der Promis.
Von Katja Bock, MZ

  • Seit 2011 entwirft Astrid Söll Dirndl und das mit durchschlagendem Erfolg. Besonders stolz ist sie auf den Dirndl-Schnitt, den man auch ohne Bluse tragen kann. Fotos: Gabi Schönberger
  • Charakteristisch für die Dirndl sind die aufwendig bestickten Schürzen.
  • Liebevoll gestaltete Details wie hier die eingestickten Initialien.
  • Das Wohnzimmer ist gleichzeitig auch Showroom.

regensburg. Grünes Sommerkleid mit asymmetrischen Ärmeln, eine auffallende goldene Kette mit Totenköpfen und passendem Armband, die High-Heels farblich abgestimmt auf das Kleid – perfekt gestylt öffnet die Dirndl-Designerin Astrid Söll die Tür zu ihrer Stadtvilla im Westen Regensburgs. „Glamourös-mondän, auffallend-anders, genau das wird von mir und meinem Namen erwartet“, wird die zierliche Blondine später noch ihren Stil beschreiben. Ihr Wohnhaus ist gleichzeitig auch Showroom für ihr Label „Dirndl Couture by Astrid Söll“. Neben den schweren antiken Möbeln im Wohnzimmer stehen die Kleiderstangen mit den neuesten Kreationen.

Die neue Dirndl Couture

Es glitzert und funkelt von den Ständern. Zwischen bayerischer Tradition und Glamour à la Hollywood bestechen die Dirndl vor allem durch ihre Extravaganz. „Für mich ist ein Dirndl etwas sehr Spezielles, Festliches und nichts Alltägliches. Ich selbst trage es wie ein Abendkleid“, beschreibt die studierte Kunsthistorikerin ihre Affinität zu dem Traditionsstück. Klassische Schnitte treffen auf hochwertige Stoffe wie Seide oder Brokat. Glitzer- Schürzen und Details wie Dirndl-Haken in Form der Initialen „AS“ runden das Bild ab.

Die Liebe zum Detail ist in jedem einzelnen Modell sichtbar. Von den mit Swarovski-Steinen beklebten Charivari-Anhängern – die sie ganz am Anfang sogar selbst bastelte – bis zu den bestickten Schürzenbändern ist alles aufeinander abgestimmt. Ihr Stil ist verspielt, pompös, aber nie überladen. Besonders stolz ist sie auf einen von ihr konzipierten Schnitt, den man auch ohne Bluse tragen kann. „An diesem Schnitt arbeite ich seit Anfang an und habe ihn immer wieder verbessert.“

Auf ihrem Stuhl hält es die quirlige Designerin nie lang. Um ihr Lieblings-Dirndl besser zeigen zu können, tauscht sie kurzerhand ihr grünes Sommerkleid gegen ein graues Dirndl mit Blumen-Muster und Stehkragen. Während des Gesprächs bringt sie immer neue Modelle, rollt Stoffbahnen aus oder schwärmt von den Details. Auf dem Wohnzimmerteppich breitet sie die Stoffe für die Sommerkollektion 2014 aus. Ungefähr neun Meter Stoff werden in einem Dirndl verarbeitet. Ein knalliges Pink und Türkis sind die dominierenden Farben. Muster-Stoffe mit chinesisch inspirierten Motiven vervollständigen das Kollektionsbild. Inspiration für ihre Kollektionen bieten ihr Bücher, Flohmärkte, aber auch die gängige Mode.

Von der Musik zur Mode

Die Geschichte ihrer außergewöhnlichen Dirndlkreationen ist dabei unter anderem auch einer glücklichen Fügung des Schicksals zu verdanken. Nachdem sie 2010 bei den Thurn und Taxis Schlossfestspielen ausschied, wollte Söll eigentlich nach München ziehen und wieder im Konzert-Business arbeiten. „Etwa zur gleichen Zeit hat mir Herr Wirkes angeboten, ob ich nicht ein paar Dirndl auf Kommission bei ihm in den Laden hängen möchte. Damals habe ich mir meine eigenen Dirndl bereits selbst entworfen und er war ganz begeistert“, erinnert sie sich. Die Prototypen dazu – ihre eigenen Dirndl – hatte sie schon im Schrank. „Wir haben dann im ersten Jahr schon sehr viele Maß-Dirndl verkauft, so dass eigentlich der zweite Schritt eine Kollektion war.“ In kürzester Zeit wuchs die Marke zum Trend-Label für ausgefallene Dirndl und erfreute sich auch bei den Promis größter Beliebtheit. Claudia Effenberg trug ein Söll-Dirndl zu den Schlossfestspielen, Désirée Nick ließ sich im Schloss Sünching in einer Astrid Söll Kreation ablichten und Heidi Klum hat sogar drei Modelle der Regensburger Designerin. Wie sie später noch verrät, geht es am nächsten Tag zum Foto-Shooting mit Simone Ballack.

Deutschland, Österreich und Schweiz: Mittlerweile vertreiben 50 Einzelhändler „Dirndl Couture“. In der Preisklasse zwischen 500 und 800 Euro hängen die Dirndl nicht mehr nur in Trachtengeschäften, sondern auch immer mehr in exklusiven Modeboutiquen.

Der nächste Schritt für Astrid Söll ist deshalb eine eigene Mode-Kollektion. „In meinem Kopf habe ich schon alles geplant und manche Sachen hängen schon im Kleiderschrank.“ Nächstes Jahr im Herbst wird es die ersten Mode-Kreationen zu sehen geben. „Außerdem werden wir auf Messen in Moskau und den USA vertreten sein. In den USA wird es zukünftig auch einen eigenen Vertrieb geben“, erläutert Söll ihre kommenden Vorhaben im Modebusiness.

Zwischen Abendkleid und Traditionsstück verbindet Astrid Söll Hollywood-Glamour und Trachten-Charme und setzt das traditionelle Dirndl damit in einen neuen Kontext. Elegant und extravagant beweisen die Kreationen auch außerhalb von Volksmusik und Schützenfest Stil-Gefühl und treffen so den Nerv der Zeit. Das Erfolgsrezept der Designerin: „Man muss die Liebe dafür haben, sonst wird das nichts.“

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