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Im Sommer geht es tierisch zu

Die großen Schlagzeilen Ostbayerns: Ein Panther hielt die Oberpfalz 2001 wochenlang in Atem. Dass Krokodile gesichtet werden, ist fast schon Alltag.
von Christine Strasser, MZ

  • Sah er so aus? Bei Pressath wurde 2001 ein pantherähnliches Tier gesehen, das fortan scheinbar durch die nördliche Oberpfalz streifte, denn die Meldungen häuften sich.Foto: MZ-Archiv
  • Am Klausensee bei Schwandorf wurde 2012 ein Krokodil gesucht. Foto: dpa
  • Am „Kiesi-Beach“ bei Pressath wurde 2009 ein Krokodil gesichtet. Foto: MZ-Archiv
  • 2007 wurde bei Schwarzenfeld Krokodil-Alarm ausgelöst. Foto: dpa
  • Diese Aufnahme einer Wärmebildkamera gab der Polizei Rätsel auf. Foto: ct

Regensburg.Pechschwarz war das Tier. Katzenähnlich, aber größer. Es fiel durch geschmeidige Sprünge auf – und Schnelligkeit. Zehn Zeugen, darunter erfahrene Jäger, hatten sich Ende August 2001 bei der Polizei gemeldet, weil sie das scheue Tier gesehen hatten. Der Verdacht: Ein Panther streift durch die Wälder rund um Riggau nahe der Stadt Pressath. „Mit Sicherheit gibt es dort ein Tier, das in unseren Breiten normalerweise nicht beheimatet ist“, hieß es in einer der ersten Pressemitteilungen der Polizei.

Im Sommer ploppen derartige Meldungen regelmäßig auf. Alle Jahre wieder wird ein „Sommerlochkaimankrokodilpantherbär“ gesichtet. Für dieses Phänomen gibt es viele Erklärungen. Markus Behmer, Professor für empirische Kommunikatorforschung an der Universität Bamberg, führt als erstes eine ganz banale an: „Im Sommer verbringen die Menschen viel Zeit draußen in der Natur – vor allem beim Baden.“ Viele Sommerlochtiere werden im oder am Wasser gesichtet. Die bissige Schildkröte Lotti ist das jüngste Beispiel. In der Oberpfalz hat die Polizei dreimal innerhalb von fünf Jahren Krokodil-Alarm ausgelöst, zuletzt 2012. Auch der Klassiker aller Sommerlochtiere ist eng mit einem Gewässer verbunden: das Ungeheuer von Loch Ness.

Abenteuer für Daheimgebliebene

Es gibt aber auch wissenschaftliche Gründe, die Sommerlochtiere zu einer guten Geschichte machen, wie Behmer erläutert. Bei ihnen treffen viele Nachrichtenfaktoren zusammen. Oft handelt es sich um „exotische Tiere, die ein bisschen gefährlich oder zum Gruseln sind“. Die Geschichten bekommen Relevanz, weil sie in der Nähe passieren – und nicht irgendwo in der Ferne. Behmer spricht vom „Abenteuer Alltag“, denn auch vor der Haustür passieren spannende Sachen. Mitunter greift auch Negativismus wie bei der Schildkröte Lotti: Ein Kind wurde verletzt. Es beginnt eine Suche nach dem Tier. „Der Braunbär Bruno war besonders toll“, sagt Behmer, „weil er immer wieder etwas Neues angestellt hat“. Sein Lieblingssommerlochtier ist aber ein anderes. Behmer nennt die Kuh Yvonne. „Kein so außergewöhnliches Tier, das aber Außergewöhnliches unternimmt.“ Der Freiheitsdrang der Kuh bot Raum zur Identifikation.

Dass so viele Sommerlochtiere in Bayern auftreten, wundert den Experten nicht. „Es gibt viele Naturparks“, sagt Behmer. Außerdem sei der Freistaat ein Flächenland mit vielen unterschiedlichen Landschaften – auch exotischen. „Für Flachländer sind die Berge eine exotische Landschaft.“ Bayern ist also eine Spielweise, die viele Geschichten möglich macht.

Ringfahndung und Hubschrauber

Die Pantherjagd 2001 in der Oberpfalz gestaltete sich schwierig. Die vermeintliche Raubkatze hatte keinen großen Hunger. Nachrichten über gerissene Schafe oder Wild blieben aus. Es gab keinen Zoo, der ein solches Tier vermisste. Auch Recherchen in Richtung der Familien amerikanischer Soldaten auf dem nahen Truppenübungsplatz Grafenwöhr verliefen im Sande. Die Amis schleppten zwar allerhand exotische Haustiere von zuhause mit, aber ein Panther war nicht darunter. Schließlich wurde das Bundeskriminalamt eingeschaltet. Die Computer-Ringfahndung in Wiesbaden ergab, dass keiner der eingetragenen Panther-Halter in ganz Deutschland seinen Liebling vermisst.

Doch in der Oberpfalz ging es weiter tierisch zu. Mehrere Streifenbesatzungen und ein Polizeihubschrauber suchten nach dem Tier. Ein Panther? Ein Luchs? Eine Norwegerkatze? Eine Wärmebildkamera kam zum Einsatz. Eine Stelle bei Schnaittenbach (Lkr. Amberg-Sulzbach), wo das mysteriöse Tier gesehen worden war, wurde mit Hunden abgesucht. Ohne Ergebnis. Der nächste Alarm kam von Spaziergängern, die auf einer Wiese nahe der Ortschaft Irrenlohe einen „kleinen Panther“ umherschleichen sahen. Auch die Polizeibeamten, die das Tier durch ein Fernglas beobachteten, glaubten an eine Raubkatze. Weil sie um die Sicherheit von Spaziergängern und Anwohnern fürchteten, erlegten die Polizisten das Tier „mit einem gezielten Gewehrschuss“. Es stellte sich heraus, dass es sich nicht um einen Panther, sondern eine übergroße, verwilderte Katze handelte.

Die Jagd war damit nicht zu Ende. Die erschossene Katze war nicht das im Raum Weiden gesichtete und gesuchte Tier, ließ die Polizei mitteilen. Ein Hubschrauber stieß bei der Suche mit einer Wärmebildkamera in der Gegend um Pressath auf ein Tier von der Größe eines Schäferhundes. Ein Nürnberger Zoologe wertete die Aufnahmen aus. Der Experte identifizierte laut Polizeisprecher aufgrund der Bilder „zweifelsfrei ein Reh und einen Hasen“. Später korrigierte sich der Zoologe allerdings und sprach von einem gefilmten Reh und einem Fuchs.

Die Hatz wurde daraufhin abgeblasen. Doch vollends verstummte der Spuk um den schwarzen Panther noch immer nicht. Bis Mitte September gingen immer wieder Meldungen von Panthersichtungen bei der Polizei ein. Die Pfotenabdrücke konnten die Spurendeuter der Polizei jedoch zweifelsfrei einem Hund zuordnen. Sie gaben Entwarnung. Und dann kam der Herbst.

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