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Landtagswahl

Der AfD fällt das Siegerlächeln schwer

Die Partei zeigte sich bei der Wahlparty in Mamming vorab sehr siegessicher. Nach 18 Uhr drehte sich die Stimmung.
Von Marianne Sperb

Alice Weidel, Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, kommt zur Wahlparty der AfD. Foto: Armin Weigel/dpa
Alice Weidel, Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, kommt zur Wahlparty der AfD. Foto: Armin Weigel/dpa

Mamming.Katrin Ebner-Steiner, stellvertretende Landesvorsitzende der AfD, schaut einen Moment lang bettroffen, dann hat sie sich wieder im Griff: Als im Gasthaus Apfelbeck in Mamming am Sonntag kurz nach 18 Uhr die ersten Wahlergebnisse bekannt werden, liegt ihre Partei deutlich unter den 16, 17 Prozent, die die Anhänger zuvor als Prognose genannt hatten.

„Der Abend ist noch früh, auf 13, 14 Prozent könnten wir schon noch kommen“, sagt sie gegenüber unserem Medienhaus. Offenbar hätten die Freien Wähler Stimmen gekostet. „Die sitzen seit zehn Jahren im Landtag und sie binden unser bürgerliches Wählerpotenzial.“ Die AfD sei aber auch mit elf Prozent zufrieden, „aus dem Stand geschafft!“

Innere Sicherheit habe oberste Priorität

Innere Sicherheit sei das Thema mit oberster Priorität, sagt Ebner-Steiner. Der erste Antrag, den sie im Landtag stellen will, zielt auf „die Sicherheit unserer Frauen“. Viele Gespräche an Infoständen hätten gezeigt. „Unsere Frauen und Mädchen trauen sich abends nicht mehr auf die Straße.“

Alice Weidel, Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, kommentiert das AfD- Ergebnis in Mamming ähnlich: Die Freien Wähler hätten in Bayern Stimmen abgeschöpft. „Ich freue mich für die AfD. Aber es tut mir leid für Bayern“, falls die CSU nun weitermachen könne wie gehabt mir ihrer „Ankündigungspolitik“.

Der AfD- Gemeinde im Saal gratuliert sie routiniert zu einem „fulminanten Ergebnis“: „Das habt ihr klasse gemacht!“ Richtung Berlin appelliert sie: „Macht den Weg frei für Neuwahlen!“

Gebhardt erwartet besseres Ergebnis in der Oberpfalz

„Wir hätten uns mehr erhofft, aber das Ergebnis ist auch nicht enttäuschend“: Der Oberpfälzer AfD-Bezirkschef Christian Paulwitz greift die Sprachregelung der AfD an diesem Abend auf. Er verweist, wie sein Parteikollege Peter A. Gebhardt aus Kelheim, auf die Konkurrenz durch die Freien Wähler. „Ich erwarte aber, dass wir in der Oberpfalz am Ende deutlich besser abschneiden als im Landesdurchschnitt.“

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Landtagswahl: Die ersten Reaktionen

Unzufrieden mit den ersten vorläufigen Zahlen zeigt sich Reinhard Mixl aus Schwandorf. „Das ist natürlich schlecht, wenn der Migrationskurs jetzt so weitergehen kann.“ Aber es lägen ja längst noch nicht alle Ergebnisse vor.

Auf dem Parkplatz vor dem Gasthof Apfelbeck steht am Sonntag ein Ü-Wagen neben dem anderen, dazwischen mehrere Polizei-Mannschaftswagen. Das beschauliche Mamming wird einen Tag ein medialer Hotspot, 93 Medienvertreter sind angemeldet. Die Farbe Blau und der AfD-Slogan „Mut zur Wahrheit“ bedecken jedes freie Plätzchen Wand. DJ Stefan lässt aus großen Boxen Bayern-Schlager krachen: „Des is am Stimmung, des ist genial! Des is a Stimmung, des is net normal.“

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Die Reaktionen der Politiker aus der Region

Eine neue bayerische Weltordnung

Die AfD feiert hier ihre Wahlparty, und dass ab 18 Uhr zum Feiern Grund sein würde, daran hatte hier am Nachmittag kein AfD-Anhänger Zweifel gelassen. Eine neue bayerische Weltordnung soll geschrieben werden, „endlich soll das Volk wieder das Sagen“ haben, wie es ein Besucher formuliert.

Landtagswahl

CSU und SPD brechen in Bayern ein

Krachende Wahlniederlage für die CSU. Die SPD stürzt gar auf ein historisches Tief. Das Echo schallt bis nach Berlin.

Stephan Protschka, der für die AfD im Bundestag sitzt und zum Urgestein der Partei zählt, zeigt sich zwei Stunden vor der Schließung der Wahllokal noch siegessicher: „16, 17 Prozent für die AfD in Bayern, weit über 20 Prozent in Niederbayern“, lautet seine Prognose.

Auf jüngste Ausfälle von Benjamin Nolte aus Regensburg angesprochen, reagiert Protschka abwehrend. Der AfD-Landtagskandidat von Rechtsaußen hatte bei einer Wahlkampfveranstaltung in Weiden angekündigt, man werde die anderen Parteien jagen, bis sie zur Strecke gebracht seien, und: „Am Ende der Schlacht werden die Toten gezählt.“ Nolte relativierte seine Worte später, Protschka kommentiert sie am Sonntag so: „In jeder Partei gibt es fünf Prozent Blöde.“

Meuthen muss passen

Alice Weidel kommt eine halbe Stunde vor 18 Uhr, ihr Parteikollege Jörg Meuthen muss passen: Er sitzt bei Anne Will im TV-Studio. Zweite prominente AfD-Rednerin in Mamming ist Katrin Ebner-Steiner. Die Dirndlträgerin ist ein Zugpferd. Die 40-Jährige, bekannt für scharfe Töne, hatte bei der Bundestagswahl für ihren Wahlkreis Deggendorf 19,2 Prozent der Stimmen für die AfD geholt – das beste Ergebnis in ganz Westdeutschland.

Eindrücke von den Wahlpartys können Sie sich in unserer Galerie ansehen:

Wahl: So reagieren die Parteien

Alice Weidel und Katrin Ebner-Steiner werden vom Defiliermarsch, aufgezwirbelt mit einer Prise James Last, in den Gasthof geleitet. Der ganze Saal schwenkt weiß-blaue Fähnchen, die Kandidaten strotzen vor Freude. Es ist 17.40 Uhr. „Frau Ebner-Steiner, ich gratuliere!“, empfängt ein Gast die Niederbayerin, so siegesgewiss ist man hier.

Das ändert sich, als erste Ergebnisse auf der Leinwand aufploppen. Dass die Linke die Fünf-Prozent-Hürde verfehlt hat, wird bejubelt, das satte Ergebnis der Grünen quittieren die AfD-Politiker hier unisono mit einem enttäuschten Ooh, zum eigenen Ergebnis von 11 Prozent gibt es nur sehr verhaltenen Jubel. Die Party hatte man sich anders vorgestellt. „Freibier!“ verkündet Stephan Protschka. Aber die Stimmung will an diesem Abend nicht schäumen.

Wie geht es jetzt nach diesen Landtagswahlen weiter? MZ-Landtagskorrespondentin Christine Schröpf mit einer Analyse.

Christine Schröpf mit einer Analyse aus dem Landta

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